weather-image
23°

Zeitzeugen-Berichte im Ahnser Harrlstollen

„Ein besonders toller, historischer Ort“

AHNSEN. Zu einer Lesung unter Tage hat der Heimat- und Kulturverein Eilsen im Rahmen seines „Literarischen Kabinetts“ eingeladen. Als Location diente der Ahnser Harrlstollen, in dem während des Zweiten Weltkrieges eine geheime Kopieranlage des deutschen Flugzeugherstellers Focke-Wulf untergebracht war, der im Kurort Bad Eilsen eine Entwicklungsabteilung für Flugzeuge betrieben hatte. Die Resonanz überstieg die Erwartungen der Organisatoren: Schon lange vor dem Termin war diese besonderen Ausgabe der Veranstaltungsreihe ausverkauft. Mehr als achtzig an der Historie des ehemaligen Steinkohlebergwerkes Interessierte hatten bei dieser Ausgabe der Veranstaltungsreihe dabei sein wollen. Aufgrund des begrenzten Platzangebotes konnten jedoch nur rund 40 Besucher teilnehmen.

veröffentlicht am 24.05.2019 um 12:45 Uhr
aktualisiert am 28.05.2019 um 16:42 Uhr

An rustikalen Tischen sitzend, lauschten die Veranstaltungsbesucher der Lesung. Foto: wk
Michael_Werk

Autor

Michael Werk Reporter zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der SZ/LZ? Dann melden Sie sich hier mit Ihren SZ/LZ -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

AHNSEN. Zu einer Lesung unter Tage hat der Heimat- und Kulturverein Eilsen im Rahmen seines „Literarischen Kabinetts“ eingeladen. Als Ort diente der Ahnser Harrlstollen, in dem während des Zweiten Weltkriegs eine geheime Kopieranlage von Focke-Wulf untergebracht war. Der deutsche Flugzeugherstellers betrieb im Kurort Bad Eilsen eine Entwicklungsabteilung.

Die Resonanz überstieg die Erwartungen der Organisatoren. Schon lange vor dem Termin war diese besondere Ausgabe der Veranstaltungsreihe ausverkauft gewesen. Mehr als 80 an der Geschichte des ehemaligen Steinkohlebergwerks Interessierte wollten dabei sein. Aufgrund des begrenzten Platzangebots konnten jedoch nur rund 40 Besucher teilnehmen.

Zur Stärkung gab es erst einmal eine Suppe. Angesichts der kühlen Temperatur, die in der Unter-Tage-Anlage herrscht, dürfte den Teilnehmern diese warme Mahlzeit genau recht gewesen sein.

2 Bilder
Daniel Schmidt (li.) gab einen Überblick über die Bergbau-Geschichte des Harrlstollens. Foto: wk

Dann lasen die Initiatoren und Vorstandsmitglieder des Vereins, Friedrich Winkelhake und Dieter Gutzeit, aus Aufzeichnungen zweier damaliger Focke-Wulf-Mitarbeiter. Ein Franzose und eine Estin berichteten von ihrer Arbeit in Bad Eilsen sowie im Ahnser Harrlstollen. Zu der urigen Atmosphäre in dem nur spärlich beleuchteten, langen, schmalen Raum trugen kleine Lichter bei, platziert auf rustikalen Tischen. Sitzen konnten die Teilnehmer auf einfachen Bänken.

„Es ist ein besonders toller, historischer Ort“, erklärte Winkelhake zum Auftakt. Zudem würdigte er das Engagement des neuen Harrlstollen-Eigentümers, Daniel Schmidt, und dessen vieler Mitstreiter, die die Untertage-Anlage in ihrer Freizeit zu einem Besucherbergwerk ausbauen. Was diese gemeinsam leisten, sei „große Klasse, das kann man kaum beschreiben“.

Zu der Lesung der Zeitzeugen-Berichte steuerte Winkelhake zudem eigene Recherchen und auch ein paar Anekdoten bei. So erinnerte er etwa an seinen vor etlichen Jahren in der Zeitung veröffentlichten und von einigen Lesern tatsächlich ernst genommenen Aprilscherz, das legendäre Bernsteinzimmer sei im Harrlstollen versteckt.

Schmidt informierte darüber, dass in dem Ahnser Bergwerk um 1885 herum mit dem Abbau der Steinkohle begonnen worden sei. Herausgeholt wurde demnach Kohle aus der sogenannten Wealden-Zeit, also Kohle, die rund 145 Millionen Jahre alt ist. Zum Vergleich: Die im Ruhrgebiet geförderte Steinkohle stammt aus der Karbon-Zeit und ist somit etwa 365 Millionen Jahre alt.

Betrieb 1925

erstmals eingestellt

Erstmals ist der Betrieb im Harrlstollen Schmidt zufolge 1925 eingestellt worden. Während des Dritten Reichs sei der Kohleabbau kurzzeitig wieder aufgenommen worden. 1942 sei dann der für die Nutzung der Anlage durch Focke-Wulf erforderliche Ausbau erfolgt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ist laut Schmidt bis ungefähr 1948 noch ein bisschen Notbergbau „auf eigene Faust“ im Harrlstollen betrieben worden. Danach sei die Anlage in einen Dornröschenschlaf verfallen, bis im Jahr 2017 „ein paar Verrückte aus dem Ruhrgebiet“ gekommen seien, um den Harrlstollen zu einem Besucherbergwerk auszubauen. Wenn das Projekt fertiggestellt ist, wird es dort nach seinen Worten zusätzlich zu den Räumen der ehemaligen Focke-Wulf-Anlage eine rund 2,4 Kilometer lange Strecke zu besichtigen geben. Besucher können sie auf einem Rundweg begehen.




Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Kommentare