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NaBu und Förderverein Bückeburger Niederung weisen Anwürfe von Landwirten zurück

Naturschutz in der Niederung muss forciert werden

BÜCKEBURG. Mit Befremden und Entrüstung haben die Naturschutzverbände NaBu Bückeburg und der Förderverein Bückeburger Niederung auf die Aussagen zweier Landwirten im Rahmen eines Besuchs der Niedersächsischen Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast in Bückeburg zur Niederung reagiert. Nach Meinung der Naturschützer zeigten diese mit ihrer Aussage von „willkürlich genehmigten Maßnahmen“ ein „erschreckendes Maß an Unverständnis für Naturschutzmaßnahmen“. Auch die Bezeichnung „Regenrückhaltebecken“ soll dabei suggerieren, dass es sich um ein rein technisches Bauwerk handelt. Die Niederung sei ein Refugium für bedrohte Vögel und Amphibien, der Naturschutz müsse noch ausgebaut werden.

veröffentlicht am 10.05.2019 um 13:53 Uhr
aktualisiert am 10.05.2019 um 19:20 Uhr

Acht vom Aussterben bedrohte Vogelarten haben sich inzwischen in der Niederung angesiedelt. Foto: jp
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Raimund Cremers Redakteur zur Autorenseite
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BÜCKEBURG. Mit Befremden und Entrüstung haben die Nabu-Ortsgruppe Bückeburg und der Förderverein Bückeburger Niederung auf die Aussagen zweier Landwirte im Rahmen eines Besuchs der Niedersächsischen Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast in Bückeburg zur Niederung reagiert. Nach Meinung der Naturschützer hätten diese mit ihrer Aussage von „willkürlich genehmigten Maßnahmen“ ein „erschreckendes Maß an Unverständnis für Naturschutzmaßnahmen“ gezeigt. Zudem habe die Bezeichnung „Regenrückhaltebecken“ dabei suggerieren sollen, dass es sich um ein rein technisches Bauwerk handele.

Damit sei offensichtlich die Maßnahme im Bereich des „Mittleren Bruchs“ gemeint, die durch Gelder des Landes Niedersachsen finanziert worden sei, und zwar aus dem Fließgewässerprogramm. Die auf Landesebene zuständige Naturschutzbehörde habe dieses Projekt begleitet, geprüft und bewilligt, erinnerten die Vorsitzende des Fördervereins, Eva von Löbbecke, Nabu-Sprecher Hans-Dieter Lichtner sowie Friedrich Deventer und Erich Hoffmann im Rahmen eines Pressegesprächs an die Vorgeschichte des „Mittleren Bruchs“. Ziel des Förderprogramms sei, die Bückeburger Aue in einen natürlichen Zustand zu versetzen, ein Gebot, das sich aus der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie ergibt, bis 2021 umzusetzen ist und auch für Deutschland als bindend gilt. Eine alleinige Renaturierung der Aue würde nicht ausreichen. Es müsse auch der Auenbereich mit einbezogen werden. Damit werde unter anderem erreicht, dass die übermäßigen Nährstoffeinträge reduziert werden, die ein großes Problem für die Aue sind.

Die Verbände betonen, dass es sich bei dem Projekt „Mittleres Bruch“ westlich der Aue um eine Maßnahme mit Vorbildcharakter handele, die Hochwasser- und Naturschutz miteinander verbinde. Jeder Besucher der Niederung könne sich überzeugen, dass das Bruch viel mehr als ein „Regenrückhaltebecken“ sei. Am Beobachtungsstand ließen sich seltene Vögel beobachten, die sonst bestenfalls am Steinhuder Meer zu sehen seien. „Nicht umsonst sind zunehmend immer mehr Besucher auf den Beobachtungsständen zu sehen“, sagte von Löbbecke.

