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Vortragsnachmittag der Landfrauen über den Umgang mit Zecken

„Zähe Luder“

BÜCKEBURG/ACHUM. Vielerorts warnen Förster und Mediziner vor Zecken. Günter Schwarz, Apotheker der Schlossapotheke Bückeburg, berichtete in einem Vortrag bei den Bückeburger Landfrauen über die Verbreitung der Zecken, mögliche Krankheiten und gab wertvolle Tipps.

veröffentlicht am 05.05.2019 um 15:07 Uhr
aktualisiert am 05.05.2019 um 17:50 Uhr

Kurzweilig und informativ berichtete der Apotheker aus Bückeburg über das Vorkommen von Zecken in der Region und gab Tipps, wie man mit ihnen umgeht. Foto: hil
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Autor

Anja Hillmann Reporterin
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BÜCKEBURG/ACHUM. Vielerorts warnen Förster und Mediziner vor Zecken. Günter Schwarz, Apotheker der Schlossapotheke Bückeburg, hat in einem Vortrag bei den Bückeburger Landfrauen über die Verbreitung der Zecken sowie mögliche Krankheiten berichtet und wertvolle Tipps gegeben.

Zunächst räumte Günter Schwarz mit einigen Mythen auf: Die Zecken springen niemanden an und fallen auch nicht von Bäumen. Vielmehr halten sie sich in hohem Gras auf. Sie sitzen dort meist exponiert an den Spitzen der Grashalme. Da die Zecken blind sind, verlassen sie sich auf das Wahrnehmen von Erschütterungen sowie Schweißgeruch und reagieren auf Temperaturveränderungen oder den Ausstoß von Kohlendioxid.

Gehen Mensch oder Tier durch das Gras, werden die Zecken „abgestreift“ und bleiben zunächst am Fell oder der Bekleidung haften. Im Gegensatz zu Mücken stechen Zecken nicht sofort zu, sondern „wandern“ manchmal stundenlang auf dem Körper umher, bevor sie eine geeignete Einstichstelle finden. Ihre bevorzugten Regionen sind gut durchblutete Stellen, wie Kniekehle, Achsel, Hals oder Schritt.

„Zecken sind ziemlich zähe Luder“, so der Fachmann. Sie überleben jeden Schleudergang in der Waschmaschine. Erst in einem Waschgang bei über 60 Grad Celsius oder in einem Trockner wird es für die Zecke gefährlich.

24 Stunden bei minus zehn Grad Celsius überleben sie spielend, und auch drei Wochen im Wasser können ihnen nichts anhaben. Sie halten nach einer Blutmahlzeit zwei bis drei Jahre aus, bevor sie wieder Nahrung benötigen.

Um sich vor den Zecken zu schützen, empfiehlt der aus Regensburg stammende Apotheker das Tragen von langer, heller Bekleidung. Weiterhin rät Günter Schwarze, die Socken über die Hose zu ziehen und freie Körperstellen sowie die Bekleidung mit einem Repellent einzusprühen. Nach Wanderungen oder der Arbeit im Garten sollte man die Wäsche waschen und duschen, sowie den Körper absuchen.

Der eigentliche Zeckenbiss ist relativ harmlos. Ist eine Zecke allerdings mit Krankheitserregern infiziert, können diese über den Stechapparat in den Körper des Wirts gelangen. Das sind zum einen Borreliose auslösende Bakterien oder Viren, welche die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) verursachen. Die bakterielle Borreliose kann frühzeitig erkannt und mit einer Antibiotika-Therapie gut behandelt werden. Die durch das FSME-Virus ausgelöste Entzündungen des Gehirns, der Hirnhäute und des Rückenmarks können durchaus tödlich enden.

Schwarze warnt jedoch vor Panik. Nur etwa 30 Prozent der heimischen Zecken, dem gemeinen Holzbock, trügen Borrelien in sich und das Infektionsrisiko durch das Bakterium steige erst nach rund zwölf Stunden Saugzeit. „Die meisten Zecken werden vorher entdeckt und entfernt“, so Schwarze. FSME-Fälle seien derzeit in Norddeutschland nicht gemeldet. Bei einer Wanderung oder längerem Aufenthalt in Risiko-Gebieten rate er jedoch zu einer Impfung.

Respekt verdiene die Zecke aber allemal. Entdeckt man eine Zecke am Körper ist es ratsam sie möglichst schnell mit einer Zeckenkarte oder -zange zu entfernen und anschließend die Einstichstelle gut zu beobachten. Tritt eine „Wanderröte“ auf sollte man nicht zögern, den Hausarzt aufzusuchen.

Bei aller derzeitigen Sorge um den Bestand der Insektenwelt war bei den Landfrauen während dieses Vortrages deutlich erkennbar, dass wohl niemand ernsthaft böse wäre, würde sich die Verbreitung der Zecken wieder reduzieren.




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