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Junge Adolfiner bringen gleich drei Stücke auf die Bühne / Schüler setzten eigene Ideen gekonnt um

Vier Stunden Theater, 50 Mimen, voller Erfolg!

Von Michael Grundmeier

veröffentlicht am 09.02.2009 um 17:54 Uhr
aktualisiert am 09.11.2016 um 10:41 Uhr

Bückeburg. Theater satt am Adolfinum: Mit viel Engagement und Können haben Schüler des Gymnasiums Adolfinum ein fast vierstündiges – dabei immer kurzweiliges – Theaterfest gestaltet. Die Bückeburger Saturnalien umfassten eine Tragödie des achten Jahrgangs („Jus Primae Noctis“), eine Komödie des siebten Jahrgangs („Die Grenze ist der Gartenzaun“) und das abschließende Satyrspiel.

Ein halbes Jahr Unterricht und eine Generalprobe am Wochenende genügten den Schülern des WPK Darstellendes Spiel (siebter und achter Jahrgang), um das rundum gelungene Fest vorzubereiten.

Großes Lampenfieber

Über 50 Schauspieler waren insgesamt beteiligt, etliche Schüler halfen hinter der Bühne. Angeleitet wurde der Schauspiel-Nachwuchs von Studiendirektor Johannes Seiler. „Die Schüler haben trotz Lampenfieber sehr gut gespielt“, freute sich Seiler, der selbst lange Jahre als Schauspieler tätig war. Der Unterricht im WPK Darstellendes Spiel sieht sowohl theoretische als auch praktische Elemente vor. Die Schüler lernen die Theatergeschichte kennen, üben sich in der Improvisation und entwickeln Rollenbiografien. „Theater ist eine lehrreiche schulische Veranstaltung“, so Seiler. „Sich auszuprobieren und Ideen zu entwickeln ist gerade für junge Leute wichtig.“

Auch die Tragödie „Jus Primae Noctis“ haben die Schüler des achten Jahrgangs nach eigenen Ideen entwickelt. Eine Vorlage bildete Schillers „Bürgschaft“, mit dem sich der Kurs schon zuvor beschäftigt hatte. „Und so spielten wir uns über Improvisationsübungen an die Story und die Rollen heran, schrieben Texte, erfanden Rollenbiografien, und nach und nach entstand tatsächlich eine mörderische Tragödie in fünf Akten – und wie im Hamlet sollte am Ende der Schrecken seine Triumphe feiern“, erklären die Schauspieler ihre „Fortsetzungsgeschichte“. Bühne und Schauspieler wurden mit viel Liebe zum Detail ausgestattet, die Dekoration (ein Schwert aus Rohren, Alltagskleidung) orientierte sich an einer modernen Aufführungspraxis. Überraschend für viele der Zuschauer: wie gut es den Akteuren gelang, sich in ihre Rollen einzufühlen. Ein Beispiel für viele: David Kolata als später gestürzter Tyrann. Mit Verve und höhnischem Gelächter spielte er den Despoten, der von der schönen Helena das „Recht der ersten Nacht“ forderte.

Strafe folgt auf dem Fuße

„Wie heißt sie, Helena? Dann heiße ich jetzt Paris“. Die Strafe folgte auf dem Fuß: Der Despot wurde von der eigenen Wache getötet. Trotz des Tyrannenmords; ein Happyend hat die finstere Geschichte nicht. An der Macht sind nun Gestalten, die getötet und gespitzelt haben. „Das ist schlimmer als früher“, so ein Mann aus dem Volk.

Nach der „Härte des tragischen Schlusses“, folgt in „Die Grenze ist der Gartenzaun“ die „komische Befreiung“. Zur Entstehungsgeschichte schreiben die Schüler des siebten Jahrgangs: „Ideen für ein Stück gab es bald jede Menge, wir spielten uns in Improvisationsübungen an mögliche Figuren und Szenen heran und bald wurde klar, wir erfinden eine Komödie: ein Streit zwischen zwei sehr unterschiedlichen Familien mit Entführung und Mordplänen und natürlich auch mit einer Straßengang.“ Hört sich erst einmal eklektisch an, ist aber gelungen.

Die Komödie der Adolfiner, irgendwo zwischen „Romeo und Julia“, „Picket Fences“ und „Tatort“, war zum Schreien komisch. Es gab einen Publikums-Joker und Günther Jauch, viel Tumult und gekonnten Slapstick.

Insgesamt: ein Angriff auf Daily Soaps und die Lachmuskeln. Fazit für beide Teile plus Satyrspiel zum Abschluss: großartige Stücke, tolle Einfälle, gute Schauspieler – hoffentlich bald wieder!

Noch freuen sie sich: Ein Bote des Tyrannen gratuliert zur Hochzeit. Später folgt die traurige Nachricht: Der Tyrann beansprucht für sich das Recht der ersten Nacht mit der schönen Helena.

Die alte Mutter (Jana Morgenthaler) und der Tyrann (David Kolata).

Fotos: mig




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