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Schaumburger Wald: Wildschwein verletzt Waldarbeiter

Wie ein Schlag mit einem Kantholz

BÜCKEBURG. Wildschweinbachen, die Frischlinge führen, können zur Furie werden, wenn sie ihren Nachwuchs bedroht sehen. Dies hat ein im Schaumburger Wald eingesetzter Mitarbeiter des Fürstlichen Forstamtes Bückeburg vor Kurzem auf schmerzliche Weise am eigenen Leib erfahren.

veröffentlicht am 13.05.2019 um 12:56 Uhr
aktualisiert am 13.05.2019 um 18:50 Uhr

Der Revierförster Sören Peters (li.) zeigt das Sprühgerät, das der Waldarbeiter Oliver Aumann während des Wildschwein-Angriffs auf dem Rücken trug. Foto: wk
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Michael Werk Reporter zur Autorenseite
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Südöstlich von Schloss Baum war Oliver Aumann in einem Forstbestand mit einer vorbeugenden Schädlingsbekämpfungsmaßname gegen Borkenkäfer beschäftigt. Dazu trug er ein großes Sprühgerät auf dem Rücken, mit dem er ein spezielles Insektizid auf den Stämmen und Kronenästen vom Wind umgeworfener Fichten ausbrachte. Was er bei seiner Arbeit zunächst nicht bemerkte, war, dass sich eine Bache in einer der dort am Boden liegenden Baumkronen einen sogenannten „Kessel“ (Versteck aus Zweigen und Blättern) gebaut hatte, in dem sie sich mit ihren Frischlingen verborgen hielt.

Aumann bemerkte die Bache erst, als diese plötzlich aus rund zehn Metern Entfernung auf ihn lospreschte, um ihn zu attackieren: Mit vollem Tempo habe ihn das Tier dann gerammt, berichtet der 48-Jährige. Dabei sei er wegen des heftigen Anstoßes und des auf seinem Rücken getragenen, schweren Sprühgerätes nach hinten gefallen. „Da kam die Panik“, verrät der Waldarbeiter. Denn so daliegend sei er völlig wehrlos gewesen.

Doch er habe Glück im Unglück gehabt, weil die Bache sogleich wieder von ihm abgelassen und sich zu ihren Frischlingen in den „Kessel“ zurückgezogen habe. Hätte ihn das Wildschwein dagegen weiterhin aufs Korn genommen, wäre die Sache wohl schlimmer ausgegangen, so Aumann. So jedoch hat er als unmittelbare Folge des Angriffs lediglich ein großflächiges Hämatom am rechten Unterschenkel zu beklagen. Und weil er auf das Sprühgerät gefallen war, hat er sich den Rücken geprellt und eine Rippe gebrochen.

Das große Hämatom am Bein des Waldarbeiters braucht noch eine Weile, bis es abgeheilt ist. Foto: wk

„Das ist so, als ob man ein Achter-Kantholz vor das Schienbein geschlagen bekommt“, verdeutlicht Sören Peters, Revierförster des Fürstlichen Forstamtes, die Wucht, die bei der Wildschwein-Attacke auf Aumann gewirkt hat. Glück habe der Waldarbeiter zudem gehabt, dass er von der Bache nicht gebissen worden sei. Und wäre dieser stattdessen von einem Keiler (männliches Wildschwein) angegriffen worden, dann wäre Aumanns Bein wegen der messerscharfen Eckzähne des Tieres „definitiv offen gewesen“.

Aufgrund des jetzigen Vorfalles appelliert Peters an alle Waldspaziergänger, auf den Wegen zu bleiben und nicht in den Forstbeständen – geschweige denn im Unterholz – herumzulaufen; zudem müssten Hunde unbedingt an der Leine gehalten werden. Der Schaumburger Wald sei derzeit nämlich voller Frischlinge. Rund 100 bis 150 dürften derzeit in dem etwa 2000 Hektar großen Waldgebiet vorhanden sein, schätzt der Experte.

Bis einschließlich Juli müssten Spaziergänger laut Peters noch besonders aufpassen, aber auch danach sei noch Vorsicht angebracht – gerade bei vom Wind umgeworfenen Bäumen und in Brombeergebüschen. Denn anders als früher habe das Schwarzwild mittlerweile fast ganzjährig, ungefähr von Februar bis Oktober, Frischlinge.




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