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Der Heimat- und Kulturverein Eilsen liest aus Werken betroffener Autoren

Als wertvolle Literatur in Flammen aufging

LUHDEN. Gegensätzlicher konnten die Themen nicht sein, die das Literarische Kabinett des Eilser Heimat- und Kulturvereins in den vergangenen beiden Veranstaltungen behandelte. Zuerst ging es um den Höhepunkt deutscher Dichtkunst in der Epoche, als in Weimar Goethe, Schiller, Herder und Wieland lebten und wirkten. Im Mittelpunkt des letzten Treffens in diesem Jahr stand die Bücherverbrennung zum Beginn der Nazi-Diktatur.

veröffentlicht am 29.11.2018 um 12:34 Uhr
aktualisiert am 03.12.2018 um 17:28 Uhr

Das Literarische Kabinett des Heimat- und Kulturvereins Eilsen bekommt immer mehr Zuspruch. Foto: sig

Autor:

vo Siegfried Klein
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LUHDEN. Gegensätzlicher konnten die Themen nicht sein, die das Literarische Kabinett des Eilser Heimat- und Kulturvereins in den vergangenen beiden Veranstaltungen behandelte. Zuerst ging es um den Höhepunkt deutscher Dichtkunst in der Epoche, als in Weimar Goethe, Schiller, Herder und Wieland lebten und wirkten. Im Mittelpunkt des jüngsten Treffens in diesem Jahr stand die Bücherverbrennung zum Beginn der Nazi-Diktatur.

Damals wurden am 10. Mai 1933 in Berlin und in zahlreichen anderen Universitätsstädten die Werke von Autoren auf den Scheiterhaufen gebracht, die nicht dem Geist des „Tausendjährigen Reiches“ entsprachen. Bevorzugt abgelehnt wurden vor allem die Bücher von jüdischen, kommunistischen und pazifistischen Autoren. Dazu zählten neben vielen anderen Bertolt Brecht, Erich Kästner, Heinrich Mann, Kurt Tucholsky, Stefan Zweig und Joseph Roth. Für einige von ihnen war das ein Signal, dieses Land zu verlassen, um sein eigenes Leben und das der Familie vor den Konzentrationslagern zu bewahren. Die meisten fanden Aufnahme in den Vereinigten Staaten von Amerika.

Es war schon seltsam, wie dieses Geschehen eigentlich weitgehend spurlos von der Mehrheit der Deutschen hingenommen wurde. Und es ist kaum zu verstehen, dass dieses Land der großen Dichter und Denker auf ein solches Niveau sinken konnte. Offenbar hatten es die „Hakenkreuzler“ in verhältnismäßig kurzer Zeit geschafft, das Denken so zu beeinflussen, dass ein geistiger Widerstand überwiegend unterblieb. Erst als Deutschland zerstört am Boden lag und Millionen Menschen ihr Leben gelassen hatten, setzte ein Umdenken ein. Der Preis, den das deutsche Volk dafür bezahlt hatte, war unvorstellbar hoch. Erfreulich blieb angesichts dieser anarchischen Zeit doch, dass die meisten der geflohenen Autoren wieder nach Deutschland zurückkehrten und hier ungestört weiterarbeiteten.

Das Literarische Kabinett, das zum letzten Male aus Friedrich Winkelhake, Dieter Gutzeit und Lutz Gräber bestand, hatte sich für diesen Abend im Luhdener Kirchenzentrum eine Reihe von Texten ausgesucht, die man keineswegs als Produkte eines „undeutschen Geistes“ bezeichnen kann. Das Trio hat eine Auswahl getroffen, die ausgesuchte Kapitel aus Büchern, Aphorismen und zahlreiche Gedankensplitter enthielt. Das alles bewies eindrucksvoll, welches Niveau diese Autoren hatten, deren Werke ins Feuer geworfen worden waren.

Deren Inhalt war alles andere als hasserfüllt oder demotivierend für den kritischen Leser. Aber es reichte während der Nazi-Zeit schon, sich mit Gedanken zu befassen, die nicht genügend Staatstreue und Vereinbarkeit mit der Linie dieser Diktatur erkennen ließen. Aber die Schwäche von Diktaturen ist es nun einmal, dass die Menschen, die in ihr leben, absolut linientreu sein müssen. Das bietet ihnen die einzige Sicherheit, nicht ausgewiesen zu werden oder in einem Lager zu landen.

Dass vor allem die deutsche Studentenschaft dem nazistischen Gedankengut erlag, ließ schon damals nichts Gutes befürchten. Man muss dem Literarischen Kabinett dankbar dafür sein, dass es sich auch mit den Geschehnissen befasst, die alles andere als ein Ruhmesblatt für die deutsche Geschichte sind. Angesichts jener unseligen Epoche des Dritten Reiches muss die Tatsache wie ein Wunder wirken, dass das deutsche Volk nach zwei Weltkriegen endlich das Glück hat, über siebzig Jahre in Frieden zu leben.




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