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Chor „Acustico“ aus Hannover zelebriert Mozarts „Requiem“

Prädikat „zauberhaft“

BÜCKEBURG. Dass unvollendete Werke ihren ganz eigenen Reiz haben, dafür gibt es in der klassischen Musik genug Beispiele. Ein ganz Bekanntes ist das „Reqiuem“ von Mozart (KV 626), das der Projektchor „Acustico“ jetzt in der Bückeburger Stadtkirche vorgetragen hat.

veröffentlicht am 01.06.2016 um 14:28 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 15:41 Uhr

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Autor:

Michael Grundmeier

Das Unvollendete hat es offenbar an sich, dass es nicht lange unvollendet bleibt. Es gibt da offenbar einen Drang, das Fragment zu ergänzen, es in die richtige Form zu bringen. Mahlers 10. ist das so ergangen und Tschaikowskys 3. Klavierkonzert. Nur Brahms war klug genug, alles Unfertige vor seinem Tod zu verbrennen. Andererseits: Wenn Mozart seine Fragmente verbrannt hätte, wäre sein bis heute ausgesprochen populäres „Requiem“ für immer ungespielt geblieben. Eine traurige Vorstellung!

So müssen wir uns eben mit der Fassung seines Schülers Süßmayr beschränken, die zwar stark kritisiert wird, die aber immer noch das beste ist, was wir haben. Auf der anderen Seite muss man Süßmayr zu gute halten, dass er am nächsten an Mozart „dran“ war. So wissen wir aus den Aufzeichnungen von Mozarts Schwägerin, dass Mozart einen Teil des „Requiems“ von Süßmayr niederschreiben ließ. Und gerade weil ihm Mozarts Kniffe (wie etwa der neu entwickelte Vokalstil) fremd blieben, sind seine Ergänzungen gut zu erkennen. Von allen Epigonen ist Süßmayr der, der den Geist des „Requiems“ noch am besten verstanden hat. Andere „Neufassungen“ (etwa aus dem 20. Jahrhundert) sind entweder zu überladen oder zu gewollt „mozartsch“.

Entsprechend ist die Entscheidung des Projektchors, die „Süßmayrsche Fassung“ vorzutragen, nur folgerichtig. Fast schon radikal mutet dagegen der Verzicht auf ein Kammerensemble an – der Chor wird lediglich durch Pianist Yun Qi Wong begleitet. Der Vorteil dieser Besetzung ist, dass der Chor völlig in den Vordergrund gerückt wird. Was durchaus dem Geist des Werkes entspricht.

Warum dieses Werk bis heute zu Mozarts populärsten Werken gehört, wird schon in den ersten Takten deutlich. Das „Introitus“ erklingt getragen, beinahe stockend - die Sänger deklamieren mehr, als sie singen. Im Vordergrund steht dabei nicht der theatralische Effekt, sondern das schlichte und sorgsam ausgestaltete Detail. Was sonst vom Bläsersatz zugedeckt wird, liegt hier – auch dank einer präzisen und differenzierten Artikulation – offen zutage.

In einem scharfen Kontrast folgt das Strafgericht der „Sequenz“: „Dies irae, dies illa“ („Tag des Zornes, Tag der Zähren“) rumort es im 25-köpfigen Chor. Man ahnt die Gewalt und Strenge des „jüngsten Tages“. Dann, im bekannten „Lacrimosa“, prasseln Stakkati auf den Zuhörer nieder (qua re-sur-get ex fa-vil-la). Punktgenau intonierend läuft der Chor hier zur Höchstform auf. Der Gesang wogt hin und her und mündet schließlich im D-Dur-Amen. Den Schlusspunkt setzen dann das „Agnus Dei“ und „Communio“, die die traurige Grundstimmung in eine fast schon gelassene Andacht auflösen. Auch hier wieder bleibt der Chor trotz seines voluminösen Klangs jederzeit ausgewogen und beweglich.