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Seit das Mittlere Bruch aufgewertet worden ist, ist die Storchenpopulation in Bückeburg sprunghaft gestiegen. Grafik Nabu

Die Niederung gehöre zu den größten noch zusammenhängenden Grünlandbereichen der Lössbörden Niedersachsens. Durch die bereits erfolgten Schutzmaßnahmen habe das Gebiet inzwischen nicht nur landesweite, sondern sogar nationale Bedeutung. „Diese Maßnahmen sind in keiner Weise willkürlich, sondern basieren auf einem Pflege- und Entwicklungsplan aus dem Jahr 1995 sowie einer Konzeption des Landkreises“, so Lichtner. Sie seien immer auch mit den unterschiedlichen Nutzern abgestimmt worden. „Deswegen sind wir so empört.“

Die Naturschützer erinnerten daran, dass die Wortführer beim Besuch der Ministerin wie Kreislandwirt Dieter Wilharm-Lohmann und Landwirt Werner Dehne von der Interessengemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (IGEL) genauso über die Pläne des Landkreises oder der Stadt Bückeburg und des Nabu informiert worden seien wie alle anderen Nutzergruppen auch.

Die ins Auge gefasste Erweiterung des Naturschutzgebietes auf das Mittlere Bruch sei die konsequente Weiterführung eines Konzeptes, das zu großer Artenvielfalt von seltenen brütenden und rastenden Vögeln, zur Wiederansiedlung des vom Aussterben bedrohten Laubfroschs und nicht zuletzt zu einem Naherholungsgebiet geführt hat.

„Sachlich falsch“ ist nach Aussagen der Naturschützer die Behauptung, bei Überflutung des Mittleren Bruchs würde Wasser auf die angrenzenden Fläche, die Ochsenwiesen jenseits der Schäferstraße, gedrückt und diese überflutet. Aufzeichnungen der vergangenen 20 Jahre belegten, dass „schon immer“ nach längeren Regenperioden viel Wasser auf diesen Wiesen stand, da diese sehr tief liegen und der Abfluss schwierig ist.

Bemerkenswert sei auch, dass die Klage vor allem von einem Landwirt komme, der selbst überhaupt keine Flächen im Mittleren Bruch besitze, aber andererseits von den Naturschutzbemühungen durchaus profitiere: Große Flächen im bereits existierenden Naturschutzgebiet wie auch auf anderen naturschutzwürdigen Flächen habe dieser Landwirt von der Stadt und dem Landkreis für einen Pachtzins von null Euro gepachtet und könne sie nutzen – wenn auch nur extensiv.

Dagegen sei die Situation für die Landwirte, die die Flächen im Mittleren Bruch – ebenfalls für einen Pachtzins von null Euro – gepachtet haben, durch hohe Wasserstände auch nicht einfach. Sie aber zeigten Verständnis für die Notwendigkeit der Naturschutzmaßnahmen.

Nach Ansicht der Naturschutzverbände sei die Kooperation mit Landwirten tatsächlich und weiterhin von großer Bedeutung. Doch sollte sich die öffentliche Hand noch mehr bei der Pachtvergabe auf Kooperation mit dem Naturschutz aufgeschlossenen Landwirten konzentrieren.

Dem Kreislandwirt Dieter Wilharm-Lohmann empfehlen Verband und Verein, nicht durch einseitige Darstellung das Image der Landwirte als naturschutzfeindliche Gruppe zu bestärken. Vielmehr sollte er vermittelnd wirken und auch die dem Naturschutz aufgeschlosseneren Landwirte vertreten. Seine Aussage, das bisherige kleine Naturschutzgebiet würde ausreichen, zeuge von „grundlegend fehlenden Fachkenntnissen über die ökologische Bedeutung des Gebietes“. Bemühungen der Landwirte, ihr Image durch Anlage von Blühstreifen aufzupolieren, werde durch verächtlichmachende Äußerungen Dehnes „zu Personen, die im Naturschutz engagiert waren oder sind, leichtfertig zunichtegemacht“.

Dass die Landwirtschaftsministerin durch die Landwirte offenbar „nur sehr einseitig informiert“ worden sei, zeige ihre Schlussbemerkung, dass es ohne Landwirte keinen Klima- und Naturschutz gebe, da „die Bauern die dafür erforderlichen Grundstücke hätten“. Offenbar sei ihr verschwiegen worden, dass alle Flächen des Mittleren Bruchs wie auch die allermeisten, die für eine Erweiterung des Naturschutzgebietes erforderlich seien, gar nicht Landwirten, sondern der öffentlichen Hand gehören.




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