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Vor Gericht: Schwer verletzte Ehefrau beschreibt die Messerstiche als Angriff ohne Vorwarnung

Bilder der Bluttat immer vor Augen

BUCHHOLZ/BÜCKEBURG. Im Prozess um die Bluttat von Buchholz hat die Frau des Angeklagten am Montagmorgen unter Tränen geschildert, wie ihr Mann 13 Mal mit einem Anglermesser auf sie eingestochen hat. Dies soll aus heiterem Himmel geschehen sein. „Er hat auf nichts reagiert“, erinnerte sich die 57-Jährige. „Ich weiß nicht, warum er das gemacht hat.“

veröffentlicht am 12.11.2018 um 16:49 Uhr
aktualisiert am 12.11.2018 um 19:10 Uhr

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BUCHHOLZ/BÜCKEBURG. Im Prozess um die Bluttat von Buchholz hat die Frau des Angeklagten unter Tränen geschildert, wie ihr Mann 13-mal mit einem Anglermesser auf sie eingestochen hat. Dies soll aus heiterem Himmel geschehen sein. „Er hat auf nichts reagiert“, erinnerte sich die 57-Jährige. „Ich weiß nicht, warum er das gemacht hat.“

Den Angaben zufolge war ihr Mann an jenem 16. Mai gegen 20 Uhr zur Toilette gegangen, bevor er ins Schlafzimmer zurückkehrte und plötzlich mit einem Messer vor dem Bett stand. „Jetzt kriegst du, was du willst“, soll der 57-Jährige nur gesagt haben. „Dann hat er zugestochen – ohne Vorwarnung, einfach so.“ Die Anklage geht bisher allerdings davon aus, dass der Mann auf seine im Bett liegende Frau eingeredet hat, bevor er losging, um das Messer zu holen, verbunden mit der Ankündigung: „Gut, wenn Du das so haben willst ...“

Irgendwie, so die Frau weiter, sei es ihr gelungen, ihn wegzustoßen. „Ich habe nur noch gesehen, dass ich wegkomme.“ Blutüberströmt flüchtete die Schwerverletzte damals zum Nachbarhaus. „Ich habe gesagt, sie sollen nicht aufmachen, wenn er klingelt. Er hat ein Messer in der Hand und will mich umbringen.“

Nach der Bluttat hatte sich der 57-Jährige die Klinge selbst in den Bauch gerammt. Er und seine lebensgefährlich verletzte Frau waren in unterschiedliche Krankenhäuser gekommen und gerettet worden. An die Tat will der Mann keine Erinnerung mehr haben.

„Das glaube ich nicht“, hatte Rechtsanwalt Friedbert Wittum, der in diesem Fall die Nebenklage vertritt, bereits am ersten Prozesstag erklärt, verbunden mit der Aufforderung, die Wahrheit zu sagen. „Er weiß ganz genau, was er getan hat“, fügte Wittums Mandantin gestern hinzu.

Der Mann litt unter anderem an starken Kopfschmerzen und Rückenproblemen. Er war als Patient in Krankenhäusern und psychiatrischen Kliniken. Wiederholt hatte der Eilser sinngemäß die Angst geäußert, er könne eines Tages sich und seiner Frau etwas antun. Als er einmal zwei Wochen lang im Krankenhaus lag, leistete ihm seine Frau jeden Tag von morgens bis abends Gesellschaft.

Die Tat liegt jetzt ein halbes Jahr zurück. Auf die Frage von Richter Thorsten Garbe, Vorsitzender der zuständigen Großen Strafkammer am Bückeburger Landgericht, wie es ihr heute gehe, antwortete die Frau: „Schlecht. Ich habe bleibende Schäden. Wie soll es mir da gehen? Ich kann nicht einmal mehr die Straße fegen, weil ich Schmerzen ohne Ende habe.“ Außerdem habe sie immer diese Bilder vor Augen.

„Ich habe meine Frau geliebt und liebe sie noch immer“, hatte der Angeklagte zum Prozessauftakt erklärt (wir berichteten). „Der Mensch kann mich gar nicht lieben, wenn er mich umbringen will“, sagte die 57-Jährige dazu.

Der Prozess wird fortgesetzt. Nach dem bisherigen Zeitplan soll das Urteil Anfang Dezember verkündet werden. Klaus Jochen Schmidt, Leitender Oberstaatsanwalt in Bückeburg, legt dem Angeklagten versuchten Totschlag und gefährliche Körperverletzung zur Last. ly




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