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Auch Anlieger wie Hofkammer und Prinz York gegen Multifunktionsanlage am Adolfinum

Unglückliche Platzwahl

BÜCKEBURG. „Grundsätzlich befürworten wir eine solche Multifunktionsanlage. Sie ist ein Angebot für Jugendliche, sorgt dafür, dass sie sich treffen können, Sport treiben und keinen Unsinn machen. Nur: Die Platzwahl ist sehr unglücklich für uns.“ Die das —sinngemäß – sagen, sind York Prinz zu Schaumburg-Lippe, ein Cousin des Fürsten, und Jürgen Pape, bei der Fürstlichen Hofkammer zuständig für Immobilien und Liegenschaften.

veröffentlicht am 03.01.2019 um 12:51 Uhr
aktualisiert am 03.01.2019 um 18:40 Uhr

So stellt sich der Investor York Prinz zu Schaumburg-Lippe die Bebauung des ehemaligen Sauna-Geländes zwischen Denkmalplatz und Adolfinum vor. Foto: pr
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Raimund Cremers Redakteur zur Autorenseite
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BÜCKEBURG. Grundsätzlich befürworten wir eine solche Multifunktionsanlage. Sie ist ein Angebot für Jugendliche, sorgt dafür, dass sie sich treffen können, Sport treiben und keinen Unsinn machen. Nur: Die Platzwahl ist sehr unglücklich für uns. Diejenigen, die das – sinngemäß – sagen, sind York Prinz zu Schaumburg-Lippe, ein Cousin des Fürsten, und Jürgen Pape, bei der Fürstlichen Hofkammer zuständig für Immobilien und Liegenschaften.

Beide sind direkte Anlieger der Multifunktionslage auf dem Areal des Gymnasiums Adolfinum. Prinz York hat kürzlich das Gelände der ehemaligen Sauna Zank gleich neben dem Denkmalplatz erworben, um dort ein Wohngebäude mit exklusiven Eigentumswohnungen zu errichten. Die Fürstliche Hofkammer betreibt ebenfalls in unmittelbarer Nähe des Denkmalplatzes und neben der Schule seit Jahren einen Wohnmobilplatz, errichtet übrigens in enger Abstimmung mit der Stadt. Kurz vor Weihnachten war der Bau der Multifunktionsanlage zum zweiten Mal von der Gesamtkonferenz der Schule mit sehr großer Mehrheit abgelehnt worden (wir berichteten). Eine Ablehnung, der sich sowohl Prinz York als auch die Hofkammer anschließen können.

Wie Jürgen Pape, Prinz York und seine mit der Vermakelung der Wohnungen beauftragte Immobilienfachfrau Ulrike Moelle-Blase im Rahmen eines Pressegesprächs sagten, würde nicht nur das Adolfinum Nachteile durch die Anlage befürchten, sondern auch sie. Durch die Lärmbelästigung könnten die künftigen Bewohner des Wohngebäudes betroffen sein.

Wäre es nach den Willen von Stadt und Politik gegangen, hätte hier am Adolfinum die Multifunktionsanlage entstehen sollen. Foto: rc
  • Wäre es nach den Willen von Stadt und Politik gegangen, hätte hier am Adolfinum die Multifunktionsanlage entstehen sollen. Foto: rc

Auch die Wohnmobilisten könnten sich durch den Lärm gestört fühlen, so Pape. „Das spricht sich schnell herum in Wohnmobilistenkreisen“, sagte Pape, selbst oft mit seinem Wohnmobil unterwegs. Durchschnittlich verzeichne die Hofkammer rund 4000 Übernachtungen pro Jahr auf dem Platz, Übernachtungsgäste, die nach der gängigen Durchschnittszahl rund 200 000 Euro Kaufkraft in die Stadt bringen. Beide plädierten daher dafür, dass sich die Stadt auf die Suche nach einem neuen Standort begeben müsse: „Wir sehen durchaus noch Lösungsmöglichkeiten an anderen Stellen der Stadt.“

Nach Angaben von Prinz York sind die Vorgespräche mit Bauamt, Denkmalschutz- und Naturschutzbehörde zur Errichtung der Villa mit Penthäusern und Eigentumswohnungen in unmittelbarer Nähe von Denkmalplatz und Schlossareal bereits weit gediehen. Er rechne damit, dass im Sommer 2019 Baubeginn sein könne. Denkmalplatz und der Bereich drum herum bleiben auf jeden Fall öffentlich und zugänglich und würden in die Gesamtplanungen einbezogen, trat der Prinz entsprechenden Befürchtungen der Bevölkerung entgegen. Er habe der Stadt angeboten, die Pflege des Denkmalplatzes zu übernehmen. Eigentümer des Platzes ist die Hofkammer.

Es gebe Auflagen der Denkmalschützer zur Gestaltung und Anbindung des Neubaus, so Prinz York weiter. Die historische Entwicklung des Bereichs werde beachtet. Auch die Belange des Naturschutzes würden berücksichtigt und entsprechende Bestandserhebungen und Zählungen durchgeführt. So seien seit August 13 500 Bewegungen auf dem Gelände gezählt worden, Nistungen seltener Arten im Baumbestand nicht festgestellt worden. York Prinz zu Schaumburg-Lippe: „Wir werden mit allem behutsam umgehen und auf das Gleichgewicht achten.“

Den Aufstellungsbeschluss für die notwendige Änderung des Bebauungsplans hat der Bau- und Umweltausschuss in seiner Sitzung im September 2018 beschlossen. Unumstritten ist das Vorhaben nicht: Es gab zwei Nein-Stimmen, aber mit fünf Ja-Stimmen „ein grundsätzliches Signal für den Investor“.




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