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Amphibienexperte Bruno Scheel hält Vortrag vor der Nabu-Gruppe Bad Eilsen / Viel Arbeit in den Forsten

Auch Pfützen dienen der Artenvielfalt

BAD EILSEN/HEEßEN. Konfliktstoff sei in seinem Vortrag schon enthalten, auch wenn es der Titel „Regenwasser- und Sedimentrückhaltung in den Forsten mit gleichzeitiger Förderung der Biodiversität“ nicht vermuten lasse, erklärte der Amphibienexperte Bruno Scheel vor Mitgliedern der Nabu-Gruppe Bad Eilsen, die im Heeßer Krug tagte. Und erste Meinungsverschiedenheiten traten noch an diesem Abend auf.

veröffentlicht am 09.05.2019 um 11:55 Uhr
aktualisiert am 09.05.2019 um 16:30 Uhr

Bruno Scheel, Amphibienexperte des Nabu in Niedersachsen, hält einen sehr interessanten Vortrag vor der Nabu-Gruppe Bad Eilsen, die im Heeßer Krug tagte. Foto: möh

Autor:

Cord-Heinrich Möhle
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BAD EILSEN/HEEßEN. Konfliktstoff sei in seinem Vortrag schon enthalten, auch wenn es der Titel „Regenwasser- und Sedimentrückhaltung in den Forsten mit gleichzeitiger Förderung der Biodiversität“ nicht vermuten lasse, wie der Amphibienexperte Bruno Scheel vor Mitgliedern der Nabu-Gruppe Bad Eilsen bei einem Treffen im Heeßer Krug erklärt hat. Und erste Meinungsverschiedenheiten traten noch an diesem Abend auf.

Als der Referent davon sprach, die Waldwege sollten nicht zu arg befestigt werden, denn schon in Reifenspuren, in denen Wasser stehe, könnten Amphibien ihren Laich ablegen, entbrannte eine Diskussion. Einer der Zuschauer betonte, dass er mit Scheel in Sachen „mehr Lebensraum für Insekten und Amphibien“ vollkommen übereinstimme, aber die in den Wäldern ausgewiesenen Wanderwege müssten schon richtig „ausgebaut“ sein, um Gefahrensituationen für Wanderer, die oft auch mit Kindern unterwegs seien, zu minimieren.

In seinem Vortrag bemängelte der Nienstädter Amphibienexperte generell, dass es in der heutigen Zeit um die Artenvielfalt nicht gerade gut bestellt sei. In der dicht besiedelten Bundesrepublik habe sich lange Zeit niemand dafür interessiert, dass feuchte Stellen trockengelegt worden und viele Wiesen der alten Art sowie kleine Tümpel komplett verschwunden seien.

Außerdem bedauerte er, dass einige der Waldwege derart befestigt worden seien, dass 40-Tonner sie befahren könnten, um zu jeder Jahreszeit den Holzeinschlag aus den Forsten zu holen. Der Lebensraum werde immer kleiner und daher, so Bruno Scheel, sei es kein Wunder, dass Insekten- und auch Amphibienarten vom Aussterben bedroht seien.

Der Referent forderte die Verantwortlichen dazu auf, nicht rigoros dafür zu sorgen, dass das Regenwasser auf dem schnellsten Weg von A nach B komme, sondern es müsse, wie auch schon mit viel Erfolg demonstriert, dort verbleiben, wo es anfalle. Notfalls dürften es Regenrückhaltebecken sein, wenn denn ein Eigentümer dafür Land zur Verfügung stelle.

Im Wald, so Scheel, biete es sich an, die Gräben mit sogenannten „Taschen“ beziehungsweise Ausbuchtungen zu versehen, die allerdings etwas tiefer ausgebaggert werden müssten. Bei Starkregen würde sich das Wasser zunächst verteilen und anschließend würde in den „Taschen“ und Ausbuchtungen immer etwas zurückbleiben, in dem Amphibien leben sowie laichen und somit für das Überleben ihrer Art sorgen könnten. Als Paradebeispiel führte er ein Gebiet an, in dem, natürlich in Abstimmung mit dem Waldbesitzer, auf zehn Kilometer Graben insgesamt 309 „Taschen“ mit einer Größe von 0,5 bis drei Kubikmeter angelegt worden seien.

Mit diesen „Taschen“ sei es ferner möglich, auch die Sedimente, die im geowissenschaftlichen Sinn verschiedene organische und/oder mineralische Lockermaterialien darstellen, im Wald zu halten. Wenn es notwendig sei, könne die Krume immer wieder aus den „Taschen“ und Ausbuchtungen an den Gräben herausgebaggert werden.

Auch für Eigenheimbesitzer hatte Scheel einige Anregungen zum Umgang mit dem Oberflächenwasser. Zunächst einmal sollte das Grundstück nicht mehr als notwendig versiegelt werden. Dann könne man das Regenwasser sammeln und zum Beispiel für die Toilettenspülung verwenden. Auch in einem Teich im Garten sei es möglich, Regenwasser zu sammeln. Wenn sich allerdings Amphibien im Teich ansiedeln sollen, dürfen keine Fische gehalten werden, denn die fressen wiederum den Laich der Amphibien. Auf entsprechende Nachfrage erklärte der Referent, er könne sich auch künstlich angelegte Pfützen auf Privatgrundstücken vorstellen, um den Lebensraum für Insekten und Amphibien entsprechend zu vergrößern.




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