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Tierschützer Maximilian Kopp sieht sich nicht nur beim Thema Corona von der Politik allein gelassen

„Staat lässt uns langsam verhungern“

NAMMEN. Für Maximilian Kopp stellt der zweite Lockdown, von der Politik und den Medien verschämt als „Lockdown light“ tituliert, das schlimmstmögliche Déjà-vu dar: Schon einmal, im März und April diesen Jahres, als Geschäfte, Freizeiteinrichtungen und Grenzen geschlossen waren und sich die Menschen nur in extrem begrenzten Rahmen überhaupt treffen durften, bekam der Tierschützer, Schafzüchter und Kleinunternehmer aus Nammen die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie mit voller Wucht zu spüren. Zwar kann er bis heute glücklicherweise ungefährdet seinen Hauptberuf als Tierpfleger ausüben, doch seinem zweiten beruflichen Standbein, einem Betreuungs- und Gassigeh-Service für Hunde, sind wie damals erneut sämtliche Aufträge weggebrochen. Und damit wichtige Einnahmen, die der 30jährige dringend zur Versorgung seiner zahlreichen vierbeinigen Schützlinge benötigt.

veröffentlicht am 01.12.2020 um 12:41 Uhr
aktualisiert am 03.12.2020 um 10:03 Uhr

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Knapp 40 Schafe und Ziegen umfasst derzeit die Herde von Vierbeinern, von denen Maximilian Kopp viele aus desolaten Verhältnissen oder vor dem sicheren Tod gerettet hat. 17 gescheckte Bergschafe sind darunter: Die Rasse wird auf Grund ihrer Seltenheit seit Jahren von der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) auf der roten Liste gefährdeter Nutztierrassen geführt. Unverkennbar durch ihre schlanken Spitzohren sind die fünf Border Leicester Schafe, eine aus Großbritannien stammende, ebenfalls sehr seltene Schafgattung, die daher auf der Beobachtungsliste des britischen Rare Breeds Survival Trusts aufgeführt ist. Aus einem norddeutschen Tierpark übernahm Maximilian Kopp kürzlich zwei Walliser Schwarzhalsziegenböcke, eine aus der Schweiz stammende Ziegenart, die oft auch als „Gletschergeis“ bezeichnet wird. Die beiden Böcke, die inzwischen auf die Namen Mozart und Beethoven hören, hätten sonst ihr Leben als Raubtierfutter beendet.

Doch noch mehr als je zuvor sieht Maximilian Kopp für sich und seine Tiere in eine düstere Zukunft. Denn seinem Kleinunternehmen, aus dessen Einnahmen er größtenteils die Versorgung seiner Schafe und Ziegen finanziert, fehlen nach einer vorsichtigen Erholung während der Lockerungen in den Sommermonaten erneut sämtliche Einnahmen: Seine potentiellen Kunden, Hundebesitzer mit wenig Zeit oder vielen Reiseambitionen, sind auf einmal alle wieder an ihr Zuhause gefesselt, entweder im Home Office, in Kurzarbeit oder sogar in Quarantäne, so dass niemand mehr seinen Hund in Pflege oder Betreuung geben will. Durch das Veranstaltungsverbot ist Maximilian Kopp eine weitere wichtige Einnahmequelle verloren gegangen: Schon seit Jahren zählen er und seine Schafe, Gänse und Ziegen zu den Attraktionen bei der Landpartie und beim Weihnachtszauber auf Schloss Bückeburg. Gerade seine „lebende Weihnachtskrippe“ war in den letzten beiden Jahren beim Weihnachtszauber ein Publikumsmagnet. Beide Großveranstaltungen auf Schloss Bückeburg fielen jedoch in diesem Jahr der Corona-Pandemie zum Opfer. Auf staatliche Unterstützung seines Kleinunternehmens braucht der Nammer jedoch nicht zu hoffen: „Ich mache es nicht hauptberuflich, daher kriege ich nichts.“

Doch neben der Corona-Pandemie sieht sich Maximilian Kopp auch noch bei einem zweiten Thema von Staat und Politik bitterlich im Stich gelassen:

4 Bilder
Auch Schafe wollen geknuddelt werden. Foto: jp

Der Wolfsgefahr. Fünf Wölfe sind es nach neuesten Erkenntnissen, die den heimischen Bereich durchstreifen und daher seinen Tiere gefährlich werden könnten. Die Folge: Maximilian Kopp kann seine Ziegen und Schafe nachts nicht mehr auf der Weide lassen, sondern muss sie nach Hause holen - und dort auch füttern, statt sie weiter grasen zu lassen. „Und das kostet wiederum Geld, das ich eigentlich nicht habe.“ Finanzielle Unterstützung für einen Wolfsschutzzaun gäbe es erst dann, wenn Maximilian Kopp bereits Schäden durch Wolfsrisse erlitten hätte. Doch so weit will er es auf keinen Fall kommen lassen: „Soll ich denn meine Schafe hier öffentlich als Opfer anbieten: Wenn es hier einmal ein Rudel Wölfe über den Zaun schafft, ist meine ganze Herde auf einen Schlag ausgelöscht.“ Sein bitteres Fazit: „Der Staat lässt uns hier langsam aber sicher verhungern.“

Wer Maximilian Kopp und seinen Tieren helfen möchte, kann das weiterhin durch eine Tierpatenschaft tun. Zu erreichen ist der Tierschützer über sein Facebookprofil https://www.facebook.com/maximilian.kopp.756




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