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Willi Kruse findet in Wülpke keinen Nachfolger / Kleinenbremer Wolfgang Karras hat andere Pläne

Ortsheimatpfleger als Auslaufmodell

Kleinenbremen/Wülpke. 36 Jahre sind genug: Wenn er im Mai 90 wird, gibt Willi Kruse seinen Posten als Wülpker Ortsheimatpfleger aus Altergründen auf. „In Wülpke habe ich keinen Nachfolger gefunden“, bedauert er. Willi Kruse wäre es am liebsten, wenn Wolfgang Karras, der bereits Ortsheimatpfleger in Kleinenbremen ist, das Ehrenamt zusätzlich übernehmen würde. Auch hinter den Kulissen wird dieser Name gehandelt. Doch Wolfgang Karras winkt ab. „Ich bin voll berufstätig“, erklärt er.

veröffentlicht am 04.04.2016 um 15:15 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 23:41 Uhr

04. April 2016 15:15 Uhr

Kleinenbremen/Wülpke. 36 Jahre sind genug: Wenn er im Mai 90 wird, gibt Willi Kruse seinen Posten als Wülpker Ortsheimatpfleger aus Altergründen auf. „In Wülpke habe ich keinen Nachfolger gefunden“, bedauert er. Willi Kruse wäre es am liebsten, wenn Wolfgang Karras, der bereits Ortsheimatpfleger in Kleinenbremen ist, das Ehrenamt zusätzlich übernehmen würde. Auch hinter den Kulissen wird dieser Name gehandelt. Doch Wolfgang Karras winkt ab. „Ich bin voll berufstätig“, erklärt er.

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Ins Gespräch bringt sich Karras jedoch für eine andere Aufgabe. „Ich könnte mir später durchaus ein ehrenamtliches Engagement im Portaner Stadtarchiv vorstellen“, macht er der Stadt ein Angebot, das sie eigentlich nicht ablehnen kann. Der Mann wäre wie geschaffen für den Job. Von Beruf ist Karras Archivar im Niedersächsischen Landesarchiv, Standort Bückeburg. In 33 Monaten geht er in Rente.

Zuletzt hatte die Arbeitsgemeinschaft (AG) „Jüdisches Leben an der Porta Westfalica“ über den schlechten Zustand des Archivs geklagt. „Das Stadtarchiv ist miserabel“, nahm Dominique Schröder, die Vorsitzende der AG, kein Blatt vor den Mund. Schröder und ihre Mitstreiter recherchieren zurzeit über die Schicksale von verfolgten und ermordeten Portaner Juden, denen weitere Stolpersteine gewidmet werden sollen. Dabei müssen sie auf andere Archive ausweichen.

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Bürgermeister Berndt Hedtmann ist gleichzeitig Vorsitzender des Vereins KZ-Gedenk- und Dokumentationsstätte Porta Westfalica, zu dem die AG gehört. Zur Nazizeit waren in drei Portaner Konzentrationslagern mehr als 3000 Häftlinge eingepfercht. Darüber hinaus werden die Lebensläufe der 74 deportierten Juden erforscht. Bürgermeister Hedtmann wird nicht müde zu betonen, dass diese Aufarbeitung des wohl dunkelsten Kapitels der Portaner Geschichte rund 70 Jahre nach Kriegsende zwar spät komme, jedoch nicht zu spät. Ein gut geführtes Stadtarchiv könnte dabei hilfreich sein.

Nachfolger gesucht: Ortsheimatpfleger Willi Kruse und seine Frau Hildegard blättern in der Wülpker Chronik. Foto: ly

Zurück zu Willi Kruse: Wenn der Wülpker Ortsheimatpfleger seine Meilensteine aus 36 Jahren aufzählt, fällt ihm zuerst die 750-Jahr-Feier von 1992 ein. „Das war das Schönste – auch wenn bei den Vorbereitungen manchmal laut gesprochen wurde“, erinnert er sich.

Nach den einwöchigen Feierlichkeiten waren die Wülpker zusammengeschweißt. Zunächst entstand eine Ortsgemeinschaft, aus der sich 1994 der örtliche Heimatverein gründete, dessen Vorsitzender bis 2004 Kruse hieß. Im Jahr 2002 wurde dann in einem Teil eines früheren Schafstalles die Heimatstube eingeweiht. „Sie ist fast komplett in Eigenleistung entstanden“, erzählt Kruse.

Als er das Ehrenamt 1980 übernahm, war der Ortsheimatpfleger übrigens davon ausgegangen, dass Wülpke bereits 1000 Jahre alt wird. Dann begann er intensiver zu recherchieren und stieß auf eine Urkunde des Mindener Bischofs von 1242 – offenbar die erste urkundliche Erwähnung. Zum Jubiläum schrieb Willi Kruse dann eine Dorfchronik.

Als leitender Mitarbeiter bei Raiffeisen und Ortsheimatpfleger sah er gleichermaßen mit Bedauern, dass die Landwirtschaft allmählich den Bach runterging. Zum Glück seien die Flächen jedoch verpachtet worden. Heute ist Wülpke vor allem Wohnort. Unverändert eng sind die Bande nach Kleinenbremen, mit dem man sich Schule und Kirche teilt.

Politisch war Willi Kruse in der CDU aktiv, für die er allein 15 Jahre im Kreistag saß (bis 1996). Sein Nachfolger als Ortsheimatpfleger solle sich zunächst einmal „umgucken im Dorf“ und die Interessen Wülpkes auch im Bezirksausschuss vertreten. Auffallen würde dem Neuen vermutlich der schlechte Zustand einiger Wege. Kruse ärgert sich darüber jedenfalls schon länger.