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Cammeruner können bald nicht mehr in Frille zur Schule, dafür nach Evesen oder Meinsen?

Welche Schüler gehen wohin?

Bückeburg. In der Bückeburger Schullandschaft wird es „eine Menge Bewegung“ geben. Grund ist die demografische Entwicklung bei den Schülerzahlen, die insbesondere die vier städtischen Grundschulen in Bedrängnis bringen. Weniger die beiden Grundschulen in der Kernstadt, wo die Drei- beziehungsweise Zweizügigkeit auf absehbare Zeit gesichert ist. Und noch nicht die Grundschule in Evesen, wo die Schülerzahlen – noch – für die Zweizügigkeit ausreichen. Anders sieht es dagegen an der Grundschule in Meinsen aus, wo nach den vorliegenden Einwohnerzahlen 2016/2017 die Gefahr droht, dass eine sogenannte Kombiklasse aus dem 1. und 2. Schuljahrgang gebildet werden muss. Nun droht auch noch Ungemach von nordrhein-westfälischer Seite. Dort kann es nach dem Schulentwicklungsplan 2018 zur Schließung der Grundschule in Frille kommen, der Schule, in der bisher die Kinder aus Cammer unterrichtet werden: 22 nach dem Stand 2013. Was nun die Politik vor die Frage stellt: Wo sollen die Cammeruner Kinder künftig beschult werden, um die eigenen Schulstandorte langfristig zu sichern? In Evesen? In Meinsen? In Lahde, der Hauptstelle der Grundschule Frille? Oder gar die Schließung eines Schulstandortes?

veröffentlicht am 07.03.2014 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 23:21 Uhr

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Entsprechendes Interesse fand daher am Mittwochabend eine Sitzung des Schulausschusses des Rates der Stadt Bückeburg, der unter dem Tagesordnungspunkt „Künftige Beschulung der Grundschulkinder aus dem Ortsteil Cammer“ das Thema im Detail, aber auch im Grundsätzlichen diskutierte. Um es vorweg zu nehmen: Empfehlungen wurden an diesem Abend nicht ausgesprochen, sondern das Thema zur weiteren Beratung in die Fraktionen verwiesen. Damit wird das Verfahren für ein Gesamtkonzept in Gang gebracht, wie es Bürgermeister Reiner Brombach formulierte. In drei bis vier Monaten sollen Entscheidungen vorliegen. Falls die Entscheidungsfindung länger dauert – und das deutet sich an – gebe es nicht unbedingt einen Grund zur Eile, da Verträge mit der Stadt Petershagen zur Beschulung der Cammeruner auch noch 2015 gekündigt werden können. Über 30 Eltern waren zur Sitzung gekommen, überwiegend aus Cammer.

„Wir müssen eigeninitiativ werden und vorausschauende Entscheidungen für die Bückeburger Schulen finden“, machte Bürgermeister Reiner Brombach zu Beginn der Sitzung klar. In der Stadt Petershagen sei der vorgelegte Schulentwicklungsplan zwar aufgehoben worden, der die Schließung der Grundschule Frille für 2018 vorsieht. Nach dem nordrhein-westfälischen Schulgesetz sollen aber ab 2015 einzügige Grundschulen geschlossen werden. Wohin dann mit den Cammeruner Kindern?

Ratsherr Axel Wohlgemuth (CDU), wohnhaft in Cammer, machte sich für seine Cammeruner stark. Mit der Kündigung des Schulvertrags werde der Elternwille in Frage gestellt. Die Kinder seien durch Kindergarten und Kirche, die beide auch in Frille sind, auch nach der Schule eng miteinander verbunden: „Wir dürfen keine Entscheidung treffen, die mit Geld begründet ist.“ Applaus der Eltern.

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Grundschule Evesen: derzeit 136 Schüler in acht Klassen.

In die gleiche Kerbe haute Ortsbürgermeister Hans-Georg Terner, der auch auf die Problematik hinwies, dass viele Cammeruner Kinder weiterführende Schulen in Nordrhein-Westfalen besuchen. Es werde Schwierigkeiten mit unterschiedlichen Ferienterminen geben, sollten die Cammeruner Kinder in Niedersachsen beschult werden. Und: „Wie sollen die Kinder nach Bückeburg oder Stadthagen kommen. Es fährt kein Bus.“ Es sei ein durchgängiges Konzept erforderlich, Elternbefragungen und Elternabende müssten durchgeführt werden. „Das alles ist ein K.O.-Kriterium“, spielte Terner darauf an, dass Cammer quasi ein Schlafort vieler Nordrhein-Westfalen ist, die in Minden oder anderen Städten der Umgebung arbeiten.

„Wir dürfen nicht die Augen verschließen“ mahnte Ratsherr Wolfhard Müller (SPD), seines Zeichens Bewohner des Ortsteils Evesen. Auch die Grundschule Evesen gehe auf die Einzügigkeit zu. Im Mittelpunkt müsse daher stehen, was die Stadt mit ihren eigenen Grundschulen mache. Wo der Bürgermeister darauf hinwies, dass es insbesondere am Standort Meinsen zu Problemen kommen werde. „Aus Sicht der Verwaltung wäre die langfristige Sicherung einer durchgängig einzügigen Schule durch eine Erhöhung der Schülerzahlen wünschenswert“, heißt es dazu in der Verwaltungsvorlage. Auch die Grundschule Evesen werde sich mit dem Problem der sinkenden Schülerzahlen auseinandersetzen müssen, Kombiklassen wie eventuell in Meinsen müssten dort aber nicht gebildet werden.

Brombach: Die Vorlagen seien nun im politischen Raum. Dort müsse diskutiert und Entscheidungen erarbeitet werden.

Was im Verlauf der Sitzung nicht gesagt wurde, ist, dass es bereits ein Denkmodell in der Politik gibt, wie die künftige Schullandschaft aussehen könnte. Der Vertrag für die Cammeruner Kinder zur Beschulung in Frille wird gekündigt und die Cammeruner Kinder künftig in Evesen beschult, um den dortigen Schulstandort zu stärken. Der ohnehin auf der Kippe stehende Schulstandort Meinsen werde geschlossen, auch aus finanziellen Gründen. Die Meinser Kinder würden künftig in einer der beiden Grundschulen in der Kernstadt beschult, wo durch die demografische Entwicklung und/oder der Veränderung von Schuleinzugsbereichen genügend Klassenräume zur Verfügung stehen würden.




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