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Japanische Kampfkunst beim VfL

Schule für die Seele: Jörg-Dieter Kopp (78) ist Kendo-Lehrer

BÜCKEBURG. „Beim Kendo läuft sehr viel mental ab. Eine gewisse Distanz, Präsenz und Blickkontakt sind sehr wichtig“, erklärt Jörg-Dieter Kopp. Der 78-Jährige ist Sensei, also Lehrer der japanischen Kampfkunst.

veröffentlicht am 04.06.2019 um 14:16 Uhr
aktualisiert am 04.06.2019 um 23:10 Uhr

Schnelligkeit und Präzision: Sensei Jörg-Dieter Kopp (rechts) zeigt Angriffstechniken. Foto: tla

Autor:

Tanja Langejürgen
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Eigentlich bevorzugt er lieber Jaido oder auch Iaido. Die Wurzeln beider Kampfsportarten liegen im Mittelalter und gehörten zur Schwertausbildung der Samurais. Durchhaltevermögen auf einer ganz besonderen Art: „Jeder versucht, seinen Kampf durchzubringen, den Geist aufzudrängen“, so Kopp. Kendo gehört zur Budo-Sparte des VfL Bückeburg.

Kendo ist der Weg des Schwertes – und verbunden mit ganz viel Tradition. Es geht dabei um Einheit von Geist, Schwert und Körper. Die Waffe heißt Shina und ist ein Bambusschwert. Der Kampf ist ein richtiges Ritual und kann drei bis fünf Minuten dauern. Gefragt sind Reaktionsschnelligkeit, Besonnenheit und Konsequenz – beim Schlag entsteht eine enorme Geschwindigkeit. Dabei darf japanische Etikette nie fehlen. Wichtig ist ebenfalls der Schrei, also Kiai, „um die Spannung zu halten“, so Kopp. Die Tonlage bleibe immer gleich. „Ein Samurai behält die Haltung, die innere und äußere“, erläutert der Sensei.

Kopp zählt sich selbst mit zu den ältesten in Deutschland, die aktiv asiatische Kampfkünste wie Kendo oder Jaido ausüben. „Vielleicht gibt es in Bayern aber auch noch welche, die älter sind“, sagt der 78-Jährige und lacht. Wettkämpfe bestreitet er allerdings nicht mehr, weil es keine Altersklassen gibt. Er liebt diesen Sport und ist mit voller Leidenschaft dabei. „Es macht unheimlich viel Spaß. In den Anfängen habe ich vier- bis fünfmal in der Woche trainiert.“ Außerdem war er über 40 Jahre lang Leistungstaucher bei der DLRG.

Die Rüstung beim Kendo ist sehr wichtig: Jörg-Dieter Kopp und Hartmut Haselau kleiden sich vor dem Kampf ein. Foto: tla

Kendo ist keine Selbstverteidigung. „Man ist total auf Angriff gepolt.“ Es gibt vier Trefferflächen: Kopf, Handgelenke, Bauchseite und Kehle. Um jedoch einen Treffer zu erzielen, muss der Kendoka die Kampfrichter absolut überzeugen. Der bloße Kontakt des Sportschwertes, bestehend aus zusammengebundenen Bambusstreben, auf den Trefferflächen der Rüstung des Gegners reicht nicht aus. Er müsse eins mit sich selbst, den Bewegungen und dem Schwert werden, um die Kraft für den Angriff zu bündeln, so Kopp.

Ein ganz wichtiger Bestandteil für Erfolg sei die Grundhaltung: Der linke Fuß befindet sich hinter dem rechten, und die Ferse des linken Fußes ist dabei ungefähr zwei Fingerbreit angehoben.

Die Faszination von Kendo besteht für Kopp darin, „völlig bescheiden eine über-persönliche Kraft zu entwickeln und trotzdem nicht die Würde des Gegners zu nehmen“. Nicht denken lautet für ihn eine Zauberformel.

„Es ist eine gute Schule für die Seele, weil man seine Sorgen in dem Augenblick vergessen kann“, berichtet Hartmut Haselau. Der 67-Jährige ist begeistert vom Training und fühlt sich danach belebt und geistig erfrischt.




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