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Gutachterentwurf sieht Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Bielefeld und Seelze vor

Mit 300 Kilometern durch Schaumburg?

BÜCKEBURG/BERLIN. Werden in Zukunft Hochgeschwindigkeitszüge der Bahn mit 300 Stundenkilometern durchs Schaumburger Land brettern? Und wird deshalb in jedem Fall eine neue Trasse abseits der bestehenden Strecke gebaut? Zumindest einige Kernaussagen des Gutachterentwurfs zum „Zielfahrplan Deutschlandtakt“ lassen diesen Schluss zu.

veröffentlicht am 10.10.2018 um 15:20 Uhr
aktualisiert am 10.10.2018 um 17:50 Uhr

Laut Gutachterentwurf zum Deutschlandtakt sollen die Züge ab 2030 mit 300 Stundenkilometern an Bückeburg vorbeirasen. Foto: JP

Autor:

Johannes Pietsch und Karsten Klaus
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BÜCKEBURG/BERLIN. Werden in Zukunft Hochgeschwindigkeitszüge der Bahn mit 300 Stundenkilometern durchs Schaumburger Land brettern? Und wird deshalb in jedem Fall eine neue Trasse abseits der bestehenden Strecke gebaut? Zumindest einige Kernaussagen des Gutachterentwurfs zum „Zielfahrplan Deutschland-Takt“ lassen diesen Schluss zu.

Anfang der Woche fiel im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur der offizielle Startschuss für das „Zukunftsbündnis Schiene“. Dabei wurde auch der lange erwartete erste Gutachterentwurf des Zielfahrplans zum Deutschland-Takt vorgestellt. Dieser Fahrplan der Zukunft soll immer wiederkehrende Abfahrtszeiten im Halbstunden- und Stundentakt und damit gute und verlässliche Anschlüsse ermöglichen. Außerdem soll die Reisegeschwindigkeit auf vielen Strecken erhöht werden. Zu diesen gehört die Verbindung zwischen Hamm und Berlin, die das Schaumburger Land quert. Dort ist eine Reisegeschwindigkeit von 300 Stundenkilometern vorgesehen.

Das Verkehrsministerium stellte eine 25-seitige Zusammenfassung des Gutachtens vor, das von Experten der Fachfirmen SMA und Partner AG aus Zürich, Intraplan Consult aus München und VIA Consulting & Development aus Aachen erarbeitet wurde. Darin sind grundlegende Ziele und Maßnahmen zur Realisierung des Deutschland-Takts dargestellt. Diese hätten, würden sie so umgesetzt, wohl auch hochdramatische Konsequenzen für die Region.

Die entscheidenden Passagen finden sich auf den Seiten 8 und 22 des Papiers. Danach soll der Bahnkorridor Berlin–Nordrhein Westfalen für einen Halbstundentakt und eine deutliche Reisezeitverkürzung ausgebaut werden. Dies gilt als ein „grundlegendes strukturierendes Element des Deutschland-Taktes“. Die Reisezeit auf der Strecke Berlin–Düsseldorf sei von 4:14 auf 3:34 Stunden zu reduzieren, also um satte 40 Minuten. Keine Rede ist mehr von den noch im Bundesverkehrswegeplan genannten acht Minuten (wir berichteten).

Noch mehr „Sprengstoff“ enthalten die genannten Infrastrukturmaßnahmen zur Fahrzeitverkürzung: So müsse die Verbindung Bielefeld–Seelze, die (derzeit noch) durch Minden, Bückeburg und Stadthagen führt, durchgehend für eine Geschwindigkeit von 300 Stundenkilometern ausgebaut werden. Alarmiert sind die Befürworter eines trassennahen Ausbaus: Die „Güterzugstrecke Hamm–Minden“ soll nämlich für den Regionalverkehr (160 km/h) ertüchtigt werden.

Wohlgemerkt: Es werden keine genauen Trassen oder Verläufe genannt. Die dargestellten Eckpunkte lassen aber keine andere Interpretation zu, als dass die bestehende Bahnlinie zukünftig allein dem Nah- und Güterverkehr dienen soll, während für den Fern- und Schnellverkehr eine davon unabhängige Neubautrasse mit 300 Stundenkilometern geplant wird. Aber auch die Tunnelstrecke durch den Jakobsberg ist in ihrer vor zwei Jahren vorgeschlagenen Form offenbar obsolet, denn diese sah eine Maximalgeschwindigkeit von 230 Stundenkilometern vor.

Der Zeitrahmen zur Umsetzung des Deutschland-Taktes erscheint sehr ambitioniert: Bereits in zwei Jahren soll mit der Umsetzung von Infrastrukturmaßnahmen begonnen werden. Spätestens im Jahr 2030 soll der Fahrplan der Zukunft dann bundesweit Realität sein.




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