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Serie Ausstellungsstücke erzählen Geschichten

Museumsstück Helikopter Bell UH1 D – der „Teppichklopfer“

BÜCKEBURG. Besucher dürfen derzeit nicht in die Bückeburger Museen – daher kommen die Museen auf diesem Weg zu den Besuchern. Damit die sehenswerten Ausstellungen nicht ganz in Vergessenheit geraten, stellen wir regelmäßig interessante Schaustücke vor. Heute erzählt Thomas Mallwitz, Vorsitzender des Trägervereins des Hubschraubermuseums, die Geschichte der Bell UH1 D, des meistproduzierten Hubschraubers der Welt, und lange Jahre am Bückeburger Himmel als das Arbeitstier der damaligen Heeresfliegerwaffenschule präsent. Der Spitzname der Bell: „Teppichklopfer“.

veröffentlicht am 04.05.2020 um 12:20 Uhr
aktualisiert am 04.05.2020 um 16:50 Uhr

Im Februar 1954 schrieb die US-Armee einen Wettbewerb für einen turbinengetriebenen Mehrzweckhubschrauber aus, der unter anderem für den Transport, den Blindflug und zur Evakuierung von verletzten Soldaten eingesetzt werden sollte. Die Firma Bell entwickelte unter der Bezeichnung die XH-40 und erhielt im Mai 1955 den Auftrag, drei Prototypen zu bauen. Der Erstflug fand am 22. Oktober 1956 statt. Am 19. Oktober 1956 wurde ein Vertrag über sechs Prototypen (YH-40) unterschrieben. Es folgten neun Vorserienhubschrauber unter der Bezeichnung HU-1 (H für Helicopter, U für Utility). Die Buchstabenfolge führte zu dem Spitznamen „Huey“, durch die Soldaten. Offiziell erhielt der Hubschrauber den Namen des Indianerstammes „Iroquois“.

Am 30. Juni 1959 erfolgte die erste Auslieferung der HU-1A. 1962 änderte man die Bezeichnung im Rahmen der Vereinheitlichung aller Waffensysteme in UH-1. In diese Zeit fällt auch die erste Veränderung in die Version UH-1B (Höhere TWK-Leistung, größerer Rotor-Durchmesser). Im Herbst 1968 startete die Flugerprobung für den Nachtkampf mit UH-1C. 7000 Bell UH-1 in der Rolle als Luftnahunterstützer waren in Vietnam eingesetzt. Geplant war der Hubschraubereinsatz während dieses Krieges für eine Gesamt-Flugzeit zwischen 15 und bis zu 50 Stunden pro Hubschrauber. Circa 2000 Hubschrauber kehrten nach dem Krieg aus dem Einsatz in die USA zurück.

1963 zeigte die Firma Bell die „Delta“ erstmals in Europa. Die wesentlichen Unterschiede gegenüber der „Bravo“ waren ein um 114 Zentimeter verlängerter Rumpf, dadurch vergrößerter Innenraum, Sitzplätze für 14 Soldaten, große Schiebetüren mit zwei Fenstern an jeder Seite des Laderaumes, größerer Kraftstofftank und verbesserte Triebwerksleistung.

Mit erheblichem Aufwand wurde die Bell UH1D in das Hubschraubermuseum bugsiert. Foto: Hubschraubermuseum Bückeburg

Von Juli bis Anfang Oktober 1964 wurde die Erprobung für die UH-1D von Faßberg aus mit Erprobungen im Gebirge, über See und in der Wartungsfreundlichkeit durchgeführt.

Das Verteidigungsministerium der Bundesrepublik Deutschland beschloss dann am 1. April 1965 die Einführung der Bell UH-1D. Die Lizenzproduktion und die späteren Modifizierungen erfolgten durch die Firma Dornier in Oberpfaffenhofen.

Streng genommen handelt es sich eigentlich um einen UH-1H, weil während der Produktion auf das T53-L13 Triebwerk umgeschwenkt wurde und ältere Hubschrauber nachgerüstet wurden. Der Lizenzvertrag beinhaltete ausdrücklich den Lizenzbau der UH-1D, so blieb es bei der UH-D Bezeichnung, Das „D“ steht also nicht für Deutschland, sondern ist die vierte Entwicklungsstufe.

Am 17. August 1967 übernahm Generalleutnant Josef Moll, Inspekteur des Heeres, die erste UH-1D für die Heeresflieger, Generalleutnant Johannes Steinhoff übergab die ersten Hubschrauber am 15. Februar 1968 an die Luftwaffe in Penzing.

203 Hubschrauber bekamen die Heeresflieger für ihre drei aufzustellenden Regimenter (Neuhausen o. E., Niederstetten und Faßberg) sowie der Staffel in Itzehoe in einem gemischten Regiment. 131 Hubschrauber erhielt die Luftwaffe, und 16 wurden an den Bundesgrenzschutz ausgeliefert.

Die UH-1D flogen im Laufe der vergangenen Jahrzehnte ihre Einsätze oft auch im Ausland, Einsatzgebiete waren neben Iran, Kroatien, Kosovo, die Türkei, Somalia (Unosom II). Vergessen werden sollen auch nicht die vielen AMF-Übungen zwischen Nord-Norwegen und der Türkei der Staffel aus Niederstetten. Im Zeitraum von 1971 bis 2006 stand der Hubschrauber ebenfalls im Dienst der Deutschen Luftrettung.

Die letzten UH-1D der Bundeswehr fliegen noch in der 7. Staffel des Regiments 30, Niederstetten, als Rettungshubschrauber (SAR). Die Bell UH-1 gilt als der meistgebaute Hubschrauber der Welt. Bis heute wurden mehr als 16 000 Hubschrauber dieses Typs produziert.

Nach mehr als 2,3 Millionen Flugstunden und einer Einsatzdauer bei der Bundeswehr von 1968 bis 2021 wird sie nun voraussichtlich am 30. Juni 2021 „ausgephast“.

Seit dem 7. Juni 2011 hat dieser berühmte Hubschrauber auch einen Platz im Hubschraubermuseum der Stadt Bückeburg.r




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