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Portaner Michael Dickmann betreibt Tractor-Pulling / Zwei Panzermotoren mit Kompressor

„Total crazy“ – Treckerfahren mit 5000 PS

Porta Westfalica (ly). An einen Trecker erinnert das chromblitzende Gefährt von Michael Dickmann nur noch entfernt. Zwei offen liegende V-12-Panzermotoren, aufgeblasen durch einen Kompressor, leisten zusammen 5000 PS. Der Hubraum: 60 Liter. So weit die nackten Zahlen.

veröffentlicht am 25.02.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 09.11.2016 um 08:21 Uhr

Wenn Dickmann in seiner feuerfesten Rennfahrer-Montur ins Cockpit geklettert ist und den Gashebel nach vorne schiebt, bricht die Hölle los, begleitet von infernalischem Lärm. Mindestens einen Meter heben die schmalen Vorderräder vom Boden ab, während die gewaltigen Hinterreifen mit 130 Stundenkilometern durchdrehen und sich schließlich im Lehm verbeißen. Im Rücken hat Dickmanns Trecker dabei tonnenweise Gewicht.

„Das ist ein Gefühl

von Freiheit“

„Das ist ein Gefühl von Freiheit“, schwärmt der gelernte Landmaschinenschlosser aus Hausberge (Porta Westfalica) von dem Moment, wenn er Vollgas gibt. „Der Traktor beschleunigt wie ein Tier. Für diese Art Motorsport muss man nicht ein bisschen verrückt sein, sondern total crazy.“ Profil haben die Hinterreifen kaum, denn Stollen würden sich in Luft auflösen.

Was Michael Dickmann betreibt, heißt Tractor-Pulling und kommt aus den USA. Bei diesem Zugkraftwettbewerb in diversen Klassen geht es darum, wer auf einer 100-Meter-Bahn am weitesten kommt. Das wäre kein Problem, doch die Traktoren müssen einen Bremswagen mit bis zu 24 Tonnen Gewicht ziehen. Dieser hat die unangenehme Eigenschaft, immer schwerer zu werden, je weiter er geschleppt wird, was an einer speziellen Konstruktion liegt.

Mit seinem 5000-PS-Trecker (5,4 Tonnen schwer) fährt Dickmann in der Königsklasse. Bei der Deutschen Meisterschaft haben er und das Team „Flying Hawk“ bisher viermal Rang drei belegt. Dieses Jahr wird technisch aufgerüstet, um einen Platz weiter vorne ins Visier zu nehmen.

Es geht aber auch ’ne Nummer kleiner: Sport-Traktor Nummer zwei fährt in der mittleren Klasse, wiegt 3,5 Tonnen, hat lediglich ein Zwölfzylinder-Triebwerk aus dem US-Panzer M 48 und kommt auf 2500 Pferdestärken, was immer noch alles andere als untermotorisiert ist. Im Rennen erreichen die Motoren 4000 Umdrehungen pro Minute. Beide Fahrzeuge sind Eigenbauten aus Teilen von Radladern und Lastwagen. Das geht ins Geld, Sponsoren sind willkommen.

Explosionsartig

auf Tempo 16!

Getankt wird Methanol, bloß zum Start nimmt man Benzin. Explosionsartig schießt der Trecker dabei aus der Startaufstellung. Dass am Ende nur Tempo 16 erreicht wird, spielt keine Rolle. Wegen der durchdrehenden Hinterräder und des Getöses kommt es den Piloten viel schneller vor. Michael Dickmann sitzt im Hinterzimmer seiner Werkstatt, die irgendwo im Kreis Nienburg liegt, und deutet auf ein Bild an der Wand. Es zeigt ihn im Januar 2005 als Gaststarter bei einem Hallenrennen in Rotterdam. Die Hinterräder haben noch Bodenkontakt, der Rest des Treckers steht quer in der Luft. „Das war bisher der beste Ritt“, sagt Dickmann.

Bei Minusgraden im Freien hatte der Hausberger seinen Traktor mit einem Heizgebläse befeuert. Weil zudem die Bahn für einen Untergrund aus Lehm Haftung ohne Ende bot, ging es richtig ab. Die Zuschauer trauten ihren Augen nicht. „Ohne Gewicht würde der Traktor in einer Sekunde von 0 auf 130 beschleunigen“, schätzt Michael Dickmann. „Wie ein Dragster.“

Ins Team „Flying Hawk“ eingespannt ist die ganze Familie. Michael, sein Bruder Christian und Vater Karlheinz fahren, der Portaner Karl-Heinz Herdegger betätigt sich als Schrauber, und die Frauen ziehen ebenfalls mit. Den Saisonstart Ende März in Weseke (Münsterland) können alle kaum erwarten. Zehn Läufe stehen auf dem Programm.

Für Anfänger empfiehlt sich übrigens die Garden-Klasse mit umgebauten Rasenmäher-Treckern. Die leisten dann nur 500 PS.

www.flyinghawk.de

www.tractorpulling.de




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