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Don-Kosaken-Chor Serge Jaroff zu Gast

Zauber und Melancholie russischer Musik in der Stadtkirche

BÜCKEBURG. Vom Zauber und von der Melancholie der russischen Musik haben sich am Sonnabend die Besucher der Stadtkirche einfangen lassen. Das Konzert des 15-köpfigen Don-Kosaken-Chors Serge Jaroff entfaltete stellenweise eine derartige Intensität, dass im Publikum Tränen getrocknet werden mussten.

veröffentlicht am 28.01.2019 um 14:36 Uhr

Mal orkanartiges Tosen, mal lindes Lüftchen: der Don-Kosaken-Chor Serge Jaroff in der Stadtkirche. Foto: bus
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Autor

Herbert Busch Reporter
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BÜCKEBURG. Vor allem im ersten Teil des Gastspiels, der überwiegend festliche Lieder der russisch-orthodoxen Kirchentradition bot, ließen die Sänger eine beinahe mystische Atmosphäre entstehen. Im stimmungsmäßig abwechslungsreicheren zweiten Teil interpretierten die ohne Instrumentalbegleitung agierenden Vokalisten vorwiegend folkloristische und in der Literatur der Kosaken wurzelnde Melodien.

Bei den Komponisten griffen die von Wanja Hlibka dirigierten Gäste auf Werke von Nikolaj Rimskij-Korsakow, Pjotr Tschaikowsky, Charles Francois Gounod und Johann Sebastian Bach zurück. Es erklangen Titel wie „Rette Gott dein Volk“, „Abendglocken“, „Wolgaschlepper“ und „Ich bete an die Macht der Liebe“. Selbstverständlich fehlte auch das unvermeidliche „Kalinka“ nicht. Der berühmte Gassenhauer wurde aber nicht in der üblichen, zum Schunkeln einladenden Version, sondern in einer durchaus zeitgemäßen choristischen Variante dargeboten.

Wanja Hlibka hat viele Jahre als jüngster Solist im Chor von Serge Jaroff gesungen und dessen Original-Arrangements als Ausgangsbasis seiner künstlerischen Arbeit nutzen dürfen. Jaroff gilt als Schöpfer des Phänomens „Don Kosaken“. Er rief 1921 den ersten so benannten Chor ins Leben und feierte besonders im Westen große Erfolge. Die Truppe bestand aus ehemaligen Kämpfern des Zaren, die im Anschluss an die Oktoberrevolution aus Russland verbannt worden waren. Von der Geschichte und Reputation ihrer Urväter zehren die stets in Stiefeln auftretenden Formationen bis auf den heutigen Tag.

Wanja Hlibka dirigiert die Sänger mit viel Fingerspitzengefühl. Foto: bus

Hlibkas Mitstreiter entstammen überwiegend großen osteuropäischen Opernhäusern. Die akademisch ausgebildeten Solisten werden von der Fachpresse häufig als „russische Stimmwunder“ bezeichnet. In der Stadtkirche ließen sie mit einer vom orkanartigen Tosen bis zum linden Lüftchen, vom abgrundtiefen Bass bis zum glockenhellen Countertenor reichenden Modulationsvielfalt keinerlei Zweifel an ihrer Könnerschaft aufkommen.

Stehende Ovationen. Do svidaniya!




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