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Projekt soll das Klima verbessern / Grundschule Kleinenbremen übernimmt Vorreiterrolle im Kreis

Wie Kinder „energisch rüberkommen“

Kleinenbremen. Oliver Henneke kennt alle Tricks. Er findet die richtigen Worte und weiß zur Not auch, wie man sich aus einer Umklammerung befreit. Wer an den Handgelenken festgehalten wird, kann zum Beispiel ruckartig die Arme hochreißen. „Gorilla“ heißt die Bewegung.

veröffentlicht am 04.07.2013 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 18:21 Uhr

04. Juli 2013 00:00 Uhr

Kleinenbremen. Oliver Henneke kennt alle Tricks. Er findet die richtigen Worte und weiß zur Not auch, wie man sich aus einer Umklammerung befreit. Wer an den Handgelenken festgehalten wird, kann zum Beispiel ruckartig die Arme hochreißen. „Gorilla“ heißt die Bewegung.

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Sich wehren ist erlaubt. „Aber ohne den anderen zu verletzen“, wie Henneke, Konflikttrainer aus Köln, an diesem Vormittag Kleinenbremer Grundschülern erklärt. „Es geht nicht darum, zu zeigen, wer stärker ist.“ Gewalt könnte zu Gegengewalt führen. Bei Henneke und seinem Team lernen Kinder, Konflikte ohne Gewalt zu lösen. Sie erfahren, wie man stark wirkt, Grenzen setzt und „energisch rüberkommt“.

Es geht um Deeskalation, die passenden Worte, wenn’s auf dem Schulhof Ärger gibt oder „Spaßkämpfe“ ausgefochten werden, an denen nur ein Kämpfer Freude hat. Nicht zuletzt geht es um Selbstbehauptung durch Körpersprache. Einer der „coolen Tricks“: Um sich aufzurichten, tun die Kinder einfach so, als würden sie einen Reißverschluss vorn an der Jacke bis unters Kinn zuziehen. Schon stimmt die Haltung.

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Noch ein Tipp: Wer seinem Gegenüber mit dem „Bohrerblick“ direkt in die Augen sieht und mit fester Stimme spricht, wirkt überzeugend. Und die richtige Ausdrucksweise? Zum Beispiel: „Ey, Du tust mir weh, hör auf damit.“ Klare Ansage in einer Sprache, die Kinder sprechen und verstehen.

„Gewaltfrei lernen“ stand in Kleinenbremen auf dem Stundenplan. Als erste Schule im Kreis Minden-Lübbecke hatte die örtliche Grundschule am gleichnamigen Projekt teilgenommen. Möglich wurde dies mit Unterstützung der Sparda-Bank Hannover-Stiftung, die fast 2500 Euro gespendet hat, zwei Drittel der Kosten. Unterm Strich schüttet die Stiftung jährlich rund 60 000 Euro aus. „Das Konzept hat uns auf Anhieb überzeugt“, sagt Christian Conrad, Mindener Geschäftsstellenleiter der Sparda-Bank Hannover. In Kleinenbremen kam das restliche Drittel von Eltern, aus dem Erlös der Cafeteria beim Dorfmarkt (673 Euro) sowie durch eine kleinere Spende. „Wir wollten das Geld in ein soziales Projekt stecken“, erklärt Maren Kreft, die zweite Schulpflegschaftsvorsitzende. Das Ziel: „Kinder stärken gegen Mobbing“. Und zwar nachhaltig.

Dahinter steht das Vorhaben des von Oliver Henneke mitgegründeten Vereins „Gewaltfrei Lernen“, eine Atmosphäre zu schaffen, in der Lernen Freude bereitet und Leistung möglich wird. „Häufig“, so heißt es in einer Pressemitteilung, „prägen aber schon in der Grundschule Ausgrenzung, Beleidigungen, körperliche Schikane und Mobbing das Lernklima.“

Womit ausdrücklich nicht Kleinenbremen gemeint ist. „Einen sozialen Brennpunkt gibt es hier nicht“, betont auch Rektorin Ute Gösch. „Aber wir setzen auf Vorsorge.“ Insgesamt sechs Stunden lang, verteilt über vier Tage, hat jede Klasse an dem körperbetonten Training teilgenommen.

Für Lehrer gab es an zwei Nachmittagen eine Fortbildung, für Mütter und Väter einen Elternabend, den Ute Gösch als „quietschvergnügt“ empfunden hat. Das liegt nicht zuletzt an Oliver Henneke, der neben einem Sportstudium Qualitäten als Entertainer mitbringt.ly