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Heinz-Martin Schuster bringt unbekannte Tradition nach Bückeburg

Kurrender Sänger unterwegs

BÜCKEBURG. Kurrende Sänger oder Kurrende Chor? In Bückeburg und unserer Region so gut wie unbekannt. Dass das sich ändert, dafür will Heinz-Martin Schuster aus Bückeburg sorgen. Ab dem heutigen Samstag wird er beginnend im Ortsteil Knatensen morgens singend durch einige Straßen in Bückeburg und Umgebung gehen.

veröffentlicht am 04.12.2020 um 12:33 Uhr

Eine Kurrende (oder Currende) ist ein Laufchor. Die Bezeichnung galt ursprünglich einem aus bedürftigen Schülern bestehenden Chor an protestantischen Schulen, der von Haus zu Haus zog und für Geld sang, erklärt Heinz-Martin Schuster. Heute gebe es noch diesen Brauch, vor allem in evangelischen Kirchgemeinden im Erzgebirge, am frühen Weihnachtsmorgen und oft auch an den Adventssonntagen vor Sonnenaufgang die Weihnachtsbotschaft singend in den Straßen erklingen zu lassen. Mit dem allgemein bekanntem „Sternsingen“ zum 6. Januar habe dieses Kurrende-Singen allerdings nichts zu tun. Hier – und ihm – gehe es auch nicht mehr um Geldsammlung, sondern ausschließlich um die Advents- und Weihnachtsbotschaft, dass Gott in Seinem Sohn Jesus Christus zu uns gekommen ist und auch heute noch uns zu echter Freude und bleibendem Frieden bringen will, wie es in der ersten Strophe von „Macht hoch die Tür“ zusammenfassend formuliert ist: „ ... der Heil und Leben mit sich bringt! ...“

Advent und Weihnachten werde in dieser „Corona-Zeit“ nicht mehr so sein, wie in vielen Jahren davor, sagt Heinz-Martin Schuster: „Doch gerade jetzt und wohl auch durch Corona begegnet mir immer wieder ein Fragen und Rückbesinnen auf das, was Advent und Weihnachten eigentlich ist – und was fast verloren ging durch selbst gemachten Weihnachtszauber aus Trubel, Hektik und Terminen.“

Auf diese jetzige „Weihnachtssehnsucht“ will ich reagieren, indem er als einzelner Kurrende-Sänger (in der Gruppe ist es ja nicht möglich), an den Adventssonntagen (ab dem 2. Advent auch an den Samstagen) morgens singend durch einige Straßen in Bückeburg und Umgebung gehe, beginnend im Bereich Knatensen.

Heinz-Martin Schuster stammt aus Schaumburg, sein Vater Heinz-Martin Schuster sen war über 30 Jahre lang Pastor der Kirchengemeinde Vehlen. Der Junior ist seit 35 Jahren als überkonfessioneller Jugend- und Studentenseelsorger tätig, lebt derzeit in Bückeburg, davor überwiegend in Deutschland und in der Schweiz. Und er hat bereits Erfahrungen als „Kurrende- Sänger“, wie er unserer Zeitung schilderte:

„Die dünne gefrorene Schneedecke knirschte unter unseren Schuhen und Stiefeln, als wir etwa Viertel vor 6 Uhr aus dem Haus traten. In warmen Winterjacken, mit Handschuhen, Mützen und Schals, in den Händen Liedblätter oder Metallaternen mit brennenden Kerzen, machten wir uns auf in eine nahe Wohnsiedlung, wo unser Kommen durch die regionalen Zeitungen angekündigt war.

„Wir“, das waren die Seminaristen der „Bibelschule Malche“ in Porta Westfalica, und es war der Morgen des 1. Advent 1982. Schweigend folgten wir unserer Dozentin für Liturgie und Musikkunde, die den voll zur ihr passenden Namen „Roswitha Rosigkeit“ hatte. In einigen Unterrichtsstunden hatte sie uns Bibelschüler auf dieses morgendliche „Kurrende-Singen“ vorbereitet und dass dieses ein Segnender-Einsatz sei, wo Gespräche untereinander nur stören würden. Still war es rings umher, kein Auto war zu hören, nur unser Atmen und das Knirschen des Schnees.

Unter der ersten Straßenlaterne in der Siedlung standen wir dann dicht beieinander und sangen nicht laut aber doch vernehmlich zwei Strophen aus dem altbekannten Adventslied „Macht hoch die Tür“, bevor wir dann singend oder auch mal schweigend weitergingen. Nicht wie bei „Sternsingern“ gingen wir von Haus zu Haus, sondern eher stationsweise blieben wir stehen, um zu singen und manchmal mit einem kurzen Gebet die dort wohnenden Menschen zu segnen.“rc




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