weather-image
22°

16-Jähriger berichtet von brutalem Raubüberfall am 9. Januar / Mann bereits nach Algerien abgeschoben

Nach Überfall auf 16-Jährigen: Abschiebung statt Haftbefehl

BÜCKEBURG. Stefan und seine Eltern haben lange mit sich gerungen, ob sie zur Polizei gehen sollten. „Aber wir können die ja nicht damit durchkommen lassen“, zeigen sie sich kämpferisch. Vor fast zwei Wochen wurde der 16-jährige Schüler Stefan mitten in Bückeburg von drei erwachsenen Männern angesprochen und plötzlich niedergeschlagen. „Wir haben Sorge, dass sie Stefan wieder auflauern“, sagt seine Mutter. Daher möchte er auch nicht seinen echten Namen in der Zeitung lesen. Wir haben ihn geändert. Denn bisher wurde erst einer der drei Täter gefasst. Ein Haftbefehl wurde noch nicht erlassen, da der Mann direkt abgeschoben wurde.

veröffentlicht am 19.02.2019 um 16:32 Uhr
aktualisiert am 19.02.2019 um 18:40 Uhr

Überfall mitten am Sablé-Platz: In direkter Nachbarschaft zu diesem kleinen Drachen wurde der 16-jährige Stefan überfallen. Foto: jak
DSC_8809

Autor

Jakob Gokl Stv. Chefredakteur zur Autorenseite

.BÜCKEBURG. Stefan und seine Eltern haben lange mit sich gerungen, ob sie zur Polizei gehen sollten. „Aber wir können die ja nicht damit durchkommen lassen“, zeigen sie sich kämpferisch. Vor fast zwei Wochen wurde der 16-jährige Schüler mitten in Bückeburg von drei erwachsenen Männern angesprochen und plötzlich niedergeschlagen. „Wir haben Sorge, dass sie Stefan wieder auflauern“, sagt seine Mutter. Daher möchte er auch nicht seinen echten Namen in der Zeitung lesen. Wir haben ihn geändert. Denn bisher wurde erst einer der drei Täter gefasst. Ein Haftbefehl wurde noch nicht erlassen, da der Mann direkt abgeschoben wurde.

Am 9. Januar kurz vor 19 Uhr, war Stefan gerade auf dem Weg zur Fahrschule. „Drei Männer haben mich angehalten und gefragt, ob ich Stefan heiße“, erinnert sich der Schüler. „Als ich Ja gesagt habe, hat der Haupttäter sofort zugeschlagen.“ Stefan ging schmerzverzerrt zu Boden und bekam einen weiteren Tritt in den Bauch ab. Später diagnostizierten die Ärzte im Klinikum eine schwere Kieferprellung, eine schwere Kopfprellung und eine schwere Bauchprellung. Die drei rissen ihm seine Kette vom Hals, stahlen sein Geld und zerstörten sein Handy. Möglicherweise wäre es noch schlimmer gekommen.

Doch als Stefan zusammengekrümmt am Boden lag, kam ihm ein bis heute unbekannter Mann zu Hilfe. „Er riss den Täter von mir herunter und rief, ich solle schnell weglaufen“, erinnert er sich. Etwa 30 Jahre alt sei der Mann gewesen, der ihm geholfen habe. Die Polizei würde gerne mit ihm als Zeugen sprechen. Gemeldet hat er sich nicht.

2 Bilder
Der abgeschobene Haupttäter.

Stefan weiß nicht, wieso die drei Männer ihn niedergeschlagen haben. Ob sie ihn einfach ausrauben wollten? Aber wieso wussten sie schon vor der Tat seinen Namen und fragten zuerst, ob er so heiße? Stefan erkannte keinen der drei Täter.

Nach der Tat rannte der 16-Jährige sofort nach Hause. Seine Mutter arbeitete in der Spätschicht, „plötzlich hatte ich 18 Anrufe in Abwesenheit“, erzählt sie. „Erst meine Schwester hat dann direkt in der Arbeit angerufen.“ Im Anschluss fuhren sie ins Krankenhaus, Stefan wurde behandelt. Schmerzen hat er zwar bis heute, bleibende Schäden hat der Überfall aber nicht hinterlassen. „Wir hatten nicht erwartet, dass da überhaupt jemand gefasst wird“, sagt seine Mutter.

Auch zwei Wochen nach der Tat geht der Schüler nach Einbruch der Dunkelheit nicht alleine aus dem Haus. Er schläft schlecht, isst wenig. „Die Täter laufen ja noch immer frei herum“, sagt er. Er ist noch bis Ende des Monats krankgeschrieben. Und er hofft, dass die drei Männer bald verurteilt werden. „Sie sollen eine gerechte Strafe bekommen und sich fühlen, wie er sich fühlt“, wünscht sich die Mutter.

Ein erster Schritt ist getan. Da sich der Mann, der Stefan am 9. Januar geholfen hatte, nicht gemeldet hat, veröffentlichte die Polizei vergangene Woche zwei Phantombilder und eine ausführliche Täterbeschreibung. „Daraufhin wurde einer der Männer identifiziert“, freut sich Stefan. Die Polizei meldete sich erneut bei ihm und auf der Wache sollte er unter acht Fotos den Mann erkennen, der ihn niedergeschlagen hatte. „Als ich ihn gesehen habe, war ich mir zu 1000 Prozent sicher“, stellt Stefan klar.

Auf Nachfrage bestätigt Staatsanwalt Nils-Holger Dreißig: „Das Opfer hat bei Bildvorlage einen der Täter wiedererkannt.“ Allerdings habe der Beschuldigte die Tat bestritten. Die Polizei durchsuchte die Wohnung des Mannes, fand aber keine Beweismittel. „Mittlerweile wurde der Täter aber abgeschoben“, verrät Dreißig. Die Abschiebung stehe nicht in Zusammenhang mit der Tat. „Er hatte einfach keine Aufenthaltsgenehmigung.“ Trotzdem wird weiter gegen den Algerier ermittelt. „Wir werden einen Untersuchungsbefehl beantragen für den Fall, dass er illegal wieder einreist.“

Damit der mutmaßliche Täter überhaupt abgeschoben werden konnte, brauchte es die Zustimmung der Staatsanwaltschaft. Doch der Termin stand bereits fest. Hätte die Staatsanwaltschaft widersprochen, wäre die Abschiebung zunächst abgesagt worden. „Es war aber unklar, ob unser Beweismittel für den dringenden Tatverdacht reicht“, sagt Dreißig. „Damit keine Dritten zu Schaden kommen, haben wir den Antrag noch nicht gestellt.“

Erst jetzt, nach der Abschiebung, werde der Haftrichter entscheiden. In Algerien hat der Mann allerdings nichts zu befürchten. „Erst wenn er wieder nach Deutschland kommt, wird er verfolgt.“ In dem Falle werde er aber noch an der Grenze angehalten und festgenommen..




Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Kommentare