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Symposium zum Thema „Hypothermie“ / Praxisteil im winterlichen Bergbad

Lebensretter nehmen Eisvollbad: DLRG der Unterkühlung auf der Spur

Bückeburg (jp). Schwimmen? Im Freien? Jetzt? Schon allein der Gedanke daran lässt zu dieser Jahreszeit so manchen eher zartbesaiteten Zeitgenossen frösteln. Der Anblick, der sich jedoch jetzt im Bückeburger Bergbad bot, dürfte selbst bei hartgesottenen Wasserratten eisige Gefühlswallungen ausgelöst haben: Bei winterlichsten Temperaturen ließen sich da einige Mitglieder der DLRG ins wirklich eiskalte Wasser des Schwimmerbeckens gleiten. Allerdings taten sie das zum einen aus einem guten Grund und zum anderen auch unter ärztlich-fachlicher Aufsicht: Das Bergbad war Schauplatz eines überregionalen Lehrgangs zum Thema Hypothermie der DLRG.

veröffentlicht am 02.02.2011 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 02:21 Uhr

Hypothermie – unter diesem Begriff verstehen Nachschlagewerke wie beispielsweise das klinische Wörterbuch „Pschyrembel“ das Absinken der Körpertemperatur deutlich unter den Normalwert, der bei Erwachsenen erfahrungsgemäß um die 36 Grad Celsius liegt, und dessen Konsequenzen. Als mögliche Folgen einer Hypothermie durch „Kälteexposition“, wenn also der Körper zu langer einer kalten Umgebung ausgesetzt wird, listet der „Pschyrembel“ Kältezittern, psychische Alteration, Bewusstseinsverlust, Muskelerschlaffung sowie Herzkreislaufprobleme bis zum Kammerflimmern auf.

Diese Folgen einer Unterkühlung, wie sie beispielsweise bei Wasser- oder Bergunfällen stattfinden können, sind also bekannt. Was aber sind genau die Vorgänge, die während dieser Unterkühlung im Körper ablaufen? Interessanterweise sind genau diese allgemein viel weniger bekannt als die daraus resultierenden Symptome. Und zwar aus dem einfachen Grund, weil die meisten Untersuchungen an Patienten immer erst dann stattfinden, wenn die Unterkühlung und deren Folgen schon lange eingetreten sind.

Grund genug für die medizinische Leitung der DLRG Deutschland, zu einem Workshop mit genau diesem Thema in ihr Schulungszentrum nach Bad Nenndorf einzuladen. Unter dem flotten Titel „Wie cool bist Du?“ referierten mehrere Dozenten unter Leitung des stellvertretenden DLRG-Bundesarztes Dr. Norbert Matthes über die Unterkühlung durch Wasser. Teilnehmer waren dabei nicht nur DLRG-Mitglieder, sondern die unterschiedlichsten Fachleute, beispielsweise auch Rechtsmediziner der Universität Jena.

Die medizinisch-theoretische Einführung übernahmen die beiden „DLRG-Präsidialbeauftragten Medizin“ Raik Schäfer und Dr. Ulrich Jost. Am Nachmittag des zweiten Schulungstages wechselte der Schauplatz des Geschehens zwecks Gewinn eigener Erfahrung von Bad Nenndorf ins Bergbad nach Bückeburg. Unter den wachsamen Augen von Badpersonal, Medizinern und Rettungs-Sanitätern gingen mehrere Workshop-Mitglieder mit den nur wenige Grad messenden Fluten des Schwimmerbeckens auf direkte Tuchfühlung.

Untersucht wurden dabei zunächst die Wirkung verschiedener Kälteschutzsysteme, anschließend dann die Rettung, Lagerung und Primärversorgung von Verunglückten sowie Diagnostik, Temperaturmessung und Monitoring von unterkühlten Personen. Genauestens bestimmt wurden dabei nicht nur rein körperliche Messdaten wie Puls, Blutdruck und Körpertemperatur, sondern beispielsweise auch, wie schnell bei einer unterkühlten Person das Sprechvermögen beeinträchtigt wird und wie lange sie sich noch selbstständig bewegen kann.

Die sanitätsdienstliche Absicherung des Workshop-Praxisteils übernahmen dabei Rettungssanitäter der DLRG-Ortsgruppe Lauenburg. Sie sorgten unter anderem mit einem Wärmezelt dafür, dass die Kälte-Probanden nach ihrem Ausflug ins winterliche Schwimmerbecken schnell wieder auf Normaltemperatur kamen.

Was tut man nicht alles für die Wissenschaft: Beim DLRG-Symposium stiegen Freiwillige in die kalten Fluten des Bergbades.

Foto: pr.




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