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Schneeflocken vor den Fenstern

Surreal anmutende Momente bei Schuberts „Winterreise“

BÜCKEBURG. Eine mit lang anhaltendem Beifall honorierte Interpretation von Franz Schuberts „Winterreise“ haben Sven Erdmann und Manolis Stagakis im Festsaal der Musikschule Schaumburger Märchensänger präsentiert.

veröffentlicht am 11.03.2019 um 14:47 Uhr
aktualisiert am 11.03.2019 um 18:50 Uhr

Sven Erdmann (links) und Manolis Stagakis im Festsaal der Musikschule Schaumburger Märchensänger. Foto: bus
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Autor

Herbert Busch Reporter
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Der Bariton und der Akkordeonist erwiesen sich als ausgesprochene Könner ihrer Fächer und überzeugten das aufmerksam lauschende Publikum vor allem durch ihr fein aufeinander abgestimmtes Zusammenspiel.

Erdmann, der zunächst Violine studierte, dann zur Oper wechselte und zurzeit den Oratoriengesang als seinen künstlerischen Schwerpunkt bezeichnet, verfügt über eine sehr ausdrucksstarke Stimme, die sowohl kraftvolle Passagen als auch zarte Sequenzen zu meistern weiß. Stagakis, der vor kurzer Zeit die musikalische Leitung der Märchensänger übernommen hat, stellte eindrucksvoll sein Geschick im Umgang mit Tasteninstrumenten unter Beweis.

Der Gewinner internationaler Wettbewerbe begleitete seinen Gesangspartner auf einem Bajan. Diese osteuropäische Version des chromatischen Knopfakkordeons unterscheidet sich vom herkömmlichen Akkordeon hinsichtlich der Ausführung des Gehäuses und der Montage der Stimmzungen.

Schuberts ursprünglich für Singstimme und Klavier komponierter Zyklus beschäftigt sich in 24 Liedern mit Gedichten des Poeten Wilhelm Müller. Die Verse waren 1822 in der wegen ihrer kritischen Haltung verbotenen Literaturzeitschrift „Urania“ erschienen; Schubert hatte sie sich illegal beschafft. Die Vertonung nahm der Komponist 1827, ein Jahr vor seinem Tod, in Angriff.

Das Resultat gilt als einer der wichtigsten Liederzyklen der Musikgeschichte. Er zeichnet das Bild eines Wanderers, dessen Hoffnungslosigkeit und Todessehnsucht in der Begegnung mit dem Leiermann münden – „keiner mag ihn hören, / keiner sieht ihn an, / und die Hunde knurren / um den alten Mann“.

Das Musikschulauditorium erlebte während der Aufführung beinahe surreal anmutende Momente. Etwa in der Mitte der „Reise“ schaute der Winter für zahlreiche Zuhörer überraschend tatsächlich vorbei. Vor den Fenstern tanzende Flocken kommentierten die Texte – „Schnee, du weißt von meinem Sehnen, / sag, wohin doch geht dein Lauf. / Folge nach nur meinen Tränen, / dann nimmt dich bald das Bächlein auf“ – auf nahezu unwirkliche Art und Weise.




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