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Literarisches Kabinett

Das Quartett der Dichterfürsten

LUHDEN. Weimar war das geistige Zentrum im deutschen Raum, zumindest im 18. Jahrhundert, als dort Herder, Goethe, Schiller und Wieland lebten und wirkten. Der Eilser Heimat- und Kulturverein befasste sich in einer Veranstaltung des Literarischen Kabinetts mit dieser besonderen Blütezeit.

veröffentlicht am 19.10.2018 um 13:51 Uhr

In veränderter Zusammensetzung stellte sich diesmal das Literarische Kabinett vor. Von links: Carla Gramkow, Dieter Gutzeit und Friedrich Winkelhake. Foto: sig
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Autor

Siegfried Klein Reporter
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Da Lutz Gräber beruflich verhindert war, gehörte diesmal wieder Carla Gramkow zu dem Trio. Wie immer waren Friedrich Winkelhake und Dieter Gutzeit dabei. Winkelhake vertrat durchaus nachvollziehbar die Auffassung, dass Weimar zu jener Zeit sogar als der geistige Mittelpunkt in Europa angesehen werden konnte.

Er hatte sich deshalb auf Spurensuche nach Thüringen begeben. In Weimar gibt es zahlreiche Gebäude, die an das Wirken und Leben des „Viergestirns“ erinnern. Das dokumentierte der Bückeburger Heimatforscher mit zahlreichen Bildern auf einer Leinwand. Während die Gartenanlage und die Arbeitsplätze Goethes sehr ansehnlich und absolut vorzeigbar waren, lebte Friedrich Schiller offenbar unter deutlich spartanerischen Verhältnissen. Trotzdem war es ihm gelungen, eine Reihe großartiger und weltbekannter Dichtungen zu schaffen.

Die Sogwirkung des Weimarer Hofes war nicht zu übersehen, ihr konnte auch der damalige junge Gerichtsreferendar Johann Wolfgang Goethe nicht widerstehen. Seine neue berufliche Stellung in Weimar versetzte ihn in den Rang eines Staatsministers mit zahlreichen Kompetenzen. Besonders eng war die Zusammenarbeit mit der Herzogin Anna Amalia zu Braunschweig. Es erinnert noch heute eine überaus bedeutende und umfangreiche Bibliothek an die schon in jungen Jahren verwitwete Landesherrin.

Auch Johann Gottfried Herder verließ Bückeburg nach nur wenigen Jahren in Richtung Weimar. Dort wurde dem vom Grafen Wilhelm zu Schaumbur-Lippe ins Schaumburger Land geholten Gelehrten eine besser dotierte und einflussreichere Stellung angeboten. In Bückeburg war Herder als Konsistorialrat für den Bereich Schule und Kirche zuständig gewesen.

Der mit vielen Talenten gesegnete Friedrich Schiller schrieb in seiner Weimarer Zeit unter anderem „Die Räuber“, „Kabale und Liebe“ und „Don Carlos“. Das großartige Sprachgenie entstammt einem einfachen Elternhaus, das ihn aber zu guter Bildung anhielt.

Vierter in diesem Bunde der damaligen Geistesgrößen war Christoph Martin Wieland. Er war Professor in Erfurt und wurde als Erzieher des Erbprinzen nach Weimar berufen. Anna Amalia sagte ihm eine Pension auf Lebenszeit zu.

Der Zufall wollte es, dass mit Lukas Cranach auch ein berühmter Maler nach Weimar kam. Er wirkte dort als Hofmaler und schuf zusammen mit seinem Sohn insgesamt an die 5000 Gemälde.

Dem Literarischen Kabinett des Eilser Heimat- und Kulturvereins gelang es vorzüglich, in Wort und Bild jene Blütephase in der thüringischen Residenzstadt darzustellen. Zweifellos gehören diese Persönlichkeiten und ihr Schaffen zum Weltkulturerbe. Und Weimar bleibt weiterhin ein kulturelles Zentrum in Deutschland. Auch politisch machte sich diese Stadt einen Namen, denn hier wurde das erste deutsche Grundgesetz verfasst.

Neben der umfangreichen geistigen Nahrung gab es an diesem Abend im Luhdener Kirchenzentrum für die Teilnehmer auch einen sehr schmackhaften Eintopf sowie ein Dessert.




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