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Referat am Hubschrauberausbildungszentrum

Oberst Gundlach: „In China werden Dinge sofort umgesetzt“

BÜCKEBURG. Oberst i. G. Stefan Gundlach hat am Internationalen Hubschrauberausbildungszentrum in Bückeburg kürzlich über seine Zeit als Heeresattaché an der Botschaft in Peking berichtet. Von 2015 bis 2018 leistete er dort nach einer einjährigen Sprachausbildung in Mandarin Dienst und konnte viele überraschende Eindrücke gewinnen.

veröffentlicht am 29.05.2019 um 12:29 Uhr
aktualisiert am 30.05.2019 um 18:10 Uhr

Referent Stefan Gundlach. Foto: Christian Günther

Autor:

Christian Günther

BÜCKEBURG. Oberst Stefan Gundlach hat am Internationalen Hubschrauberausbildungszentrum kürzlich über seine Zeit als Heeresattaché an der Botschaft in Peking berichtet. Von 2015 bis 2018 leistete er dort nach einer einjährigen Sprachausbildung in Mandarin Dienst und konnte viele überraschende Eindrücke gewinnen.

Klaus Suchland begrüßte für die Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP) und die Kreisgruppe Weserbergland des Reservistenverbandes die nahezu 100 Zuhörer und führte in das Thema ein.

„Chinesen sind liebenswerte Menschen, aber doch ganz anders“, stellte der Referent gleich am Anfang seiner Ausführungen fest, die sich im ersten Teil mit dem Leben der Menschen besonders in Peking und im zweiten Teil mit der chinesischen Militärstrategie sowie den Streitkräften befassten.

Der Drache auf dem Sprung. Foto: Christian Günther

Überraschend fand Gundlach die zwei Gesichter der Stadt: ultramoderne Bauten neben alter Infrastruktur, westliche Luxusfahrzeuge in großer Zahl neben Fahrradrikschas. Der Chinese verspüre wenig Sozialneid und erkenne den Erfolg anderer an, wobei der Wohlstand durch den rasanten Wirtschaftsaufschwung der vergangenen Jahrzehnte für alle Menschen vergleichsweise gestiegen sei, sagte Gundlach. Dies sichere auch die Macht der Kommunistischen Partei, die alle Bereiche der Gesellschaft durchdringe. Dabei werde durchaus auf die Stimmung in der Bevölkerung, soweit die Interessen der Partei nicht wesentlich berührt würden, Rücksicht genommen und das Gefühl vermittelt, immer zum Wohle des Volkes zu handeln. Exemplarisch stehe dafür die Bekämpfung des Wintersmogs in Peking, bei dem ad hoc zahlreiche Kohlekraftwerke ohne Vorwarnung und Vorbereitung auf Ausweichressourcen abgeschaltet wurden. „In China werden Dinge sofort umgesetzt“, so Gundlach. Das mache einen Teil des Erfolgs des Landes aus.

Der Pekinger Mega-Flughafen wurde in vier Jahren gebaut, ohne langwierige Verhandlungen und Einsprüche. Diese Leistungen machten die Chinesen durchaus stolz und gäben ihnen das Gefühl, jemand zu sein. Bis 2025 wolle die Partei weltweit die Vormachtstellung unter anderem im Bereich der E-Mobilität und der Robotertechnik übernehmen. Das sei durchaus als Anweisung für die chinesische Wirtschaft und Industrie zu verstehen und bindend für alle Bereiche, so Gundlach.

Ausländische Firmen würden in China grundsätzlich überwacht und in ihrer Kommunikation kontrolliert. Überwachung sei in China allgegenwärtig und bereits automatisiert. „Oberstes Ziel ist stets der Machterhalt der Partei.“ Die Streitkräfte des Landes seien die Armee der Partei, eine wichtige Säule ihrer Macht und mit zwei Millionen Angehörigen immer noch die größte der Welt. Sie werde zügig modernisiert und ist auf dem besten Wege zur hoch technisierten Streitmacht im Pazifik – mit der Fähigkeit, den USA die Stirn zu bieten. Bis 2049 (100. Geburtstag der Volksrepublik China) sollten laut Gundlach „Streitkräfte in Weltformat“ aufgebaut werden, die dem großen Konkurrenten ebenbürtig seien. Das Heer verfüge über 5000 Panzer und 900 Hubschrauber, die Marine bestehe aus drei Flottenverbänden, für die vier Flugzeugträger im Bau seien. Jeden Monat verlasse eine Fregatte die Werft.

Weltmacht bedeutet

Seemacht

Weltmacht bedeute für China zunehmend Seemacht, betont Gundlach, wobei den strategischen Raketentruppen einschließlich der Weltraumsysteme sowie Cyberkräften immer Vorrang gegeben werde. „Der reale Verteidigungshaushalt wird von westlichen Beobachtern um 50 Prozent höher eingeschätzt als offiziell angegeben“, so der Referent. Ziel sei es, Kriege im Informationszeitalter führen und gewinnen zu können. „China wird niemanden angreifen“, so die Einschätzung Gundlachs, „aber durchaus seine Macht als Drohpotenzial nutzen.“ Konfliktstoff gebe es genug: die chinesische Expansion in das Südchinesische Meer, wo kleine Inseln zu militärischen Stützpunkten ausgebaut werden, reichhaltige Erdgas- und Erdölvorkommen, die China für sich beansprucht, Grenzstreitigkeiten mit Indien, Auseinandersetzungen mit Japan. „Nur die USA wagen es noch, ihre Seestreitkräfte durch von China beanspruchte Gewässer fahren zu lassen.“

Die modernsten Streitkräfte seien übrigens gegenüber Taiwan stationiert, das man in Peking als Teil Chinas betrachte und irgendwann wieder heimholen wolle, so Gundlach. Sein Fazit: Das Land bemühe sich erfolgreich, als verantwortungsvolle Großmacht wahrgenommen zu werden, und orientiere sich an den selbst definierten Prinzipien der „friedlichen Koexistenz“. Wichtiger Aspekt in diesem Zusammenhang sei die chinesische Initiative für den Bau einer „neuen Seidenstraße“. China wolle damit zum Knotenpunkt eines weltweiten Transport- und Kommunikationsnetzes werden und auf diesem Wege seinen Status als „Reich der Mitte“ wiederbeleben.r




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