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Tiere müssen „im Überlebenskampf ständig unter Stress gestanden haben“ / Freiheits- oder Geldstrafe droht

Nach Rettung: Fachleute päppeln befreite Katzen auf

HELPSEN/BÜCKEBURG. Das Schicksal von acht Katzen, die völlig verwahrlost aus einer Wohnung in Helpsen befreit wurden, hat viele Schaumburger bewegt. Nun versucht das Tierheim, die Katzen zurück ins Leben zu holen. Der Helpserin, bei der die Tiere in miserablen Zuständen lebten, droht eine Freiheits- oder Geldstrafe.

veröffentlicht am 31.05.2019 um 16:30 Uhr

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Mit viel Aufwand versucht das Tierheim Bückeburg die acht Katzen wieder ins Leben zurückzuholen, die Kreisveterinär Ulf Güber am Dienstag halbtot aus einer Wohnung befreit hat. Sie waren unter „extremst tierschutzwidrigen Bedingungen“ gehalten worden, so Güber. Die Katzen waren unterernährt und flohverseucht, die fast haarlosen Körper bedeckt mit Wunden und Ekzemen. Unter einem Bett zogen der Veterinär und seine Helfer Katzen-Kadaver und -Mumien hervor. Die gesamte Wohnung war völlig verdreckt, es fanden sich Kot, Urin und verschmutzte Essensreste.

Als ein Redakteur dieser Zeitung am Mittwoch die Katzenhalterin vor Ort befragen wollte, antwortete sie einsilbig. Auf die Frage nach dem schlimmen, lebensbedrohlichen Zustand der Katzen erklärte sie: „Den Dreck und das Ungeziefer muss wohl eine von denen eingeschleppt haben.“

Im Tierheim Bückeburg hat man Erfahrung mit Vorfällen dieser Art. „In einer Erstmaßnahme versuchen wir die Tiere zu entflöhen, außerdem versorgen wir sie mit den nötigen Medikamenten“, sagt Leiterin Tanja Tiedtke. Außerdem bekommen sie besonders hochwertige Aufbaunahrung. „So können wir mehrmals am Tag füttern“, sagt Tiedtke, „große Mahlzeiten würden die geschwächten Tiere nicht bei sich behalten können.“ Diese Art der Ernährung ist aufwändig, weil die Spezialnahrung teuer ist.

„Am wichtigsten ist, dass die Katzen zur Ruhe kommen“, sagt Tiedtke, „sie müssen im Überlebenskampf ständig unter Stress gestanden haben.“ Ein Zwischenziel der Tierheim-Betreuer lautet: Die Katzen sollen nicht mehr panisch vor Menschen fliehen. Sogar während der Befreiungsaktion am Dienstag haben sie allerletzte Kräfte zum Weglaufen mobilisiert, sodass Kreisveterinär Güber Fangnetze einsetzen musste. „Wenn die Katzen so viel Vertrauen geschöpft haben, dass sie uns an sich ranlassen, ist viel gewonnen“, sagt Tierheimleiterin Tiedtke.

Paragraph 2 des Tierschutzgesetzes regelt, was jemand zu beachten hat, der “ein Tier hält oder betreut“. Der Halter muss „das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen“. Und er „darf die Möglichkeit des Tieres zu artgemäßer Bewegung nicht so einschränken, dass ihm Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden“. Nichts davon scheint die Helpser Halterin beachtet zu haben.

Paragraph 17 des Tierschutzgesetzes regelt die Bestrafung. Einer „Freiheitsstrafen bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe“ sieht sich gegenüber, wer „einem Wirbeltier aus Rohheit erhebliche Schmerzen oder Leiden“ zufügt. Kreisveterinär Güber hat in seinem Gutachten den Verdacht geäußert, dass im Helpser Fall eine Straftat vorliegt. Er habe in der Wohnung „erhebliches Tierleid“ vorgefunden, außerdem müsse man von „Vorsatz“ ausgehen.

Wenn Kreisveterinär Ulf Güber derartige Einsätze wie den in Helpsen fährt, bewegt er sich juristisch auf sicherem Boden. „Ich darf natürlich nicht mit einer Büroklammer Wohnungstüren aufmachen“, sagt er. Was Güber braucht, ist ein richterlicher Beschluss. Den hatte er in Helpsen in der Tasche.

Wenn Güber vermutet, dass sich der Tierhalter widersetzen könnte, nimmt er Polizisten mit – so auch in Helpsen. Die Mieterin habe die Durchsuchung jedoch „emotionslos“ über sich ergehen lassen, sagt Güber. ab




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