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Mitglieder der Szene sollen zwischen Passanten und Trinkern vermitteln / Treffpunkt an der Herminenstraße?

Offene Ohren

STADTHAGEN. Im Umgang mit Stadthagens offener Trinkerszene sieht sich die Verwaltung einen Schritt weiter. Womöglich noch in diesem Jahr soll die Gruppe an die Herminenstraße umziehen.

veröffentlicht am 23.06.2016 um 17:14 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 09:42 Uhr

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Mit Dan Singh und Florian Klatt sind zudem Ansprechpartner für Bürger gefunden, die sich von den Gelagen in der Innenstadt gestört fühlen. Das Besondere: Klatt und Singh gehören selbst zur Szene.

Er sei einfach ins Rathaus und habe gesagt: „Hallo, ich bin der Trinker“, erklärt Florian Klatt, wie der Kontakt zwischen direkt Betroffenen und Stadtverwaltung zustande kam. Bei einem Gespräch mit Bürgermeister Oliver Theiß, seiner Vertreterin Iris Freimann und Akteuren von Polizei, Kirche, Wohnungslosenhilfe und Suchtberatung wurde jetzt besprochen, wie Reibereien in Zukunft vermieden werden können.

Im Zentrum dieser Überlegungen steht ein Treffpunkt an der Herminenstraße. „Der Bereich, den wir meinen, befindet sich quasi mitten im Wald“, sagt Dan Singh, wie Klatt selbst bekennender Trinker. Singh: „Da können wir eigentlich niemanden stören.“

Der Bürgermeister sagte beim Gespräch einen Besichtigungstermin bereits für kommenden Dienstag, dem 28. Juni, zu. „Vor Zugeständnissen machen wir uns gemeinsam vor Ort ein Bild auch von der Wohnsituation“, erklärt Theiß. Grundsätzlich begrüße er, dass die Gruppe von sich aus mit Ideen zur Lösung des Problems auf die Stadt zugekommen sei.

Ob, wann und in welchem Umfang der Treffpunkt an der Herminenstraße eingerichtet wird, ist noch offen. Die Idee für eine Art selbst gebautes Clubhaus steht im Raum. Bis dahin gilt ab dem 1. Juli eine Zwischenlösung. Klatt und Singh sollen den direkten Draht zu Polizei und Verwaltung halten. Außerdem will jeweils einer von beiden täglich von 15 bis 19 Uhr Ansprechpartner für Bürger sein, denen die Trinker auf dem Marktplatz zum Beispiel zu laut sind.

Immer wieder hatte es in den vergangenen Sommern Beschwerden gehagelt. Unter anderem wegen, wie es einer Vorlage heißt, vulgärer Ausdrucksweise auch gegenüber solchen Passanten, die nur an der Trinkergruppe vorbeigehen sowie „Urinieren und Erbrechen außerhalb vorhandener Sanitäranlagen“. Auch zu Handgreiflichkeiten sei es mehrmals gekommen.

Klatt und Singh wollen auch schriftliche Kritik entgegennehmen. Als Ansprechpartner erkennbar soll sie nach jetzigem Stand ein T-Shirt mit Aufdruck machen. Das Projekt geht zunächst in eine einmonatige Probephase.

Innerhalb der Trinkerszene erfahren die beiden Männer nach eigenen Angaben Zuspruch für ihre Kooperation mit den Behörden. „Das ist wichtig“, bekräftigt Bürgermeister Theiß. „Alle anderen Überlegungen würden daran scheitern, wenn es nicht akzeptiert würde.“




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