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Elke Pophanke aus Münster verfolgt die Spur nach Bückeburg / „Pater Muckermann ist unser erster Restitutionsfall“

Raub der Gestapo: Bücher gehen zurück an die Familie

Bückeburg (rd). Vor wenigen Tagen hatte der Vorsitzende des Pfarrgemeinderats der katholischen Gemeinde in Bückeburg, Johannes Kersting, einen nicht alltäglichen Anruf aus Münster. Eine Mitarbeiterin der dortigen Uni-Bibliothek, Abteilung Historische Drucke, fragte an, ob er Adressen von Muckermann-Angehörigen kennt. Wie sich bald herausstellte, hatte die mit der Recherche beauftragte Elke Pophanke die Spur nach Bückeburg über die „Stolperstein“-Verlegung für Friedrich Muckermann im Dezember 2006 gefunden.

veröffentlicht am 24.08.2012 um 20:23 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 20:21 Uhr

Hintergrund der Nachforschungen sind Bücher, die bei einer Gestapo-Durchsuchung 1938 in Münster konfisziert worden waren. Damals hatte die Geheime Staatspolizei das Redaktionsbüro der Zeitschrift „Der Gral“ durchsucht, dessen Herausgeber Friedrich Muckermann war. Wenngleich der Jesuitenpater 1934 der drohenden Verhaftung durch die Flucht in die Niederlande entgangen war, sorgte er mit seiner Sekretärin, Nanda Herbermann, bis zu der Beschlagnahme für das weitere Erscheinen des Blattes. Er gab in Holland mit Josef Steinhage von 1934 bis 1940 die wohl bekannteste Exilzeitung der Nazizeit, „Der deutsche Weg“, heraus.

Herbermann schreibt darüber in ihrem Buch „Der gesegnete Abgrund“: „Da erschien die Gestapo im Redaktionsgebäude, untersagte die weitere Arbeit, beschlagnahmte alles Redaktionseigentum und setzte uns auf die Straße, natürlich ohne jede Begründung, wie es im Dritten Reich an der Tagesordnung war.“ Weiter schreibt sie: „Die große wertvolle Bibliothek Pater Muckermanns warf man aus der ersten Etage zum Fenster hinaus auf die Lastwagen – diese herrliche, in vielen Jahren durch intensive Arbeit zusammengebrachte Spezialbibliothek.“

Wo die Bücher geblieben sind, lässt sich heute nicht mehr herausfinden. Einige der vorhandenen Bücher haben aber persönliche Widmungen, und diese sollen nunmehr an die Familie zurückgegeben werden. Hintergrund der Restitution ist die Washingtoner Erklärung von 1998. Auch Deutschland hat mit der Unterzeichnung die Verpflichtung übernommen, die Museumsbestände nach NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgütern zu überprüfen und aufgefundene Kunstwerke an die rechtmäßigen Eigentümer zurückzugeben.

Durch diese Widmung kann das Buch zugeordnet und an die Familie zurückgegeben werden. Fotos: pr.

Wie die mit dieser Aufgabe in Münster betraute Elke Pophanken erklärte, stehe man erst am Anfang der Rückgabeaktion. „Pater Muckermann ist unser erster praktischer Restitutionsfall. Die Restitution des bei uns noch vorhandenen NS-Raubgutes ist ein wichtiger Schritt für unsere Bibliothek und wir stecken noch in den Anfängen.“

Bei einem Besuch in der Uni-Bibliothek in Münster konnten sich jetzt der dortige Muckermann-Experte Dr. Johannes Schwarte und der Vorsitzende des Pfarrgemeinderats von St. Marien aus Bückeburg, Johannes Kersting, vom Fortschritt der Arbeit überzeugen. Zugleich erhielten sie einen Einblick in die Schwierigkeiten, die sich dabei ergeben. In manchen Fällen sind die persönlichen Eintragungen nicht mehr vollständig und es tauchen Namen auf, die nicht einzuordnen sind. Kersting: „Es ist aber erfreulich zu sehen, dass der erste Restitutionsfall an der Uni-Bibliothek in Münster bald abgeschlossen sein soll.“

Bei der Suche nach Angehörigen konnte Kersting helfen, denn von den beiden (von neun Muckermann-Geschwister), die Nachkommen haben, waren Angehörige bei der Namengebung der Muckermann-Passage 2007 in Bückeburg. An diese sollen die zugeordneten Bücher alsbald zurückgegeben werden. „Wir würden uns freuen, wenn die Rückgabe am Heimatort der Familie, hier in Bückeburg, erfolgen könnte“, erklärte Kersting.

Unterstützung erhält er sowohl von der Stadtkirchengemeinde als auch von der „Schaumburger Landschaft“. Während der Oberprediger der Stadtkirchengemeinde, Pastor Dr. Wieland Kastning, grünes Licht für einen Rückgabeakt in der Stadtkirche signalisierte, erklärte sich der Geschäftsführer der Schaumburger Landschaft, Sigmund Graf Adelmann, bereit, aktiv an der Restitution mitzuwirken. Auch aus der Nachbarpfarrei St. Josef in Stadthagen gibt es Unterstützung für die Rückgabe der Bücher in Bückeburg. Wie der auch durch die Schaumburger Initiative gegen Arbeitslosigkeit bekannte Stadthäger Katholik Rudolf Krewer erklärte, wäre die Rückgabe am Ort, der die Familie prägte, eine kleine Wiedergutmachung auch für andere verfolgte Familienmitglieder.




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