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„AKK, lass dich von Merz adoptieren“

„Mindener Stichlinge“ schießen Pointen im Sekundentakt ab

ACHUM. Zum 19. Mal hat Andreas Paul Schöniger einen Stichlings-Abend im Lehrgruppensaal „Bückeburg“ auf dem Gelände der Schäferkaserne in Achum organisiert. Das Kabarett „Mindener Stichlinge“ spielte vor ausverkauftem Haus sein aktuelles Programm „Bei Gewitter nicht hüpfen“.

veröffentlicht am 08.03.2019 um 11:58 Uhr

Der politischen Großwetterlage mit Humor trotzen – dafür treten die Mindener Stichlinge an. Foto: gn

Autor:

Gabi Nachstedt
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ACHUM. Auch in diesem Jahr war wieder die politische und gesellschaftliche Großwetterlage das Hauptthema. Bei Birger Hausmann, Kirsten Gerlhof, Annika Hus, Rolf Berkenbrink und Jürgen Juchtmann kamen die Pointen im Sekundentakt. Pianist Stephan Winkelhake unterstützte die Akteure musikalisch mit ansteckender Spielfreude.

Der Sketch „Abgelehnt“ befasste sich mit BAMF-Mitarbeitern, die ausknobelten, ob ein Flüchtling abgeschoben werden sollte oder nicht. Die Frage nach einem sicheren Herkunftsland hänge von der Definition ab, „bombensicher oder todsicher“ sei auch eine Möglichkeit der Interpretation. Deutschland könne inzwischen ebenfalls nicht mehr als sicher bezeichnet werden, bei Überschwemmungen, Dürre, Schneechaos, maroden Brücken und der AfD.

Ein Pfarrer hatte sich in seiner Kirche mit dem digitalen Klingelbeutel auf einen zeitgemäßen Ablasshandel eingestellt. Nach dem Motto „Wenn das Geld im Kasten rauscht, die Seele schon im Himmel lauscht“ bot er Glauben als Dienstleistung an. Wer den direkten Kontakt zum Pfarrer vermeiden wolle, für den gebe es auch einen Segnungsroboter.

Bitterböse Satire erlebten die Zuschauer in dem Sketch „Ich muss Teutscheland“. Ein Flüchtlingsmädchen sieht sich darin gezwungen, mit einer Organspende die Dokumente für eine Aufenthaltsgenehmigung zu erkaufen.

In dem Sketch „Wo gehobelt wird“, der sich die geplanten Kosteneinsparungen von Gesundheitsminister Jens Spahn vornimmt, tut sich für die alten Menschen in Deutschland ein Horrorszenario auf. Am wenigsten Kosten verursache der direkte Weg ins „Jens-seits“.

In einem satirischen Dialog zwischen Verkehrsminister Scheuer und der Autoindustrie einigte man sich auf den Kompromiss „Die Dieselnachrüstung kommt, aber frühestens später“. Über das Fahrverbot in den Städten sollten sich die Autofahrer doch freuen: „Raus aus dem Auto, rauf aufs Fahrrad, ist doch auch gesünder!“

„Zurück in die Zukunft“ befasste sich mit der Machtübergabe von Angela Merkel an AKK. Dazu die Kanzlerin: „Wir Frauen sind ja doch die besseren Männer. Aber AKK, du musst deinen Namen ändern, den kann im Ausland keiner aussprechen. Lass dich doch von Merz adoptieren.“ Auch in Kleidungsfragen und der richtigen Haltung der Hände vor dem Bauch beriet Merkel in dem Sketch ihre Nachfolgerin.

Absoluter Heiterkeitshöhepunkt im Programm der Mindener Stichlinge war kurz vor dem Ende die Nummer „Lieselator“. Zwei Bauern sitzen zusammen und diskutierten die allgemeine Lage. Der eine hatte alle Tiere abgeschafft, denn bei ihm wurde die Stromtrasse unter die Felder gelegt. Dort wird es durch die Kabel schön warm, sodass er sogar Ananas und Kiwis anbauen und zweimal im Jahr ernten kann. „Is’n Kabel inne Wiese, macht der Bauer keine Miese.“

Beim anderen Bauern verläuft die Stromtrasse oberirdisch übers Feld. Dadurch würden die Kühe mehr furzen. Doch ein selbstgebautes Gerät, der Lieselator, nehme die Methanabgaben der Tiere auf, um damit hinterher die Stube zu heizen.




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