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Gescheiterte Praxisübernahme in Bückeburg hat Nachspiel vor dem Amtsgericht Hannover

Unterlage und Zeugnisse gefälscht

BÜCKEBURG/HANNOVER. Die gescheiterte Übernahme der Praxis des Allgemeinmediziners Dr. Helmut Warnecke Ende März dieses Jahres durch einen anderen Mediziner hat jetzt ein Nachspiel vor dem Amtsgericht Hannover gehabt. Der Arzt Oliver S. hatte sich dort wegen Urkundenfälschung zu verantworten. Er muss eine Geldstrafe von 4900 Euro (70 Tagessätze) zahlen, wie der Amtsrichter befand.

veröffentlicht am 12.11.2018 um 13:18 Uhr
aktualisiert am 12.11.2018 um 17:20 Uhr

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BÜCKEBURG/HANNOVER. Die gescheiterte Übernahme der Praxis des Allgemeinmediziners Dr. Helmut Warnecke Ende März dieses Jahres durch einen anderen Mediziner hat jetzt ein Nachspiel vor dem Amtsgericht Hannover gehabt. Der Arzt Oliver S. hatte sich dort wegen Urkundenfälschung zu verantworten. Er muss eine Geldstrafe von 4900 Euro (70 Tagessätze) zahlen.

Nach einem Bericht der „Neuen Presse“ war der Mediziner der Verhandlung ferngeblieben. Er hatte sich krankschreiben lassen. Der Amtsrichter erließ einen Strafbefehl, der noch nicht rechtskräftig ist. Aus Sicht des Richters habe ausreichender Verdacht bestanden, dass der Mann ein Schreiben der Ärztekammer Niedersachsen gefälscht habe. In diesem Schreiben vom September 2017 wurde Oliver S. der Eingang seiner Unterlagen zur Facharztprüfung bestätigt.

Laut Anklage benötigte er diese Unterlagen damals, um die Arztpraxis in Bückeburg übernehmen zu können (wir berichteten). Da die Zeit drängte, habe Oliver S. nicht mehr abgewartet, bis ihm die Ärztekammer den Empfang der Unterlagen quittierte. Das sei erst am 31. Januar 2018 der Fall gewesen. Des Weiteren habe der Angeklagte weitere Zeugnisse von Krankenhäusern gefälscht, berichtet die „Neue Presse“ weiter. So sei die Benotung der Arbeitsleistungen zugunsten des Arztes verändert worden. In anderen Zeugnissen soll Oliver S. auch die Zahl der Behandlungen und Beschäftigungszeiten nach oben geschraubt haben.

Laut Auskunft seines Anwalts arbeitet der Angeklagte derzeit als Notarzt. Die Ärztekammer hat keine Kenntnisse über seine jetzige Tätigkeit. Der Niedersächsische Zweckverband zur Approbationserteilung werde nun prüfen, ob Oliver S. weiter als Arzt arbeiten darf, teilte ein Sprecher der Ärztekammer mit. Doch dazu muss der Strafbefehl erst einmal rechtskräftig werden.

Die gescheiterte Übernahme der renommierten Praxis mit ihren 1300 bis 1500 Fällen pro Quartal hatte seinerzeit hohe Wellen in Bückeburg geschlagen. Die Praxis musste zum 1. April geschlossen werden, weil so kurzfristig kein weiterer Nachfolger gefunden werden konnte. Patienten befürchteten, dass sie nicht mehr versorgt werden könnten, weil andere Bückeburger Arztpraxen zum Teil bereits einen Aufnahmestopp verhängt hatten. Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsens verwies darauf, dass laut der Bedarfsplanung im Mittelbereich Bückeburg der Versorgungsgrad bei etwa 100 Prozent liegt – unter Herausrechnung der Warnecke-Praxis.rc




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