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Massive Blaualgenblüte auf dem Mittellandkanal im Bereich Bückeburg und Hespe

Nicht baden, keine Hunde tränken!

BÜCKEBURG. Der Fischereiverein Schaumburg Lippe hat im Mittellandkanal von Rusbend bis Hespe Blaualgen festgestellt, geht aber davon aus, dass auch Berenbusch-Nordholz betroffen ist, da der Kanal eine sehr leichte Strömung von Minden aus hat, wo der Kanal mit Wasser der Weser versorgt wird. Der Fischereiverein warnt nun eindringlich: „Gesundheitsschädlich für Menschen, tödlich für Hunde.“ Die Stecke beträgt rund zehn Kilometer.

veröffentlicht am 06.08.2018 um 10:51 Uhr
aktualisiert am 06.08.2018 um 17:10 Uhr

Auf dem Mittellandkanal herrscht derzeit eine massive Algenblüte, wie der Fischereiverein Schaumburg-Lippe als Pächter des Gewässers festgestellt hat. Foto: Frank Scholz
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Raimund Cremers Redakteur zur Autorenseite

Tierhalter sollten unbedingt darauf achten, dass die Tiere nicht aus dem Kanal trinken. Für Kleinkinder könnten die Blaualgen ebenfalls gefährlich werden, Erwachsene können die Algen noch relativ gut ab, sollten sich hinterher aber unbedingt abduschen. Im Kanal ist zwar das Schwimmen nicht verboten, wohl aber das Springen von Brücken oder das Schwimmen in der Nähe von Schleusen, Wehren, Häfen oder Liegestellen. Der Fischereiverein ist Pächter des Gewässers, kümmert sich um Fischbesatz und Fischereirechte.

Wie Frank Scholz, Vertreter des Fischereivereins und als Umwelttechnischer Assistent von Berufswegen mit der Analyse von Wasser befasst, auf Anfrage mitteilte, hat er am Wochenende bei einer Kontrollfahrt die Algenblüte auf der gesamten Länge von Rusbend bis Hespe-Hiddenserborn festgestellt – überall ein grünlich-schmieriger Film auf dem Wasser. Bei den etwas kühleren Temperaturen am Sonntag habe die Blüte etwas nachgelassen. Scholz ist sich aber angesichts der für die kommenden Tagen angesagten steigenden Temperaturen sicher: „Die Blüte kommt noch einmal.“ Sein genereller Rat: Das Baden im Kanal sein lassen und Hunde anleinen, damit sie kein Wasser ausdem Kanal trinken können.

Bei den Blaualgen handelt es sich nicht um Algen, sondern um Bakterien ohne Zellkern. Auch ihre Farbe kann je nach Art schwanken, oft erscheinen sie nicht blau, sondern grün. Die meisten der mehr als tausend verschiedenen Arten von Cyanobakterien sind harmlos und müffeln nur etwas, wenn sie zerfallen. Einige wenige bilden jedoch Gifte. Aus diesem Grund sollten Badende vorsichtig sein, wenn sich Blaualgen massenhaft vermehren – was sie bei den Temperaturen dieser Tage gerne tun.

Foto: Frank Scholz
  • Foto: Frank Scholz
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Kommen Blaualgen mit der Haut und Schleimhäuten in Kontakt, kann es bei empfindlichen Menschen zu Reizungen in Form von Quaddeln, Bindehautentzündungen oder Ohrenschmerzen kommen. Beim Verschlucken des Wassers drohen außerdem Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Fieber, aber auch Atemwegserkrankungen, warnen diverse Gesundheitsministerien. Das Risiko verstärkt sich, wenn der Körper an mehreren Tagen hintereinander in Kontakt mit dem Gift kommt.

Wer nach dem Baden Beschwerden hat, sollte zum Arzt gehen und das zuständige Gesundheitsamt informieren. Grundsätzlich ist die Gefahr jedoch überschaubar: Laut den verfügbaren Untersuchungen sei nur gelegentlich mit leichten, vorübergehenden Krankheitserscheinungen zu rechnen.

Die Algen können vom Wind – wie er derzeit herrscht – sehr schnell von einer Stelle zu einer anderen getragen und dort zusammengetrieben werden. Deshalb ist es möglich, dass sich der Zustand einer Badestelle innerhalb weniger Stunden ändert und ein Blaualgenteppich auftaucht oder wieder verschwindet. Das gesunde Ekelgefühl verhindert meist ohnehin, dass man in das trübe, gelbbraune Wasser steigt. Ein Anzeichen für eine große Belastung mit Blaualgen ist, wenn die Füße im knietiefen Wasser nicht mehr zu sehen sind. Bereiche, in denen es wirkt, als hätten sich grünlich-bläuliche Ölfilme gebildet, sollte man außerdem meiden. Wer Hinweise auf eine Algenblüte entdeckt, ohne dass Schilder vorm Baden warnen, kann die Umweltbehörde oder das Gesundheitsamt informieren.

Besonders gefährdet seien Kleinkinder, die sich im Uferbereich einer Badestelle aufhalten und unbeabsichtigt etwa durch häufigen Hand-Mund-Kontakt unbeabsichtigt größere Mengen aufnehmen. Aber auch ältere Kinder könnten beim Toben größere Mengen Wasser verschlucken.

Neben Menschen trifft das Problem auch Hunde und andere warmblütige Tiere. „Bei Tieren, die mit den Toxinen angereichertes Wasser getrunken haben, ist es in der Vergangenheit wiederholt zu Todesfällen gekommen“, schreibt das Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde. „Bekannt ist dies von Rindern, Hunden und Enten.“

Wer trotz Warnungen Baden geht, sollte sich anschließend gut abduschen und die Badebekleidung wechseln, da sich Algenbestandteile im Stoff verfangen können.

In einer früheren Version hatten wir noch berichtet, dass im Mittellandkanal generell das Baden verboten ist. Das gilt allerdings nur für landeseigene Kanäle, nicht aber für den Mittellandkanal, der eine Bundeswasserstraße ist.

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