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Streit in der Siedlung landet vor dem Kadi / Amtsgericht stellt das Verfahren ein

Zwei Nachbarinnen und das F-Wort

BÜCKEBURG. Nein, aussprechen möchte die Zeugin jenes Schimpfwort mit fünf Buchstaben, das ihre Nachbarin ihr auf offener Straße an den Kopf geworfen haben soll, auf keinen Fall. Sie buchstabiert es lieber.
Dr. Dirk von Behren, Richter am Amtsgericht, zeigt sich rücksichtsvoll und spricht nur vom F-Wort. Und dann ist da noch die Angeklagte, eine 70-Jährige aus Bückeburg. „Solche Wörter habe ich noch nie in den Mund genommen“, versichert sie. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, dem F-Wort noch das Attribut „Fette“ vorangestellt zu haben, „Fette F…“ also. So steht es in der Anklageschrift. Wie der Prozess ausgegangen ist?

veröffentlicht am 07.06.2019 um 13:51 Uhr

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Die Streithennen haben sich jetzt vor dem Amtsgericht wiedergetroffen, wo es um den Vorwurf der Beleidigung ging. Nach einer Beweisaufnahme, die sich vor allem deshalb recht munter gestaltet hatte, weil die Angeklagte reden kann wie ein Wasserfall, stellte Richter von Behren das Verfahren mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft ein.

„Dies ist ein klassischer Nachbarschaftsstreit, und damit beschäftigen wir uns hier eigentlich nicht. So etwas wird normalerweise auf den Privatklageweg verwiesen“, erklärte er. „Es wäre trotzdem schön, wenn es in ihrer Siedlung künftig ruhiger zuginge. Vielleicht gehen Sie sich einfach aus dem Weg“, empfahl von Behren den zerstrittenen Frauen.

Das wäre wünschenswert, doch die Fronten wirken verhärtet. Als die Nachbarin (50) aussagt, das mutmaßliche Opfer, hält es die Angeklagte nicht mehr auf ihrem Platz. „So ein Schwindel! Wie kann man nur so schwindeln!“ schimpft sie und verlässt den Saal, kehrt aber nach kurzer Zeit zurück. Wenige Minuten später steht die Bückeburgerin erneut mitten in der Sitzung auf. „Sie müssten schon hierbleiben‘‘, rät Richter von Behren der 70-Jährigen zum Durchhalten: „Sie haben es gleich geschafft.“

Vorher wird noch eine andere Zeugin vernommen, die ebenfalls in der Siedlung wohnt. „Ich habe oft mitbekommen, dass Frau (…) rumgeschrien und die Leute beleidigt hat“, berichtet sie. Gemeint ist die Angeklagte. Einmal will die Zeugin gesehen haben, wie die 70-Jährige der anderen Frau einen Kleiderbügel hinterhergeworfen hat. „Da habe ich nur gesagt: Die Kleiderbügel fliegen heute aber tief.“ Hoffnung macht dies: „Sie ist ruhiger geworden“, sagt die Zeugin über die Angeklagte. Außerdem soll die Rentnerin ihr Mietverhältnis gekündigt haben.

Wie konnte es so weit kommen? Richter von Behren spricht von einem „Garagen-Krieg“, weil es zwischen den Frauen wiederholt Streit über die gemeinsame Nutzung der Garage gegeben haben soll. Außerdem soll die jüngere Frau in einem gegen eine andere Mieterin ausgesagt haben, die sich angeblich recht gut mit der jetzt angeklagten 70-Jährigen verstanden hat. Aber das ist wieder eine andere Geschichte. ly




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