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Standesbeamtin Kerstin Döring verlässt Samtgemeinde Eilsen

„Eheschließungen machen Spaß“

EILSEN. Wie viele Ehen sie geschlossen hat? Genau kann Kerstin Döring das zwar nicht beziffern, wenige sind es aber auf jeden Fall nicht. Denn im Schnitt geben sich pro Jahr circa 35 Paare das Jawort im Standesamt der Samtgemeinde Eilsen, berichtet die 53-Jährige. Und die meisten dieser Trauungen habe sie selbst vorgenommen, seit sie 2001 Standesbeamtin geworden ist.

veröffentlicht am 24.10.2018 um 11:36 Uhr
aktualisiert am 24.10.2018 um 16:20 Uhr

„Ich habe immer gerne hier gearbeitet“, sagt Kerstin Döring über ihre Zeit bei der Samtgemeinde Eilsen. Foto: wk
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Michael Werk Reporter zur Autorenseite
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Für die anderen Vermählungen in dieser Zeit ist dagegen ihre Kollegin zuständig gewesen.

„Eheschließungen machen Spaß“, weil man dabei „glückliche Menschen“ vor sich sitzen habe, sagt Döring. Allerdings machen die Trauungen nur einen Teil der im Standesamt anfallenden täglichen Arbeit aus. Zu bearbeiten sind nämlich auch viele Sterbefälle (vor allem Todesfälle von Bewohnern der örtlichen Alters- und Pflegeheime), Namensänderungen (etwa nach einer Scheidung) und Geburtsanzeigen. Da es in der Samtgemeinde Eilsen aber weder ein Krankenhaus mit Entbindungsstation noch ein von Hebammen betriebenes Geburtshaus gibt, spielen lediglich Hausgeburten eine Rolle. Daher hatte das Standesamt laut Döring seit 2001 unterm Strich nur rund zehn Geburten zu beurkunden.

Noch mal zurück zu den Eheschließungen: Im Grunde gebe es – grob unterschieden – vier Arten von Trauungen, resümiert Döring. Angefangen bei Hochzeiten in einem sehr kleinen, bescheidenen Rahmen, bei denen das Brautpaar allein ins Standesamt kommt. Mitunter dauern diese Termine allerdings länger als solche, bei denen zahlreiche Gäste dabei sind. Denn im kleinen Kreis – zu dritt mit der Standesbeamtin – haben die Brautleute oftmals viel mehr zu erzählen.

Das Gegenstück hierzu sind Trauungen im großen Stil mit meist jüngeren Paaren, bei denen die Braut im weißen Brautkleid erscheint und die auch sonst das „ganze Drumherum haben wollen“. Nach dem formalen Behördenakt, für den im Schnitt zwanzig Minuten zu veranschlagen sind, zelebrieren diese Festgesellschaften die Hochzeit dann auch noch draußen vor dem Samtgemeinde-Rathaus weiter, bevor es zur eigentlichen Feier geht.

Ferner gibt es Trauungen, bei denen sich üblicherweise schon länger zusammenlebende Paare nach eigenen Worten „nur zusammenschreiben lassen“ möchten. „Die Romantik fehlt da“, verdeutlicht Döring die bei solchen Terminen herrschende Stimmung. Als Standesbeamtin habe sie in derlei Fällen dennoch stets versucht, zumindest ein bisschen Romantik aus den vor ihr sitzenden Hochzeitspaaren „herauszukitzeln“.

Und schließlich sind da noch die „Trauungen mit Ausländerbeteiligung“. Diese benötigen wegen der aus den Heimatländern der ausländischen Hochzeitspartner zu besorgenden Urkunden oftmals eine lange Vorbereitung, erklärt Döring. Ebenso wie Deutsche, die in einem anderen Land heiraten möchten, brauchen auch Ausländer, die in Deutschland eine Ehe schließen wollen, ein sogenanntes „Ehefähigkeitszeugnis“. Bestätigt werde darin von amtlicher Stelle, dass die ausländische Braut oder der ausländische Bräutigam aktuell nicht (mehr) verheiratet ist. Sollten einer oder beide Hochzeitspartner der deutschen Sprache nicht mächtig sein, muss bei der standesamtlichen Trauung zudem ein Dolmetscher zugegen sein. Und sofern der Verdacht besteht, dass eine rechtswidrige Scheinehe geschlossen werden soll, wird vorab ein intensives persönliches Gespräch mit dem Paar geführt, im Rahmen dessen die wahren Heiratsabsichten anhand eines vorgegebenen Fragenkatalogs überprüft werden.

Apropos verheiratet: Bei diesem Thema erinnert sich Döring an einen ganz und gar nicht alltäglichen Fall, bei dem der Bräutigam seiner Braut während der just begonnenen standesamtlichen Zeremonie gebeichtet hatte, dass er zuvor nicht nur einmal geschieden worden sei, sondern sogar schon mehrfach. Woraufhin die geschockte Braut, die bis dato gedacht hatte, dass ihr zukünftiger Ehemann bislang nur einmal verheiratet gewesen war, ihre eigene Hochzeit quasi in letzter Minute platzen ließ.

Trotz aller Freude an ihrer derzeitigen Tätigkeit im Standesamt scheidet Döring aber Ende Oktober dieses Jahres auf eigenen Wunsch aus den Diensten der Samtgemeinde Eilsen aus, da sie sich beruflich noch einmal verändern möchte. Ihre neue Wirkungsstätte ist ab dem 1. November die Rattenfängerstadt Hameln, bei der Döring eine höher dotierte Stelle im Amt für Kindergartenbetreuung antreten wird.




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