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Vortrag über Hieronymus von Münchhausen

Otto von Blomberg auf den Spuren des „Lügenbarons“

BÜCKEBURG. Auf die Spuren des „Lügenbarons“ Hieronymus von Münchhausen hat sich ein Vortrag begeben, den Otto von Blomberg im Museum gehalten hat. Die in der Reihe „Nachgefragt“ präsentierte Wissensvermittlung förderte einige Überraschungen zutage.

veröffentlicht am 15.04.2019 um 14:55 Uhr
aktualisiert am 15.04.2019 um 19:30 Uhr

Otto von Blomberg klärt über Hieronymus von Münchhausen auf. Foto: bus
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Autor

Herbert Busch Reporter
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„Ich möchte seinen schlechten Ruf ein bisschen gerade rücken“, erläuterte der charmant plaudernde Referent gleich zu Beginn seiner Ausführungen.

Blombergs entfernter Verwandter gilt allgemein als „Lügenbaron“ par excellence. „Dabei hat er nur mittelbar zu dieser Einschätzung beigetragen“, stellte der Referent richtig. Im Übrigen sei die Bezeichnung „ein hässlicher Begriff“.

Münchhausen wurde im Mai 1720 in Bodenwerder geboren. 17 Jahre später bekam er die Gelegenheit, die große weite Welt kennenzulernen. Zunächst ging es nach St. Petersburg und bald darauf zum Schwarzen Meer, wo eine Allianz aus Russen und Österreichern mit der Türkei im Clinch lag.

Blomberg ist es zu verdanken, dass er den Zuhörern die Umstände der Reisen näherbrachte. Allein die Fahrt nach St. Petersburg nahm fast vier Monate in Anspruch. „Es war Winter, die Tage waren kurz, die Nächte lang, man rückte zusammen und erzählte sich Geschichten“, gab der Landwirt aus dem Auetal zu verstehen. In diesen Nächten habe der junge Hieronymus vermutlich zum ersten Mal heiße Ohren bekommen.

Als Münchhausen 1750 nach Bodenwerder zurückgekehrt war, fand der weltgewandte Adelige keinen rechten Zugang zur örtlichen Obrigkeit. Im Freundeskreis erlangte unterdessen sein Erzähltalent eine gewisse Berühmtheit. Es dauerte nicht lange, bis Besucher auch von weit her kamen, um die fabelhaften Geschichten zu hören. „Dabei war der Baron ein ehrlicher und sehr wahrheitsliebender Mensch“, betonte Blomberg.

Für die Veröffentlichung der „Münchhausiaden“ zeichneten andere verantwortlich. Etwa Rochus Graf zu Lynar, dessen Buch „Der Sonderling“ Experten teilweise dem Baron zuordnen. Oder Rudolf Erich Raspe und Gottfried August Bürger. Raspes Publikationen waren ungemein erfolgreich und zogen vier stets erweiterte Neuauflagen nach sich. Bald folgten Übersetzungen in andere Sprachen. Autoren und Übersetzer fantasierten munter weiter. Blomberg schätzte die Zahl der Übersetzungssprachen auf „mindestens 60“.

Münchhausen war keineswegs begeistert. Der privat als zurückgezogen und öffentlichkeitsscheu geltende Adelige befand, dass ihn der Ruf als „Lügenbaron“ der Lächerlichkeit preisgebe. Der Ärger darüber vergällte ihm den Rest seiner Jahre. „Für ihn waren die Bücher entsetzlich ehrenrührig“, legte Blomberg dar, der indes nicht umhinkam, etliche Kostproben der tollkühnen Erzählungen zum Besten zu geben.

Hinweis: Museumsleiterin Dr. Anke Twachtmann-Schlichter gab bekannt, dass die unter Federführung von Klaus Suchland konzipierte „Nachgefragt“-Reihe im kommenden Jahr keine Fortsetzung finden wird. Es werde derzeit aber über die Präsentation eines neuen Formates nachgedacht.




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