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Brände von E-Autos und Gas-Fahrzeugen stellen Feuerwehr vor neue Herausforderungen

Lichtbögen, Flammen und Grafitwolken

BÜCKEBURG. Autos können außer Benzin und Diesel auch Strom, Erd- oder Flüssiggas zum Fahren verwenden – das ist allgemein bekannt, doch: Diese alternativen Antriebe machen es der Feuerwehr schwer, Fahrzeugbrände zu löschen. Das Problem: Die Brände sind deutlich schwerer zu löschen und bergen hohe Gefahren, die auf den ersten Blick nicht zu erkennen sind. Mitglieder der Feuerwehr Bückeburg-Stadt wurden jetzt an verschieden Modellen geschult.

veröffentlicht am 07.03.2019 um 15:27 Uhr
aktualisiert am 07.03.2019 um 19:00 Uhr

Tricks und Kniffe: Ausbilder Jörn Bielinski (Mitte) zeigt Feuerwehrleuten, worauf sie bei Fahrzeugen mit alternativen Antrieben achten müssen. Orangefarbene Kabel bedeuten Gefahr – sie stehen unter Spannung. Durch sogenannte Rettungsleitfäden wissen
Leonhard Behmann

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.BÜCKEBURG. Autos können außer Benzin und Diesel auch Strom, Erd- oder Flüssiggas zum Fahren verwenden – das ist allgemein bekannt, doch: Diese alternativen Antriebe machen es der Feuerwehr schwer, Fahrzeugbrände zu löschen. Das Problem: Die Brände sind deutlich schwerer zu löschen und bergen hohe Gefahren, die auf den ersten Blick nicht zu erkennen sind. Mitglieder der Feuerwehr Bückeburg-Stadt wurden jetzt an unterschiedlichen Modellen geschult.

Die Ehrenamtlichen wollen fit für den Ernstfall sein. Das Know-how zu haben, kann bei Fahrzeugbränden über Leben und Tod entscheiden. „An die Risiken, die ein Auto birgt, das mit Benzin oder Diesel fährt, sind wir von Kindheit an gewöhnt. An die Gefahren, die von Strom oder Gas betriebenen Fahrzeugen ausgehen, sind wir nicht gewöhnt“, sagt Jörn Bielinski, Zugführer bei der Feuerwehr Bückeburg-Stadt, der sich intensiv mit dem Thema befasst hat. Die Einsatzkräfte müssten sensibilisiert und auf das Unerwartete vorbereitet sein.

Gerade die oft in Elektro-Autos verbauten Lithiumbatterien seien problematisch. „Bei einer Überladung oder bei mechanischen Einwirkungen wie bei Unfällen oder Bränden kann es zu einem Kurzschluss in den Batteriezellen kommen“, erklärt Ausbilder Bielinski. Eine Kettenreaktion sei dann die Folge. „Der Brand weitet sich auf benachbarte Zellen aus, und es entsteht sehr große Hitze“, sagt Bielinski. Stichflammen, Lichtbögen und der Ausstoß von Grafitwolken seien möglich. Diese Problematik tritt aber nicht nur bei E-Autos auf. „Auch bei E-Zigaretten, Smartphones oder E-Bikes können solche Brände passieren“, sagt der Zugführer.

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Das richtige Know-how kann über Leben und Tod entscheiden – heimische Feuerwehren erfahren bei einer Schulung, worauf bei Bränden von Elektro- und Gasautos zu achten ist. Jörn Bielinski hat sich mit Bränden von Elektro- und Gas-Autos intensiv beschäftig und gibt sein Wissen weiter. Fotos: leo

Solche Feuer lassen sich nur mit sehr viel Wasser löschen. „Batterien von E-Autos können bis zu 24 Stunden lang brennen“, weiß Bielinski, der seit 34 Jahren in der Feuerwehr aktiv ist. Zwar klinge das paradox, weil ja jeder wisse, dass sich Wasser und Strom nicht vertragen, „aber mit dem Wasser können wir die heißen Batterien herunterkühlen“, sagt Bielinski. Es komme auf das Wasser und den Abstand zum Fahrzeug an. „Wenn man mit einem Sprühstrahl löscht, reicht ein Abstand von einem Meter, um keinen Stromschlag zu bekommen. Sauberes Wasser leitet zudem nicht so gut wie dreckiges“, sagt der Feuerwehrmann.

Da die Batterien sehr lange brennen und auch nach einiger Zeit wieder Feuer fangen können, hätten sich manche Feuerwehren bereits Löschcontainer angeschafft. Diese Mulden werden mit Wasser gefüllt, und der brennende Wagen wird dann mit einem Kran in das Wasserbecken gesetzt. „Das Wasser kühlt die Batterien ab und entlädt sie gleichzeitig.“ Für Bückeburg extra einen solchen Lastwagen mit Container vorzuhalten, sei aber keine Alternative.

Tritt aus einem Auto Gas aus, kann Explosionsgefahr bestehen. Gerade Flüssiggas ist schwerer als Luft und breitet sich am Boden aus. Anders als Erdgas, das schnell aufsteigt und sich verflüchtigt. Gefährlich sei es auch dann, wenn ein solches Fahrzeug in einer Garage oder Halle abgestellt worden sei. Dort sammele sich dann das Gas.

Bei Unfällen mit Elektro-Autos gebe es außerdem noch etwas zu beachten. Wenn jemand im Fahrzeug eingeklemmt sei, dann müssten die Feuerwehrleute aufpassen, dass sie keine Stromleitung mit ihrem hydraulischen Rettungsgerät durchtrennen, auf der noch Spannung ist.

Bei Bränden oder Unfällen von Fahrzeugen mit alternativem Antrieb sei es deshalb wichtig, sofort das Fahrzeug zu deaktivieren. Bei Gasfahrzeugen gebe es Absperrventile, um das Ausströmen zu stoppen, bei Elektrofahrzeugen müsse der Stromkreis unterbrochen werden. Zwar gebe es die Sicherheitsmechanismen, diese seien aber nicht leicht zu finden und mit jedem Werkzeug zu handhaben.

Bei einer Übung erklärt Bielinski seinen Kollegen, welche Schwierigkeiten es gibt, damit im Ernstfall alles klappt. So unterschiedlich die Modelle sind, so unterschiedlich sind auch die Mechanismen, um den Stromkreis bei Elektroautos zu unterbrechen. „Während bei einem Tesla ein bestimmtes Kabel mit einem Seitenschneider durchtrennt werden muss, wird bei einem Audi ein Schalter hochgeklappt“, erklärt der Zugführer.

Aus diesem Grund seien sogenannte Rettungsleitfäden wichtig. Auf diesen Datenblättern ist erklärt, wie das Auto aufgebaut ist, wo welche Leitungen verlaufen und wie man den Wagen deaktivieren kann. Mithilfe von Bildern und Erklärungen werden die Einsatzkräfte im Ernstfall durch die wichtigen Arbeitsschritte gelotst. Die Leitstelle kann am Computer den Rettungsleitfaden für ein Auto mit einem bestimmten Kennzeichen abfragen. „Dort sind alle Besonderheiten dieses einen Wagens aufgeführt“, sagt Bielinski. Das sei gerade auch bei Fahrzeugen wichtig, die mit Flüssiggas-Antrieb nachgerüstet worden seien. „Denn es gibt kein sicheres äußeres Erkennungsmerkmal für Autos mit alternativem Antrieb“, sagt der Experte.

Die Feuerwehr Bückeburg-Stadt habe bereits zwei Tablet-Computer, auf die sie die Rettungsdatenblätter von der Leitstelle übermittelt bekommen könne. „Das Problem ist, dass die Hersteller der Rettungsleitfäden sie mit einer Verschlüsslung versehen haben und man Geld dafür bezahlen muss, wenn man sie am Einsatzort benutzen möchte“, sagt Bielinski. Das würde die Arbeiten sehr erschweren. „Schließlich können wir nicht von jedem Wagen wissen, wie er aufgebaut ist.“

Wichtig sei in Zukunft, bei jedem Einsatz zu erkunden, welchen Antrieb das Fahrzeug habe. „Wir müssen uns bewusst machen, dass wir als Feuerwehr eine weitere Aufgabe dazubekommen haben – die Zeit und Personal kostet“, sagt Bielinski.




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