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Klavierabend: Justus Frantz lässt die Zuhörer teilhaben am Schicksal eines ertaubenden Komponisten

Pathos bedeutet Leiden

Bückeburg. Komplimente hört jeder gerne. Vor allem, wenn sie von so bekannten Leuten wie Justus Frantz kommen. Der hat bei seinem Auftritt im Festsaal des Schlosses die Stadt Bückeburg aufs Höchste gelobt. „Ich wusste gar nicht, wie schön es bei Euch ist“, meinte der weltbekannte Dirigent und Pianist charmant. Dafür und für sein exzellentes Spiel gab es viel Beifall von den rund 250 Zuhörern und von Hausherr Alexander zu Schaumburg-Lippe.

veröffentlicht am 20.01.2014 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 03:21 Uhr

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Justus Frantz scheint es in Bückeburg wirklich gut gefallen zu haben. Schon das Kinderkonzert am Nachmittag habe ihn sehr begeistert, es sei eines seiner schönsten Konzerte gewesen, sagte er später. Und: „Das Publikum war einfach zauberhaft.“ Zauberhaft war aber auch das Spiel des weltbekannten Dirigenten und Musikers an diesem Abend, der sich zudem als großartiger Vermittler und „Diplomat“ in Sachen klassischer Musik erwies. Die „Pathetique“ Beethovens leitete Frantz mit den Worten „erschütternd“ und „griechische Dimensionen“ ein. Er werde seine Musik nicht mehr hören, aber seinem Schicksal in den Rachen greifen, zitierte der bekannte Musiker den ertaubenden Beethoven. Kaum ein Komponist, so Frantz weiter, habe mehr Widersprüche aufeinandertürmen können, ohne dabei die Form zu zerbrechen. Das ungestüme Temperament des dritten Satzes lasse keinen unberührt. Pathos bedeute Leiden.

Tatsächlich schwebt die drohende Taubheit wie ein Dämon über diesem Werk. Von Beginn an herrscht eine große Dramatik mit gewaltigen Ausbrüchen in den Ecksätzen. Die Pathetique: Das ist ein Ausbruch in c-Moll, vom ersten, schwer fallenden Akkord bis zum letzten Ton. In keinem anderen Werk Beethovens spielt sich das „Ich“ so flammend auf, das ist Leidenschaft pur. Später scheint das Stück fast schon dahinzufließen, das Adagio ist eines der ruhevollsten, das Beethoven geschrieben hat. Justus Frantz findet einen ganz eigenen Zugang zu diesem besonderen Opus, mal ganz leicht und in die Stimmungen hineinhorchend, dann wieder wuchtig und getragen. Seine flirrenden Läufe und Arpeggi, die gezielten Rubati und die deutlichen Basslinien weisen ihn als das aus, was er ist: ein emphatischer Künstler, der nicht nur vorträgt, sondern erkundet und auskostet. Frantz’ Spiel ist eine virtuose Tastenakrobatik, führt ihn zu sensibelsten Ausdeutungen elegischer und melancholischer Nuancen. Einen eigenen Zugang findet der Künstler auch zu Beethovens „Appassionata“. Er hebt die Bedrohlichkeit der akkordischen Ausbrüche und der hin und her schwingenden Tonkaskaden noch hervor. Der besondere Charakter des Werkes – die ständig vorwärtstreibende Ruhelosigkeit – kommt so gut zur Geltung.

Fazit: ein beeindruckendes Konzert, das den Meister auf dem Höhepunkt seines Könnens zeigte. Trotz seiner 70 Jahre ist das Spiel von Justus Frantz so beweglich und dynamisch wie eh und je. Sein variantenreicher Anschlag lässt kleinste Schattierungen aufscheinen. Großartig!




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