weather-image
20°
×

Oder: Wie bekomme ich eine Schaufensterpuppe in einen Einsatzanzug des Zivilschutzes?

Wie man ein Museum aufbaut

BÜCKEBURG. Der Aufbau einer musealen Einrichtung bereitet gelegentlich Kopfschmerzen, aber es kann auch recht fröhlich dabei zugehen. Nachdem die Idee zur Einrichtung des Museums der Hilfsorganisationen in der Scheier Straße 8 allen örtlichen aktiven Gruppierungen angetragen wurde, gab es eine riesige Überraschung. Schon bei der ersten Eröffnung am Tag des offenen Denkmals im September 2015 zeichnete sich ab, dass es in absehbarer Zeit Platzprobleme geben wird. Nun wird im Lauf dieses Sommers die Baumaßnahme zur Erweiterung wieder in Fluss kommen, die bedingt durch Corona unterbrochen werden musste, wie der Vorsitzende des Trägervereins, Karl-Heinz Driftmann berichtet.

veröffentlicht am 12.08.2020 um 10:44 Uhr
aktualisiert am 12.08.2020 um 22:10 Uhr

Neben einer Vielzahl von kleineren und großen Geräten kamen Dienstbekleidung, Bestandteile der persönlichen Ausrüstungen der verschiedenen Organisationen, Schränke, Vitrinen – ein Wust von für Anschauungszwecke und sogar bedingt für kleine Vorführungen geeigneten Sachen. Zu dieser Zeit begann, neben den sehr guten Kontakten zu den fünf beteiligten Organisationen, eine sehr kameradschaftliche Zusammenarbeit mit dem Landesmuseum in Bückeburg und der Schaumburger Landschaft. Förderung und viele gute Tipps flossen in den Aufbau ein.

Beide Einrichtungen halfen dem jüngsten, im Werden begriffenen Museum in Bückeburg, mit passenden Kinderschuhen in das Stadtbild einzutreten. Eine erste, sehr gute gebrauchte Vitrine und verschiedene gebrauchte Schaufensterpuppen waren erste Beiträge des Landesmuseums. Ergänzt wurde diese stets stumme sichtbare Mannschaft auf Vermittlung eines THW-Kameraden durch einige recht neuwertige Puppen von einer Firma im Auetal.

Nicht jeder, der in einer Ausstellung welcher Art auch immer, vor bekleideten Schaufensterpuppen stand, wird ahnen, wie vehement so eine Puppe sich gegen die Einkleidung wehrt. Es müssen Arme „amputiert“ und wieder angebracht, Köpfe abgenommen werden. Hände kann man auch abnehmen, bei alten Puppen aus Holz wachsen sie quasi wieder nach.

5 Bilder
Das Gesicht mochte bisher niemand malen!

Passende Schuhe, die dem mit der Puppe dargestellten Zeitraum und dem damaligen Sicherheitsstandard entsprechen anzuziehen, sind besonders mühsam zu besorgen und für den Zweck anzupassen. Alte Sicherheits-Gummistiefel lassen sich mittels Aufschneiden anziehen, müssen dann mittels Kabelbinder wieder geschlossen werden.

Etwas mühsam ist die Vorbereitung der Schuhe besonders bei Puppen mit einem Aufsteller. Passend zu dieser Bodenplatte und der Metallstange darauf ist durch die Sohle des Schuhs oder Stiefels ein Loch zu bohren. Bei Sicherheitsschuhen mit Stahleinlage sehr schwierig. Das Problem ist, dass die beweglichen Teile einer Schaufensterpuppe niemals die Füße sind. So lassen sich Stiefel mit langem Schaft so gut wie gar nicht anziehen – zumindest nicht, ohne Puppe oder Stiefel zu beschädigen.

Arme werden ausgekugelt und abgenommen, dann in den entsprechenden Ärmel gesteckt. Die Puppe erhält die Jacke an, nach dem Anziehen wird mit viel Gefühl der Arm wieder eingehängt. Gelegentlich haben die älteren gebrauchten Puppen keine Bodenplatte. Diese werden mittels eines Nagels und einer fast unsichtbaren Nylonschnur an ihrem „Arbeitsplatz“ festgebunden. Die meisten vorhandenen Puppen haben ein Gesicht, allerdings gibt es auch ein paar aus Schaumstoff, deren Gestalt wohl komplett ist, das Gesicht wird aber nur mit hautfarbenem Stoff dargestellt. Der Gedanke, ein Gesicht aufzumalen, wurde mangels künstlerischer Fähigkeiten verworfen.

Verstärkung der ständigen stummen Besatzung wurde dem Museum durch Übernahme der Leihgabe eines Freundes aus Steinhude zuteil. Der seit vielen Jahren oftmals hilfreich zur Seite stehender Kamerad Bühmann überließ uns sein „Puppentheater“, eine Gruppe Feuerwehrmänner aus verschiedenen Epochen. Sie hatte 2012 beim Jubiläum des Brandes der Stadtkirche in Bückeburg ihren ersten Auftritt. Auch 2018 bei der Ausstellung im Landesarchiv im Schloss wiesen die Puppen den Besuchern den Weg.

Zu den „stummen Mitarbeitern“ gehören außerdem zwei Taucher im Neoprenanzug sowie ein kleines Schlauchboot. Die Technik ergänzte zunächst die DLRG. Inzwischen ist auch für den zweiten Taucher die komplette Technik vorhanden. Seine Ausstattung ist farblich der Feuerwehr zuzuordnen, ebenso das Tauchgerät, das einmal bei einer Berufsfeuerwehr in Gebrauch war. Das Ziel, von allen am Museum beteiligten Hilfsorganisationen mindestens einen Kameraden als stummen Mitarbeiter vorstellen zu können, wurde erfüllt.

Den Zivilschutz betreffende Fachgebiete, die teilweise übergreifend von allen Organisationen in mehr oder weniger ausgeprägter Weise abgedeckt werden, werden mit Puppen dargestellt, die keine Ärmelabzeichen oder einfach nur mit dem Symbol „ZS“ gekennzeichnet sind.

So wurden über einige Jahrzehnte von allen Fachdiensten die von den THW-Helferpuppen getragenen grauen Einsatzanzüge oder gleichartige Anzüge in Khakifarbe getragen. Sie unterschieden sich durch Ärmelabzeichen von DRK, THW, ASB, Brandschutz, ABC-Dienst oder durch farbige Kragenspiegel (Bergungsdienst schwarz, Sanitäter blau, Fernmelder gelb, Brandschutz rot, Veterinärdienst grün usw.).

Inzwischen gibt es über 20 Puppen, die im Museum als die fleißigsten Mitarbeiter bezeichnet werden. Trotz heftiger Gegenwehr bei der Einkleidung sind sie ständig an ihrem Platz und verhelfen der Ausstellung zu einem etwas lebendigerem Bild. Mit der Erweiterung des Museums werden diese Kameraden mit Sicherheit viel besser zur Geltung kommen und vielleicht ein wenig zum Schmunzeln anregen.

Wenn die nun wieder in Bewegung kommenden Arbeiten planmäßig ablaufen können, wird die Museumserweiterung noch im Herbst 2020 der Öffentlichkeit vorgestellt.




Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige