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Duo führt querbeet durch die Dramen

Komisch und frei – und sehr frei nach Schiller

Bückeburg (dis). Freude und Verzweiflung liegen manchmal nah beieinander, und Lachen ist nicht immer nur Ausdruck überschäumenden Wohlbefindens. Davon zeugte die gut besuchte Parodie „Schiller – ganz oder gar nicht“ mit der Münchner „Theaterlust“ am Sonntagabend im Joël-Le-Theule- Saal des Ratskellers. Gastgeber war der Kulturverein.

veröffentlicht am 25.01.2011 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 03:41 Uhr

Im Nu entpuppte sich unter dem Motto „Eng ist die Welt, und das Gehirn ist weit“ ein „komisch-freier“ Theater-Schmaus nach Schiller, an den die Allrounddarsteller Anja Klawun und Thomas Luft großen Anteil hatten. Lustvoll und mit sprühendem Einfallsreichtum spielten sich die beiden Profis kreuz und quer durch Schillers Werke und bezogen das Publikum geschickt mit ein. In der Reihenfolge, wie der Dichter die Stücke einst verfasste, setzte das wandlungsfähige Duo Schlüsselszenen ins rechte komödiantische Zwielicht. Hier und da schoben sie Balladen und Zitate des Meisters ein oder griffen zur Gitarre und sangen.

Etwas ratlos lächelte man anfangs noch über den mimischen Schnelldurchlauf der Künstler. Doch sehr fix durchschaute der Besucher die einzelnen Figuren anhand zeitgeraffter Gestik, herrlicher Ausdruckspaletten und drolliger Outfits. Klawun und Luft verkörperten im fliegenden Rollen- und Kostümwechsel „Die Räuber“, „Die Verschwörung des Fiesco“, „Kabale und Liebe, „Don Carlos“, „Wallenstein und dessen Tod“, „Maria Stuart“, „Die Jungfrau von Orléans“, „Die Braut von Messina“ und last but not least „Wilhelm Tell“ samt Apfel. Diesen musste sich Frau Schnierle aus dem Parkett vom Kopf „schießen“ lassen und tat das sehr charmant.

Übrigens beließen es die Akteure nicht bei abgehobener Bühnensprache, sondern parlierten, wenn es passte, mit Volkes Zunge. Ihnen fiel es leicht, als Seiltänzer die wohlfeile Balance zwischen Tragik und Komik zu halten und doch aus dem Vollen des Theaterprotagonisten zu schöpfen. Und so begegnete man dem Dichter und Denker auf eine verblüffend kurzweilige und unterhaltsame Weise. Kein Wunder, dass Bückeburger sowie „Zugereiste“ dem sympathischen Paar langen, herzlichen Beifall zollten.




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