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„Uns schicken sie die Pest auf den Hals“

Anwohnerin der Feldstraße klagt über Lkw-Baustellenverkehr

BAD EILSEN. „Das ist ein politischer Hinterhalt“: Mit diesen harten Worten hat Christel Horn, Anwohnerin der Bad Eilser Feldstraße, ihrem Unmut über ein Parkverbot Luft gemacht, das in dieser Straße vielleicht vorübergehend eingerichtet werden könnte.

veröffentlicht am 01.06.2019 um 00:00 Uhr

Bei der Ratssitzung zeigte Ralf Ottermann einen Straßenplan vom Neubaugebiet „am Golfplatz“ und ein Foto zweier Verkehrszeichen, die er in Bad Eilsen fotografiert hat. Foto: wk
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Michael Werk Reporter zur Autorenseite
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BAD EILSEN. In das Reich der Möglichkeiten gerückt worden war dieses Thema bei der Sitzung des örtlichen Gemeinderates, bei der die Planung für den Straßenendausbau hinsichtlich des Neubaugebietes „Am Golfplatz“ vorgestellt wurde; dies liegt zu einem Teil auf dem Gebiet der Gemeinde Bad Eilsen, zu einem anderen Teil indes auf Luhdener Terrain.

Hierzu hatte Ralf Ottermann, Prokurist des Ingenieurbüros Kirchner Engineering Consultants aus Stadthagen, erklärt, dass es drei Alternativen gebe, über die der erforderliche Baustellenverkehr laufen könne: Entweder über die Wilhelmstraße beziehungsweise die Feldstraße oder über die zu Luhden gehörende Straße Am Sonnenbrink. Letztgenannte Option hielt der Experte aufgrund der örtlichen Gegebenheiten allerdings für „kritisch“. Auf spätere Nachfrage dieser Zeitung nannte er dafür mehrere Gründe: den noch ziemlich neuen Zustand der Straße Am Sonnenbrink, die dort geltende teilweise Einbahnstraßenregelung und die dort mitunter am Straßenrand parkenden Fahrzeuge.

Dass in der Feldstraße ebenfalls Fahrzeuge am Straßenrand parken, sah Ottermann bei der Sitzung zwar auch als - in Sachen Baustellenverkehr - problematisch an. Für nicht ausgeschlossen hielt er es jedoch, dass für das voraussichtlich rund 25 Wochen dauernde Bauvorhaben ein Parkverbot in der Feldstraße ausgewiesen werde, um dieses Problem zu lösen.

Über die an die Straße Am Sonnenbrink (vorne, rechts) und die Heinrich-Heine-Straße (links) angeschlossene Feldstraße (hinten, rechts) läuft nach Meinung einer Anwohnerin der Großteil des LKW-Baustellenverkehrs. Foto: wk

„Sie können sicher sein, dass wir uns das nicht gefallen lassen“, kommentierte Horn das mögliche Parkverbot. Und überhaupt: Es könne doch nicht sein, dass so ein Baugebiet über „so eine kleine Straße“ (Feldstraße) erschlossen werde, schimpfte die Seniorin. Schlimmer noch: „Die Gemeinden Bad Eilsen und Luhden wollen die Wohnqualität verbessern, und uns schicken sie die Pest auf den Hals.“

Es sei doch wohl legitim, den Baustellenverkehr für ein Bad Eilser Baugebiet auch über Bad Eilser Straßen zu schicken, merkte Svenja Edler, die Gemeindedirektion, hierzu an. Und auch der Luhdener Teil des Neubaugebietes „Am Golfplatz“ müsse erreicht werden können.

Wenn solch ein Parkverbot kommen sollte, „dann werden wir uns wehren - mit allen Mitteln, die uns zur Verfügung stehen“, konterte Horn.

Zuvor hatte Ottermann bei der Ratssitzung darauf hingewiesen, dass in Bad Eilsen zwar ein grundsätzliches Durchfahrtsverbot für Lkw gelte, dies aber eingeschränkt sei. Hierzu präsentierte er ein Foto des entsprechenden Verkehrszeichens, gemäß dem der Lkw-Anliegerverkehr in der Zeit von 7 bis 13 Uhr und von 15 bis 19 Uhr erlaubt ist. Ein Verkehrszeichen, das Lkw mit einem zulässigen Gesamtgewicht von mehr als 7,5 Tonnen die Durchfahrt durch die Feldstraße verbietet, hatte er nach eigenen Angaben indes nicht gefunden.

Wie Horn später im Gespräch mit dieser Zeitung berichtete, ist der Baustellenverkehr durch die Feldstraße schon seit Eröffnung des Neubaugebietes im Jahr 2002 ein Streitthema. Damals nämlich sei die Feldstraße an den Knotenpunkt der Straße Am Sonnenbrink und der zum Neubaugebiet gehörenden Heinrich-Heine-Straße angeschlossen worden. Seitdem habe „80 Prozent“ des mit dem Neubaugebiet zusammenhängenden Baustellenverkehrs den Weg über die Feldstraße gewählt. Exemplarisch hatte Horn, so erzählt sie, im Februar 2012 mal an drei aufeinanderfolgenden Tagen die Anzahl der an ihrem Wohnhaus vorbeifahrenden Lkw gezählt. An dem einen Tag hatte sie ihren Aufzeichnungen nach 14 Lkw notiert, an dem anderen neun LKW und an dem dritten Tag 13 Lkw.

Sie und die anderen Anwohner der Feldstraße hätten ein „Schutzbedürfnis vor diesen Lärmbelästigungen“, betont die Seniorin. Außerdem beklagt sie, dass die Feldstraße durch die schweren LKW kaputt gefahren werde. Und, auch das führt sie als Argument gegen den über die Feldstraße laufenden Baustellenverkehr an: Dieser LKW-Anliegerverkehr fahre durch Bad Eilsen, habe aber ein Anliegen in Luhden. Ihrer Ansicht nach ist dies ein Verstoß gegen die in Bad Eilsen für LKW geltenden Verkehrsvorschriften.

„Ich verstehe die ganze Aufregung nicht“, sagt Luhdens Gemeindedirektor Andreas Kunde. Schließlich müsse man durchaus auch über andere Gebiete fahren, wenn man irgendwohin Sachen anliefere. Zudem könne immer noch jeder frei entscheiden, wo er entlangfahren will - man müsse sich nur an die Straßenverkehrsordnung halten.

Die von Horn beklagte Lärmbelastung hält Kunde überdies nicht für nachvollziehbar. Seine Ansicht begründet er damit, dass das Neubaugebiet ja nicht ständig derart oft von LKW frequentiert werde und dass auch nicht alle LKW über die Feldstraße führen.

Von Ottermann war im Nachgang zu der Ratssitzung noch zu erfahren, dass er bei dem den Straßenendausbau ausführenden Bauunternehmen inzwischen folgende Fahrtregelung angeregt habe, um den Konflikt zu lösen: Die zum Neubaugebiet fahrenden, beladenen LKW sollten den Weg über die Wilhelm-Straße in Bad Eilsen wählen und die von dem Neubaugebiet wegfahrenden, entladenen LKW den Weg über die Straße Am Sonnenbrink. Ob dieser Vorschlag beachtet wird, darauf hat er als Planer nach seiner Aussage allerdings keinen Einfluss.




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