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Schaumburg und der Dreißigjährige Krieg / Nie Partei, aber von Anfang an betroffen

Zwischen Plünderung und Pest

BÜCKEBURG. Obwohl das Schaumburger Land während des Dreißigjährigen Krieges nie einem der verfeindeten Bündnisse angehörte und nie Konfliktpartei gewesen ist, war es von den Auseinandersetzungen von Anfang an betroffen. Das ist jetzt während eines von Dr. Stefan Brüdermann im Niedersächsischen Landarchiv gehaltenen Vortrags deutlich geworden.

veröffentlicht am 23.11.2018 um 11:26 Uhr
aktualisiert am 23.11.2018 um 19:00 Uhr

Die Gräuel des Dreißigjährigen Krieges stehen im Mittelpunkt des Festvortrags. Foto/Repro: bus
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Autor

Herbert Busch Reporter
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Wie der Archivleiter erläuterte, musste der regierende Fürst Ernst zu Holstein-Schaumburg bereits in den frühen Kriegsjahren 10 000 Taler an den Herzog von Braunschweig bezahlen. Dieser quartierte im Sommer 1621 rund 2000 Soldaten in Schaumburg ein; im Oktober wurde ein Monatssold für dessen Reiter fällig, damit sie die Schaumburger Weservogteien wieder verließen. „Der Krieg wurde hierzulande spürbar, aber er beherrschte den Alltag noch nicht“, erklärte der Referent.

Das änderte sich mit dem Tod des Regenten. Am 21. März 1622, als dessen Leichnam zur feierlichen Beisetzung nach Stadthagen überführt wurde, erreichten erstmals Kriegstruppen das neutrale Land. Sie „raubeten plünderten alles aus, schlugen und marterten die Leute“, hielt ein Chronist fest.

Zu einer Quartiernahme 1625 in Rinteln heißt es in einem zeitgenössischen Bericht: „Was da für ein Elend gewesen, wie die Leute geflohen, alle Straßen hie voll gelegen von Menschen und Vieh, und wie im Lande gehauset worden, und die Dörfer hin und wieder abgebrand worden, als Meinsen und andere, kan nicht ausgeredet werden.“

Im Dezember 1627 wurde eine Forderung bekannt, derzufolge die Grafschaft 1000 Malter Korn (etwa 180 000 Liter) und wöchentlich 2200 Taler Kontribution an die Kaiserlichen liefern solle, andernfalls würden vier Kompanien Reiter einquartiert. „Schon in diesen Jahren wurde das Land bis zum Äußersten ausgesogen“, konstatierte Brüdermann.

Für das Elend der Bevölkerung war aber nicht nur der Krieg verantwortlich. Die weitaus meisten Menschen, auch unter den Soldaten, starben nicht durch unmittelbare Gewalt, sondern durch Hunger und Seuchen. Die hygienischen Umstände in den Feldlagern, Entbehrungen, und die Mobilität insbesondere der Soldaten bildeten eine hochgefährliche Mischung für Seuchenausbrüche. 1625 bis 1627 und 1636 bis 1638 wurde Schaumburg von zwei schweren Pestepidemien heimgesucht.

In Rinteln rechnete man 1625/26 mit etwa 650 Pesttoten, was etwa einem Drittel der Stadtbevölkerung gleichkam. In Obernkirchen kam man am Ende des Jahres 1625 auf 655 Beerdigungen – bei vermutlich etwa 1000 Einwohnern. „Erst hatte man kein Glück und dann kam auch noch die Pest hinzu“, würden Zyniker sagen.

Zurück zum Krieg und dessen Belastungen: Anno 1633 gab es in Bückeburg etwa 145 Haushalte. Diese hatten knapp 1500 Personen und beinahe 600 Pferde zu versorgen (wobei Frauen und Kinder nicht mitgezählt wurden). Für einfache Soldaten wurde täglich je ein Pfund Fleisch, anderthalb Pfund Brot und zwei Maß Bier veranschlagt.

„Es waren nicht die großen Schlachten, die das am Krieg eigentlich unbeteiligte Land schädigten, sondern die Durchzüge und Aufenthalte von Truppen, die erzwungenen Abgaben von Geld, Vieh und Nahrung und die zusätzlichen Plünderungen und Gewalttaten; oft war das eine vom anderen kaum zu trennen“, bilanzierte Brüdermann.

Ein Zeitgenosse notierte: „Was stehestu so bleich / Und wahrest vor so schön? Wo ist dein prangen blieben? Wo dein berühmpter Schein? Wer darff dich so betrüben? Wer hat dich so erschreckt? Wo ist der Menschen Schar mit welchen dein Bezirk so wol besetzet war?“.




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