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Engel & Engelke schließt Floristikbereich – andere Unternehmensbereiche werden ausgebaut

Mit den Blumen ist Schluss

BÜCKEBURG. 80 Jahre hieß es in Bückeburg, wenn Hochzeit, Geburtstag, Muttertag oder auch ein trauriger Anlass anstand: „Wir kaufen bei Blumen Engelke“. Damit ist jetzt Schluss. Denn zum Jahreswechsel wird Christian Engelke den Geschäftsbereich Floristik und Blumeneinzelhandel schließen. Die Geschäftsbereiche Gartengestaltung, Friedhofsgärtnerei und Raumbegrünung sind von der Umstrukturierung nicht betroffen und bleiben geöffnet, wie der Inhaber von Engel & Engelke wie die Firma offiziell heißt im Gespräch mit unserer Zeitung betonte.

veröffentlicht am 17.08.2018 um 15:05 Uhr
aktualisiert am 17.08.2018 um 16:23 Uhr

Noch bis Ende des Jahres werden Christian Engelke (v.r.) sowie die Senioren-Chefs Renate und Karl-Wilhem Engelke den Floristik- und Blumeneinzelhandel am Firmensitz an der Friedrich-Bach-Straße 29 betreiben, danach konzentriert sich Engel & Engelke a
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Raimund Cremers Redakteur zur Autorenseite
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Im Gegenteil: Die drei Bereiche verzeichneten in den vergangenen Jahren stetigen Zulauf und sollen künftig weiter ausgebaut werden. So wird der Verkaufsraum des Floristikbereichs am Firmensitz an der Friedrich-Bach-Straße 29 in einen Beratungsraum mit Musterpflanzungen und Ausstellungsraum umgewandelt.

Auch die Mitarbeiter werden weiter aufgestockt. Zum 1. August hat Engelke zwei weitere Gärtner eingestellt, die Mannschaft wächst damit auf 26 Mitarbeiter inklusive fünf Lehrlinge an. Ausbildung war und ist für Engel & Engelke eine Herzensangelegenheit, wie Christian Engelke als auch die Seniorchefs Renate und Heinz-Wilhelm Engelke in dem Gespräch betonten. Wo möglich, wurden Ausgebildete übernommen. Mehrere hunderte junge Menschen wurden in den Betrieb ausgebildet. „Allein 50 Floristen“, wie sich Floristmeisterin Renate Engelke erinnert. Den Mitarbeitern des Floristikbereichs ist nicht gekündigt worden. Ihnen sind andere Stellen im Unternehmen angeboten worden. Christian Engelke: „Wir fühlen uns als eine große Familie. Nachwuchssorgen haben wir nicht.“

Als Gründe für die Umstrukturierung führte Engelke den Wandel in der Blumenbranche an. Wie beinahe alle Einzelhandelsunternehmen spüren, habe sich das Kaufverhalten der Kundschaft geändert. Speziell im Bereich von Pflanzen und Schnittblumen aber auch den Accessoires merke das Unternehmen deutlich, dass der Online-Handel den stationären Handel überholt. Er habe sich in der Vergangenheit oft die Frage gestellt, ob sich ein eigener Online-Handel lohen würde. Schlussendlich sei er zu dem Ergebnis gekommen: „Wir möchten den Kunden persönlich begrüßen und bedienen.“ Die Konkurrenz der Baumärkte habe auf die Entscheidung keinen Einfluss gehabt. Im Gegenteil: „Die Qualität unserer selbst gezüchteten Frühlings- und Sommerpflanzen ist immer wieder gelobt – und gekauft worden.“

Da der Bereich in den vergangenen zehn Jahren rote Zahlen geschrieben hat und durch die anderen drei Bereiche gestützt werden musste, habe er sich schlussendlich für die Schließung entschieden sagt Engelke. Alle drei betonten unisono und mit viel Wehmut: „Es fällt uns schwer, unsere treue Stammkundschaft nicht mehr bedienen zu können.“

Obwohl sie es doch nicht ganz lassen können: Denn die Frühjahrs-, Sommer- und Herbstpflanzen werden weiterhin in der Gärtnerei produziert und von Mitte April bis Juni direkt aus der Gärtnerei heraus verkauft, wie Gärtnermeister Heinz-Wilhelm Engelke sagte. Auch die „Hanging Basket“, die seit Jahren auch die Bückeburger Innenstadt zieren, werden weiterhin produziert. Die Kunden werden in diesen Tagen über die Veränderungen informiert.

Das Tradititionsunternehmen wurde am 1. Dezember 1938 von Gärtnermeister Hermann Engel gegründet und firmierte damals unter der „Fürstlichen Schlossgärtnerei Engel“. Heinz-Wilhelm und Renate Engelke, geborene Engel führten den Betrieb von 1972 bis 2002 weiter und übergaben ihn 2003 an die dritte Generation, an den studierten Dipl. Gartenbauer und Wirtschafts-Ingenieur Christian Engelke, der den Betrieb seitdem leitet und stetig ausgebaut hat. Engel & Engelke übernahm 2012 ein Raumbegrünungsunternehmen in Bielefeld, 2013 wurde davon eine Zweigniederlassung in Osnabrück gegründet. 2016 folgte die Übernahme des Reformierten Friedhofs Bückeburg als Generalunternehmer, 2017 die Übernahme der Friedhofsgärtnerei Minden, 2018 die Übernahme der Friedhofsgärtnereien in Bad Eilsen und Heußeren.

Immer wieder nahm Engel & Engelke an diversen Bundesgartenschauen teil und kehrte mit diversen Goldmedaillen zurück nach Bückeburg. Und darauf sind die Engelkes noch heute stolz: 1977 führte man als bundesweit einer der ersten Betriebe eine Adventsausstellung durch.




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