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Urlaubssaison macht Tierheimen Sorgen / Hachmeister: Zahl der ausgewachsenen Fundkatzen nimmt zu

„Wir sind voll“

LANDKREIS. „Es hat sich eine Wegwerfmentalität entwickelt“, klagt Jutta Schneider, Chefin des Tierschutzvereins Rodenberg/Bad Nenndorf und Umgebung.

veröffentlicht am 22.06.2016 um 17:31 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 10:22 Uhr

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LANDKREIS. Erneut stehen Tierheime vor dem Problem, dass Menschen ihre Haustiere vorm Sommerurlaub abgeben wollen oder gleich aussetzen. „Es hat sich eine Wegwerfmentalität entwickelt“, klagt Jutta Schneider, Chefin des Tierschutzvereins Rodenberg/Bad Nenndorf und Umgebung. Die Tierschützerin stellt seit zwei Monaten, also sogar weit vor den Ferien, eine verstärkte Abgabe von Tieren fest. Mittlerweile ist die Einrichtung, auch aufgrund von Fundtieren, so voll, dass nur noch gravierende Notfälle aufgenommen werden. „Wir sind dicht“, sagt Schneider.

Doch der Ansturm ist nicht nur vor den Sommerferien hoch. „Es ist ein Auf und Ab, das ganze Jahr über.“ Dabei werden in Schaumburg etliche Alternativen geboten, die bei der Urlaubsplanung helfen können: „Es gibt zahlreiche Tierpensionen, aber die kosten Geld“, sagt Schneider. Außerdem muss das Tier vor seinem Aufenthalt in der Pension vom Tierarzt durchgecheckt sein. Notwendig ist auch ein gültiger Impfstatus. Auch diese Kosten scheuen Besitzer. „Wer sich ein Tier zulegt, bindet sich für zehn bis 15 Jahre. Dann muss entweder eine Regelung für den Urlaub getroffen werden – oder es gibt keinen Urlaub. So machen es viele Besitzer, die wir kennen.“

Renate Reinnisch, Schatzmeisterin des Stadthäger Tierheims, empfiehlt, sich im Vorfeld darum zu kümmern, wer sich bei Abwesenheit um das Hautier sorgt. „Man kann auch bei Facebook oder in der Zeitung eine Anzeige aufgeben, in der man fragt, wer auf das Tier aufpasst“, sagt Reinnisch. Im Stadthäger Tierheim sei es in den vergangenen Jahren nicht zu einer vermehrten Abgabe von Tieren im Vorfeld der Sommerferien gekommen.

Das kann Monika Hachmeister, Vorsitzende des Tierschutzvereins Bückeburg/Rinteln und Umgebung, nicht behaupten. „Auch in diesem Sommer werden wir wieder viele Tiere aufnehmen müssen, die von ihren Besitzern vor dem Urlaub abgegeben werden“, glaubt die Tierschützerin. Dabei sind vor allem die Hundeboxen gut gefüllt: „Trotzdem sind es in den großen Ferien vor allem Hunde, die wir aufnehmen müssen.“

Seit vergangenem Sommer stellen die Mitarbeiter einen Anstieg von ausgewachsenen Fundkatzen fest. Hachmeister vermutet, dass viele Leute auf diese Weise die Kastrationspflicht umgehen wollen – das Tier wird durch die Kosten lästig. „Bei manchem Tier lässt einen das Gefühl nicht los, dass es ein zu Hause hatte, aber beweisen kann man es nicht“, sagt Hachmeister.

Wer vor dem Sommerurlaub eine Unterbringungsmöglichkeit für seinen Hund sucht, kann sich beim Bückeburger Tierheim melden: „Wir haben schon viele Hunde betreut, die wir vorher vermittelt haben. Es ist immer schön, sie wiederzusehen und ihnen auch einen Urlaub zu ermöglichen“, schwärmt die Vorsitzende.

Doch auch dieses Angebot wurde schon schamlos ausgenutzt. Hachmeister erinnert sich noch genau an einen Fall, in dem ein Hund zur Betreuung in Pension gegeben wurde und nie wieder abgeholt worden ist. „Als wir die Besitzer kontaktierten, hieß es nur, ‚den könnt ihr behalten‘.“

Für Katzen gilt dieses Angebot allerdings nicht. Die Vorsitzende des Bückeburger Tierschutzvereins habe jedoch Kontakte zu mehreren Katzenpensionen, die sie auf Anfrage empfiehlt. Wer seine Katze lieber in einem derm Tier vertrauten Umfeld betreuen lassen möchte, kann beispielsweise eine Katzen-Sitterin damit beauftragen, die sich seit 14 Jahren regelmäßig um die Schnurrer von Hachmeister kümmert.




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