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Homepage abgeschaltet: Feuerwehr berichtet nicht mehr über Einsätze / Bürgermeister dementiert Anweisung

Maulkorb für die Feuerwehr?

BÜCKEBURG. Die Feuerwehr Bückeburg-Stadt ist seit Freitagnacht offline: Die Homepage ist abgeschaltet, auf dem Facebook-Kanal wird ebenfalls mitgeteilt, dass die Feuerwehr aufgrund einer Anweisung der Stadtverwaltung nicht mehr über ihre Einsätze berichten dürfe. Eine Anweisung, die es in dieser Form nicht gibt, wie Bürgermeister Reiner Brombach auf Anfrage mitteilte: „Wir haben keinen Maulkorb erteilt, weder gegenüber der Feuerwehr noch gegenüber der Presse.“ Auch Stadtbrandmeister Marko Bruckmann sprach davon, dass hier feuerwehrintern „etwas falsch verstanden worden ist“, obwohl es anders besprochen worden sei. Bis auf Röcke sind auch alle anderen Homepages online.

veröffentlicht am 21.09.2018 um 10:57 Uhr
aktualisiert am 21.09.2018 um 18:40 Uhr

Seit heute Nacht ist die Homepage der Feuer wehr Bückeburg-Stadt abgeschaltet und nicht erreichbar, angeblich auf Anweisung der Stadt, die aber von einer solchen Anweisung nichts weiß, so der Bürgermeister. Screenshot: rc
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Raimund Cremers Redakteur zur Autorenseite
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Wie der stellvertretende Zugführer vom Team Presse, Andre Märtens – nicht der kommissarische Ortsbrandmeister oder der Pressesprecher der Feuerwehr Bückeburg-Stadt – in einer um 1.37 Uhr verschickten Mail mitteilt, müsse sich die Feuerwehr „heute in einer unerfreulichen Sache melden: Aufgrund einer neuen und für uns in dieser Form überraschenden Anweisung seitens der Stadtverwaltung sind wir nicht mehr berechtigt, Einsatzberichte und ähnliche Berichte über unsere Aktivitäten zu veröffentlichen.“ Aus diesem Grund sehe sich die Feuerwehr gezwungen, die Homepage offline zu nehmen: „Wir bitten Sie daher um Verständnis, dass wir Ihnen bis auf Weiteres keine Auskünfte mehr erteilen dürfen.“ Die Wehr versuche, hier eine Lösung zu finden, damit wieder in gewohnter Weise Berichte geliefert werden könnten. Über den weiteren Verlauf werde man „im Rahmen unserer Möglichkeiten“ auf dem Laufenden halten.

Auf Anfrage unserer Zeitung zeigte sich Bürgermeister Reiner Brombach, oberster Dienstherr der Feuerwehr Bückeburg, überrascht: „Von einer solchen Anweisung der Verwaltung ist mir nicht bekannt.“ Nach seinem Kenntnisstand habe es vielmehr damit zu tun, dass es bei der Feuerwehr „offensichtlich Schwierigkeiten damit gibt“, dass zwei Stellen Presseauskünfte geben und Einsatzberichte herausgeben. Die Feuerwehr habe das selber regeln und die Arbeit auf eine Pressestelle konzentrieren wollen. Warum jetzt so reagiert werde, wisse er nicht.

Die Verwaltung habe in einem Schreiben, gerichtet an alle Ortsbrandmeister, auf das im Mai geänderte Brandschutzgesetz und die im Paragraph 12, Absatz 6 verankerte Verschwiegenheitspflicht sowie die neue Datenschutzgrundverordnung hingewiesen, teilte der Bürgermeister später detailliert mit. Einsatzberichte müssten vor der Veröffentlichung freigegeben werden, offizielle Stelle dafür ist die Stadt. Bisher sei die Herausgabe aber feuerwehrintern geregelt und abgestimmt worden. Ein Vorgehen, an dem die Stadt nichts ändern wolle. Brombach betonte: „Wir haben keinen Maulkorb verhängt, weder gegenüber der Feuerwehr noch gegenüber der Presse.“ Die Stadt gehe von „internen Unstimmigkeiten“ aus und werde sich umgehend mit der Wehr abstimmen, auch, wann die zwei Homepages wieder online gehen.

Stadtbrandmeister Marko Bruckmann, Freitagnacht gerade von einem Einsatz der Flugplatzfeuerwehr Achum vom Moorbrand in Meppen zurückkehrt, war selbst überrascht vom Vorgehen der Feuerwehr Bückeburg-Stadt. Hier sei etwas „falsch“ verstanden worden, feuerwehrintern bereits alles besprochen und geregelt gewesen: „Für mich nicht nachvollziehbar.“ In dem Schreiben der Stadt sei klargestellt worden, dass die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit über den offiziellen Stadtpressewart zu erfolgen hat, also Moritz Gumin. Eventuell fühle sich die Feuerwehr Bückeburg-Stadt damit in ihren Rechten beschnitten. Er werde erneut das Gespräch mit dem Kommando suchen.

In den vergangenen Monaten hatte es tatsächlich häufiger Einsatz- und Presseberichte von zwei Stellen der Feuerwehr gegeben, in einem Fall sogar von ein und demselben Brand: Zum einen von der Feuerwehr Bückeburg-Stadt in Person von Oliver Witt, der seit dem Frühsommer das Amt des Pressesprechers Bückeburg-Stadt Amt inne hat; zum anderen von der Feuerwehr der Stadt Bückeburg vom noch kommissarischen Pressewart Moritz Gumin – ihm fehlt noch ein Lehrgang.




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