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Freifunk macht kostenloses WLAN für das Kleinenbremer Flüchtlingswohnheim möglich

Nach Hause telefonieren

KLEINENBREMEN. Große Freude für kleines Geld: Kostenlos kommen Bewohner des Kleinenbremer Flüchtlingsheimes seit Kurzem ins Internet, können mit Smartphones Mails verschicken oder per WhatsApp in ihre Heimatländer telefonieren. Freifunk heißt das Zauberwort: Eine Familie, die in einem benachbarten Gebäude lebt und noch Bandbreiten übrig hatte, teilt ihren Anschluss. Dazu mussten lediglich zwei WLAN-Router beschafft und installiert werden.

veröffentlicht am 08.01.2019 um 10:37 Uhr

Mehr braucht es nicht: Freifunker Andreas Edler mit zwei Routern, die WLAN für alle im Flüchtlingsheim möglich machen. Foto: LY

Autor:

Stefan Lyrath
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Die Initiative ging von Hartmut Haselau aus, einem der sechs Kleinenbremer Flüchtlingshelfer. Er hofft, dass weitere Ehrenamtliche dem Beispiel folgen. „Vielleicht“, so Haselau, „könnte man solche Hotspots auch an anderen Plätzen in Porta Westfalica einrichten, zum Beispiel für die Lerbecker Unterkunft.“ Hotspot ist ein anderes Wort für Internetzugang.

Fest steht, dass die Kleinenbremer Initiative voll ins Schwarze getroffen hat. „Hardy, Du bist der Beste“, wird Haselau neuerdings von einigen Bewohnern begrüßt, verbunden mit dem Wunsch: „Bitte stell das nie wieder ab.“ Zum Anstellen hat der Flüchtlingshelfer sich Hilfe bei Andreas Edler von den Freifunkern Bad Oeynhausen geholt. „Die Idee hinter Freifunk besteht darin, verschiedene Netze zu einem Bürgernetz zusammenzuschließen“, erklärt Edler.

So weit ist es in Kleinenbremen noch nicht. „Die Familie, die ihren Anschluss zur Verfügung stellt, hat eine Bandbreite von 40 bis 50 Megabit pro Sekunde“, rechnet Andreas Edler vor. „Davon werden fünf oder sechs Mbit/s für das Heim bereitgestellt.“ Bäume kann man damit nicht ausreißen, zum Verschicken von Mails und für Anrufe im Heimatland reicht es aber. „Die Nutzung ist eingeschränkt, dafür aber umsonst“, erklärt der Experte. Bei einer Stichprobe Edlers am Sonntagvormittag waren 22 Bewohner in Kleinenbremen online. Alle hingen an einem Anschluss.

Rückblick: Hartmut Haselau hatte eine Spende über 1000 Euro erhalten und beschlossen, das Geld in WLAN für alle zu investieren. Nun befindet sich ein WLAN-Router außen an dem Gebäude, in dem die Familie mit Internet-Anschluss lebt. Dieser strahlt Richtung Flüchtlingsheim aus, in dessen Büro ein zweites Gerät steht. Beide Knoten zusammen haben gebraucht 50 Euro gekostet. Hinzu kommen zehn Euro pro Monat, weil die Familie schnelleres Internet bekommen hat. Da bleibt noch Geld übrig. Hartmut Haselau überlegt, den Rest oder einen Teil davon in einen Ausflug mit den Flüchtlingen oder ein Fest zu investieren, das auf dem Mönkhoff-Hof oder im Gemeindehaus steigen könnte.

„Ich habe seit Jahren von freiem WLAN fürs Heim geträumt“, bekennt er. „Flüchtlinge sind auf Kommunikation angewiesen. Der Kontakt zu den Familien in der Heimat darf nicht abreißen.“ Außerdem erleichtere das Internet den Alltag, zum Beispiel beim Deutschlernen. Haselaus Credo: „Wer kein Internet hat, ist out. Das gilt auch für Flüchtlinge.“

Freifunker wie Edler verfolgen das Ziel, ein möglichst großes Datennetz aufzubauen und zu betreiben, das frei genutzt werden kann. Sie suchen Unterstützer. Das können Privatleute sein, Unternehmer, Ladenbesitzer oder Menschen, die hoch gelegene Dächer zum Installieren von Freifunk-WLAN-Routern zur Verfügung stellen, die dann mit dem Internet verbunden werden. „Je mehr Leute mitmachen, desto stabiler das Netz“, erklärt Edler.

Um Missverständnissen vorzubeugen: „Freifunk ist keine Grauzone, sondern legal“, heißt es auf der Homepage der nicht kommerziellen Initiative.

www.freifunk-badoeynhausen.de




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