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Leser-Aktion ermöglicht außergewöhnliche Blicke hinter die mächtigen Mauern von Schloss Bückeburg

„Was Sie sehen, sieht sonst nur der Fürst!“

Bückeburg (bus). Blicke hinter die mächtigen Mauern von Schloss Bückeburg, die gewöhnlichen Besuchern zumeist verwehrt bleiben, haben Leser im Rahmen der Sommeraktion unserer Zeitung werfen können. „Was Sie heute sehen, ist sonst nur der Fürstenfamilie und einem ausgesuchten Personenkreis vorbehalten“, erklärte Schlossführer Klaus Kroitsch gleich zu Beginn der mehr als anderthalb Stunden dauernden Führung. „Normalerweise darf man hier gar nicht rein“ gab der sympathische Gästebetreuer den Besuchern eingangs der vom Eiskeller bis hoch zur Turmuhr reichenden Tour zu verstehen.

veröffentlicht am 08.08.2012 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 22:41 Uhr

In diesem Moment hatten unsere Leser das erste „Eintritt verboten“-Schild bereits passiert. Wenige Schritte dahinter gab ein kleiner Innenhof die Sicht auf ein früher als Eiskeller genutztes Gewölbe frei, in dem dereinst die im Winter aus der Schlossgraft gestochenen Eiswürfel lagerten. „Von dieser Vorratshaltung profitierten auch die Bewohner der Stadt, die ein Fuder Eis zum Preis von etwa sieben Groschen kaufen konnten“, erläuterte Kroitsch, der den Teilnehmern nicht nur außergewöhnliche Einblicke ermöglichte sondern ihnen auch jede Menge Detailwissen vermittelte.

Wie etwa eine Antwort auf die Frage, ab wann ein Schloss eigentlich als solches bezeichnet werden kann. „Im Grunde genommen ist ein Schloss erst ein Schloss, wenn es über ein Treppenhaus verfügt“, legte der Experte dar. „Treppenhäuser gab es erst ab der Barockzeit, vorher hatte man Wendelsteine.“ Über einen solchen Wendelstein – Kroitsch: Das ist jetzt reinstes Mittelalter – führte die Reise zu einer weiteren Verbotsmarkierung.

Hinter einer dicken gelben Absperrkordel ging’s hinauf zur Waffenkammer, wo der Gästeführer ein wenig aus dem sonst an den Tag gelegten freundlichen Plauderton fiel. „Hier dürfen tatsächlich keine Fotos gemacht werden. Ich bitte Sie, dieses Verbot einzuhalten.“ Zwischen Säbeln, Sammlerstücken und Sattelschonern lenkte Kroitsch die Aufmerksamkeit auf „Wunderwaffen“ wie eine Winchester aus dem Jahr 1873, einen Vorläufer des heutigen Maschinengewehrs oder ein extrem langläufiges Gewehr aus dem Arsenal von König Wilhelm I.

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Diesem wurde wegen der von ihm rekrutierten „Langen Kerls“ bekanntermaßen ein kleiner Tick nachgesagt. Aber: „Seinerzeit schoss ein von einem normalgroßen Schützen abgefeuertes Gewehr etwa 200 Meter weit. Die Langen Kerls konnten mit Wilhelms Infanteriewaffe 50 Meter weiter schießen“, klärte der Fachmann auf. Was von kolossaler Wirkung gewesen sei. „Der König hätte in dem Moment jeden Krieg gewonnen.“

Im Anschluss an die Waffenkammerinspektion wurde die LZ/SZ-Unternehmung noch etwas abenteuerlicher. „Bewegen Sie sich ganz vorsichtig und langsam und suchen Sie immer irgendwo einen festen Halt“, legte der Gastgeber den Besuchern ans Herz. Der Ratschlag galt einer verwinkelten Stiege, die zuerst in die frühere Wohnung des Türmers und danach ins Obergeschoss des um die 700 Jahre alten Schlossturmes führte.

Während die Türmerstube insbesondere wegen der ungewöhnlichen Ausblickperspektiven von Interesse war, faszinierte im „Oberstübchen“ vor allen Dingen ein anno 1896 von der „Thurm-, Hof- und Eisenbahn-Uhren-Fabrik J. F. Weule zu Bockenem, Provinz Hannover“ gelieferter Großchronometer. Die faszinierende Technik läuft nach wie vor wie am Schnürchen. „Nur das einmal pro Woche notwendige Aufziehen, wenn die schweren Gewichte mit einer langen Eisenkurbel hochgedreht werden müssen, ist eine rechte Plackerei“, teilte Kroitsch mit. Er sei einmal mit dieser Aufgabe betraut gewesen – „hoffentlich nie wieder“.

Zurück auf den für jedermann zugänglichen Schlossebenen setzte der Führer seine Gäste im Trauzimmer über etliche Interna in Kenntnis. Etwa, dass auf Schloss Bückeburg Jahr für Jahr ein Kostenberg von rund 800 000 Euro zu bewältigen sei. „Nur Schloss Neuschwanstein kann von seinen Besuchern leben, alle anderen müssen sich etwas einfallen lassen“, unterstrich Kroitsch. In Bückeburg gebe es daher regelmäßig Veranstaltungen wie Landpartie, Weihnachtszauber, Ährensache, Konzerte und Aufführungen.

Einnahmen würden zudem mit Einrichtungen wie dem im Harrl angelegten Ruheforst erzielt. Beim Thema „ewige Ruhe“ kam der Fachmann einem Gästewunsch nach und ergänzte deren Sommerabenteuer spontan um einen Besuch der Schlosskapelle. Eine Herzensangelegenheit sozusagen. Auf den alten Marmor-Bodenfliesen sind überall goldene Kreuze zu erkennen. Sie symbolisieren darunter in silbernen Kästchen bestattete Herzen von Familienmitgliedern des Fürstenhauses. „Die mit Fürstin Juliane begonnene Herzbestattung nahm in etwa ihr Ende, als im Schlosspark das große Mausoleum fertiggestellt worden war“, zeigte Kroitsch auf. Das Mausoleum... – aber das würde den hier zur Verfügung stehenden Rahmen sprengen und könnte einer der Treffpunkte der Sommeraktion 2013 werden.

Hinter der gelben Absperrkordel geht es hinauf zur Waffenkammer und zur Turmuhr.

Fotos: bus




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