weather-image
22°

„Ich helfe mir selbst“ lautet die Devise

30 Jahre DVMB-Landesverband Niedersachsen

LUHDEN. Mit Informationen und einem Selbsthilfe-Netzwerk steht der in Luhden ansässige Landesverband Niedersachsen der Deutschen Vereinigung Morbus Bechterew (DVMB) Menschen zur Seite, die an der rheumatisch-entzündlichen Erkrankung Morbus Bechterew leiden.

veröffentlicht am 12.02.2019 um 14:06 Uhr
aktualisiert am 12.02.2019 um 16:50 Uhr

Rüdiger Schmidt und seine Stellvertreterin, Martina Irrgang, stehen dem DVMB-Landesverband Niedersachsen ehrenamtlich vor. Foto: wk
Michael_Werk

Autor

Michael Werk Reporter zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der SZ/LZ? Dann melden Sie sich hier mit Ihren SZ/LZ -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

LUHDEN. Der Anteil jener Menschen, die an Morbus Bechterew leiden, ist groß: „Geschätzt circa acht Prozent“ der Bevölkerung in Deutschland haben diese Krankheit, sagt Rüdiger Schmidt, Vorsitzender des in Luhden ansässigen Landesverbandes Niedersachsen der Deutschen Vereinigung Morbus Bechterew (DVMB), wobei bei vielen der Betroffenen erst spät eine entsprechende ärztliche Diagnose gestellt werde, denn kein Bechterew-Beschwerdebild gleiche dem anderen.

In dem von ihm geführten Landesverband, der in diesem Jahr 30-jähriges Bestehen feiert, sind aktuell circa 2200 Morbus-Bechterew-Patienten Mitglied. Geboten werden diesen vielfältige Informationen rund um die stets chronisch verlaufende, rheumatisch-entzündliche Erkrankung sowie die Teilnahme an Selbsthilfegruppen.

Derzeit gibt es laut Schmidt niedersachsenweit gut 45 solcher DVMB-Selbsthilfegruppen, davon allein vier im Schaumburger Land. In diesen Gruppen können die Betroffenen untereinander Erfahrungen und Gedanken austauschen und bei gemeinsamen Funktionstrainings oder Rehasport-Angeboten mitmachen, denn regelmäßige krankengymnastische Übungen tragen zur Linderung der Beschwerden bei. Bei den Funktionstrainings zeigen Übungsleiter, wie es geht. Die Rehasport-Angebote werden dagegen von Physiotherapeuten geleitet.

Im Laufe der vergangenen 30 Jahre zählte der DVMB-Landesverband auch schon mal deutlich mehr Selbsthilfegruppen, nachdem dieser laut Schmidt zunächst mit 20 Gruppen begonnen hatte. Rund 60 Selbsthilfegruppen habe man zeitweise gehabt, konkretisiert er. Aber mittlerweile sei es schwierig, Leute für die ehrenamtliche Leitung der Selbsthilfegruppen zu gewinnen. Ihm zufolge liegt dies daran, dass mit dieser Aufgabe auch ein großer bürokratischer Aufwand hinsichtlich der abzurechnenden Krankenkassen-Zuschüsse verbunden ist. Zudem wollten heutzutage viele Menschen keine Verantwortung übernehmen.

Dass auch die Anzahl der Vereinsmitglieder rückläufig ist, führt Martina Irrgang, die stellvertretende Landesvorsitzende, unter anderem auf das Internet zurück. Dort nämlich sind inzwischen alle erdenklichen Informationen über Morbus Bechterew verfügbar. „Um sich zu informieren, braucht ein Patient an sich keine Selbsthilfegruppe mehr“, sagt sie. Was das Internet jedoch nicht ersetze, sei das persönliche Gespräch. Zudem bestehe das Problem, dass die im Internet zu findenden Informationen oftmals „von der Pharmaindustrie gesteuert“ seien.

Was laut Irrgang ferner eine Rolle spielt: „Die jungen Leute wollen sich heute auch nicht krankheitsmäßig outen.“ Befürchtet würden Nachteile hinsichtlich der beruflichen Karriere oder sogar der Verlust des Arbeitsplatzes. Und: Statt nach der Devise „Ich helfe mir selbst“ zu verfahren und eine Selbsthilfegruppe zu besuchen, würden immer mehr Patienten zu „Konsumenten“, ergänzt sie. „Schreib mir eine Pille auf – und mach mich gesund“, das sei deren Anspruch.

Dazu merkt Schmidt an, dass die Mitglieder der niedersächsischen DVMB-Selbsthilfegruppen im Durchschnitt „ab 45 Jahre aufwärts“ alt sind. Zudem weist er darauf hin, dass in den Gruppen über Funktionstrainings und Rehasport-Angebote hinaus gemeinsame Unternehmungen veranstaltet werden. „Die haben viel Spaß miteinander.“




Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Kommentare