Kurzum: ein tolles Konzert mit einem bestens aufgelegten Chor (Leitung: Julian Hauptmann) und vier exzellenten Solisten. Grzegorz Rozkwitalski (Bass), Anna Moritz (Sopran), Sebastian Franz (Tenor) Susan Jebrini (Alt) sind mit ihren ausgezeichneten Stimmen eine echte Bereicherung.BÜCKEBURG. Dass unvollendete Werke ihren ganz eigenen Reiz haben, dafür gibt es in der klassischen Musik genug Beispiele – ein ganz bekanntes ist das „Reqiuem“ von Mozart (KV 626), das der Projektchor „Acustico“ jetzt in der Bückeburger Stadtkirche vorgetragen hat.

Das Unvollendete hat es offenbar an sich, dass es nicht lange unvollendet bleibt. Es gibt da offenbar einen Drang, das Fragment zu ergänzen, es in die richtige Form zu bringen. Mahlers 10. Sinfonie ist es so ergangen und Tschaikowskys 3. Klavierkonzert. Nur Brahms war klug genug, alles Unfertige vor seinem Tod zu verbrennen. Andererseits: Wenn Mozart seine Fragmente verbrannt hätte, wäre sein bis heute ausgesprochen populäres „Requiem“ für immer ungespielt geblieben. Eine traurige Vorstellung!

So müssen wir uns eben mit der Fassung seines Schülers Franz Xaver Süßmayr begnügen, die zwar stark kritisiert wird, die aber immer noch das Beste ist, was wir haben. Auf der anderen Seite muss man Süßmayr zugutehalten, dass er am nächsten an Mozart „dran“ war. So wissen wir aus den Aufzeichnungen von Mozarts Schwägerin, dass Mozart einen Teil des „Requiems“ von Süßmayr niederschreiben ließ. Und gerade weil ihm Mozarts Kniffe (wie etwa der neu entwickelte Vokalstil) fremd blieben, sind seine Ergänzungen gut zu erkennen. Von allen Epigonen ist Süßmayr der, der den Geist des „Requiems“ noch am besten verstanden hat. Andere „Neufassungen“ (etwa aus dem 20. Jahrhundert) sind entweder zu überladen oder zu gewollt „mozartsch“.

Entsprechend ist die Entscheidung des Projektchors, die „Süßmayrsche Fassung“ vorzutragen, nur folgerichtig. Fast schon radikal mutet dagegen der Verzicht auf ein Kammerensemble an – der Chor wird lediglich durch Pianist Yun Qi Wong begleitet. Der Vorteil dieser Besetzung ist, dass der Chor völlig in den Vordergrund gerückt wird. Was durchaus dem Geist des Werkes entspricht.

Warum dieses Werk bis heute zu Mozarts populärsten Werken gehört, wird schon in den ersten Takten deutlich. Der „Introitus“ erklingt getragen, beinahe stockend – die Sänger deklamieren mehr, als dass sie singen. Im Vordergrund steht dabei nicht der theatralische Effekt, sondern das schlichte, sorgsam ausgestaltete Detail. Was sonst vom Bläsersatz zugedeckt wird, liegt hier – auch dank einer präzisen und differenzierten Artikulation – offen zutage.

In einem scharfen Kontrast folgt das Strafgericht der „Sequenz“: „Dies irae, dies illa“ („Tag des Zornes, Tag der Zähren“) rumort es im 25-köpfigen Chor. Man ahnt die Gewalt und Strenge des „jüngsten Tages“. Dann, im bekannten „Lacrimosa“, prasseln Stakkati auf den Zuhörer nieder (qua re-sur-get ex fa-vil-la). Punktgenau intonierend läuft der Chor hier zur Höchstform auf. Der Gesang wogt hin und her und mündet schließlich im D-Dur-Amen. Den Schlusspunkt setzen dann das „Agnus Dei“ und „Communio“, die die traurige Grundstimmung in eine fast schon gelassene Andacht auflösen. Auch hier wieder bleibt der Chor trotz seines voluminösen Klangs jederzeit ausgewogen und beweglich.

Kurzum: ein tolles Konzert mit einem bestens aufgelegten Chor (Leitung: Julian Hauptmann) und vier exzellenten Solisten. Grzegorz Rozkwitalski (Bass), Anna Moritz (Sopran), Sebastian Franz (Tenor) Susan Jebrini (Alt) sind mit ihren ausgezeichneten Stimmen eine echte Bereicherung.




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