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9500 Meter Fugen müssen erneuert werden / Meinser Kirchturm erst im Frühjahr fertig

Schäden größer als erwartet

MEINSEN. Erst stellte sich heraus, dass die Schäden an den Fugen größer waren als gedacht. Dann trat der Jahrhundert-Sommer bei der Fugen-Sanierung auf die Bremse. Jetzt erzwingt der Frost, der ein Verfugen nicht erlaubt, einen vorläufigen Baustopp. Die Folge: Die Fertigstellung des Meinser Kirchturms verzögert sich um Monate und kann erst im Frühjahr wieder aufgenommen werden.

veröffentlicht am 26.11.2018 um 12:54 Uhr
aktualisiert am 26.11.2018 um 19:21 Uhr

Engagiert sich für die Sanierung des Kirchturms: Pastor Ulrich Hinz. Foto: tw

Autor:

THOMAS WÜNSCHE
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MEINSEN. Erst hat sich herausgestellt, dass die Schäden an den Fugen größer gewesen sind als gedacht. Dann trat der überdurchschnittlich heiße und trockene Sommer bei der Fugen-Sanierung auf die Bremse. Jetzt erzwingt der Frost, der ein Verfugen nicht erlaubt, einen vorläufigen Baustopp. Die Folge: Die Fertigstellung des Meinser Kirchturms verzögert sich um Monate und kann erst im Frühjahr wieder aufgenommen werden. „Ich hoffe aber, dass wir zu Ostern unter einem dann abgerüsteten Kirchturm Konfirmation feiern können“, sagt Pastor Ulrich Hinz. Ursprünglich war geplant, die Sanierung des Kirchturms noch bis Jahresende abzuschließen.

Der Verzug macht sich auch auf der Kostenseite bemerkbar, „wenn auch nicht gravierend“, wie Hinz sagt. Er rechnet derzeit mit Mehrkosten von 25 000 bis 30 000 Euro, sodass die Gesamtkosten am Ende bei 630 000 Euro liegen würden. „Derzeit ist erst ein Drittel des Turms fertig. Zwei Drittel des Bauwerks müssen noch verfugt werden“, so der Geistliche. Dabei seien die besagten Fugen das eigentliche Problem: Sie müssen komplett erneuert werden. Wie aufwendig das ist, erklärt Hinz so: „Würde man sie alle aneinanderreihen, ergäbe das eine Strecke von 9500 Metern.“

Abgeschlossen sei derweil der Austausch der beschädigten Ziegel und der Formsteine: „Etwa 4000 mussten erneuert werden“, so der Pastor. Die Neuen müssen auf der einen Seite atmungsaktiv sein, auf der anderen Seite aber auch aufgenommene Feuchtigkeit wieder abgeben. Nachdem zahlreiche Ziegeleien Probeziegel geliefert hatten, war die Entscheidung am Ende auf eine Ziegelei aus Bayern gefallen.

Abgeschlossen sind auch die Arbeiten an der Kirchturmuhr, die jetzt wieder in Betrieb ist. Der Bückeburger Malerbetrieb Lüders hat Zifferblatt und Zeigern ebenso wie den Schallluken vor dem Glockenstuhl einen neuen Anstrich verpasst. Die Firma Thomas Wichmann Metallbau mit Sitz in Obernkirchen hat die Anschlüsse der Kupferbleche derart neu verbunden, dass kein Wasser mehr ins Mauerwerk eindringen kann. Überhaupt habe ein Großteil der Arbeiten laut Hinz von Firmen aus dem Schaumburger Land absolviert werden können. Das Einrüsten des Turms etwa hat die Rintelner Firma Gerüstbau Schöttker GmbH übernommen, den Entwurf des Logos für die Sanierung die Bückeburger Werbeagentur Hering.

Nötig geworden sind die Bauarbeiten am Meinser Kirchturm, weil die bislang letzte Sanierung vor 25 Jahren nicht fachgerecht ausgeführt worden war. „Im Laufe der Zeit“, so der Pastor, „gingen die Fugen auf, und die damals erneuerten Ziegel begannen zu platzen.“ Gemeinsam mit dem Landeskirchenamt war dann vor zwei Jahren die Turm-Sanierung geplant worden. Eine Anstalt für Materialprüfung an der Universität Bremen untersuchte das 1878 errichtete Bauwerk auf das Genaueste. Das Ingenieur-Büro Bergmann mit Sitz in Pfaffenhofen übernahm die Bauleitung. Es hatte sich bereits bei der Sanierung der Bückeburger Stadtkirchen-Fassade empfohlen. Gleiches gilt für die Firma Hans Kaufhold Natursteine mit Sitz in Hannover, die die Schäden am Kirchturm mittels einer Drohne kartierte. „Ende Januar“, so Hinz, „kam dann das Baugerüst.“ Allein dessen Aufbau dauerte drei Wochen. Damit konnte dann die Sanierung beginnen.

Bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz war dafür zwar kein Geld zu holen, aber es gab 100 000 Euro an Leader-Mitteln. „Das ist der Höchstbetrag, der für Projekte vergeben wird“, erinnert Hinz dankbar. Dazu kommt noch: 25 000 Euro hat die Gemeinde – bislang – durch eigene Aktionen, Spenden und das Engagement der Feuerwehren und Vereine eingenommen. Ziel ist es, am Ende etwa zehn Prozent der Gesamtkosten auf diese Weise abdecken zu können. Der Weihnachtsmarkt der Vereine am ersten Adventswochenende soll sein Scherflein dazu beisteuern.




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