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Gastronomen wegen Großveranstaltungen verärgert

„Es wird keine Rücksicht auf uns genommen“

BAD EILSEN. Mehr als 2000 Besucher hat die von „Affen Events“ im Kurpark ausgerichtete Veranstaltung „Bad Eilsen leuchtet“ angelockt. Nicht wenige davon dürften das zweitägige Fest noch lange gut in Erinnerung behalten. Zwei Gastronomen indes, die im Kurpark je ein Lokal betreiben, sind auf dieses Fest nicht gut zu sprechen.

veröffentlicht am 12.07.2018 um 10:07 Uhr
aktualisiert am 12.07.2018 um 16:15 Uhr

Die beiden Gastronomen Karl Stramer (rechts) und Erwin Sengebusch sehen ihre Interessen bei den von der Agentur „Affen Events“ aufgezogenen Open-Air-Veranstaltungen nicht ausreichend berücksichtigt. Foto: wk
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Michael Werk Reporter zur Autorenseite
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Denn Karl Stramer („Stramer’s Cafébar & Bistro“) und Erwin Sengebusch („Bistro Am Tennisplatz“) empfinden die Großveranstaltung als geschäftsschädigend. „Das Problem ist, dass wir überhaupt nicht eingebunden wurden – es wird keine Rücksicht auf uns genommen“, beklagt Stramer. So sei sein Lokal respektive dessen Terrasse am zweiten Veranstaltungstag (Samstag) durch einen in nur ein bis zwei Metern Abstand aufgestellten, hohen Gitterzaun eingeengt worden. Seine draußen sitzenden Gäste hätten sich deshalb wie in einem „Gefängnis“ gefühlt. Zudem sei der Zugang zu seinem Gastronomiebetrieb aufgrund des Zaunes nicht mehr eindeutig zu erkennen gewesen.

„Ich habe reihenweise Beschwerden von den Gästen gehabt“, sagt Stramer. Überdies merkt er an, dass es doch „nur fair“ sei, so etwas wie den Aufbau eines Zaunes vorher abzusprechen. Und überhaupt: Eine kleine Einschränkung müsse er wegen solch einer Großveranstaltung zwar in kauf nehmen, aber den Zaun dermaßen dicht neben seine Außenterrasse zu stellen, das sei schon „rücksichtslos“.

Sengebusch moniert dagegen, dass der aus Richtung „Fürstenhof“ zu seinem Bistro führende Parkweg, die Lindenallee, am Samstag bereits ab dem Nachmittag wegen des Festes abgesperrt worden war. Obwohl es seines Erachtens gereicht hätte, den Fußweg erst eine halbe Stunde vor dem gegen 23 Uhr im Kurpark gezündeten Feuerwerk abzusperren. Letzteres wäre „auch völlig OK gewesen“, betont der Gastronom, denn dann hätten nachmittags auch Leute („wir haben ja alle unsere Stammgäste“) zu ihm kommen können.

Durch den – teilweise sogar mit einer weißen Plane verhängten – Gitterzaun haben sich seine auf der Terrasse seines Lokals (rechts im Bild) sitzenden Gäste wie in einem Gefängnis gefühlt, sagt Karl Stramer. Foto: pr
  • Durch den – teilweise sogar mit einer weißen Plane verhängten – Gitterzaun haben sich seine auf der Terrasse seines Lokales (rechts im Bild) sitzenden Gäste wie in einem Gefängnis gefühlt, sagt Karl Stramer. Foto: pr

Damit nicht genug, ärgern sich die beiden auch über die von der Agentur „Affen Events“ an der Konzertmuschel im Bad Eilser Kurpark aufgezogenen Public Viewings.

Seit fast 20 Jahren betreibe er nun schon sein Lokal, und während dieser Zeit habe er auf der Terrasse immer die Fußball-Weltmeisterschaften gezeigt, erklärt Stramer. In diesem Jahr aber sei es ihm „kaum möglich“ gewesen, seine Gäste dort zu halten. Zum einen, da die Lautstärke des von „Affen Events“ ausgerichteten Public Viewings sehr hoch gewesen sei, zum anderen, weil der Ton (die Kommentare der Sportmoderatoren) zweitversetzt zu dem auf seiner Außenterrasse zu hörenden Fernsehton herübergeschallt sei.

„Mir sind die Gäste reihenweise weggelaufen durch diesen Krach“, berichtet Stramer. Und wenn die Gäste durch so etwas weggehen, dann sei dies geschäftsschädigend.

„Es ging jahrzehntelang anders: Jeder hat sein Public Viewing gemacht und es hat immer für alle gereicht“, macht dagegen Sengebusch seinem Ärger Luft. Diesmal aber habe bei ihm niemand zum Fußballschauen gesessen, da alle bei dem Public Viewing der Agentur „Affen Events“ gewesen seien.

Mareike Wolfes und Kevin Mrosowski, die beiden Geschäftsführer der Agentur „Affen Events“, können die ganze Aufregung nicht verstehen.

Eine kostspielige Großveranstaltung wie „Bad Eilsen leuchtet“ finanziere sich vor allem über den Getränkeverkauf und nur zu einem geringeren Teil über die von den Besuchern erhobenen Eintrittsgelder, sagt Wolfes. Dabei trage man als Ausrichter solch einer Veranstaltung ein erhebliches unternehmerisches Risiko, da die Kalkulation ja auch mal nicht aufgehen könne. Dies habe man Stramer bereits 2017 in einem persönlichen Gespräch erläutert, als es darum gegangen sei, warum man den Getränkeverkauf ausschließlich in Eigenregie manage. Anlass hierfür sei gewesen, dass Stramer damals (bei der Premiere von „Bad Eilsen leuchtet“) seinerseits Getränke bei dem Fest habe verkaufen wollen, was man ihm aber aus eben diesem Grund untersagt habe.

Alternativ hätte sich der Gastronom jedoch gerne an den Kosten beteiligen und dafür einen Verkaufsstand für Flammkuchen oder andere Speisen bei der Veranstaltung betreiben können, so Wolfes. Und was Sengebusch betrifft, sei dessen Bistro trotz der lediglich am Samstag erfolgten Absperrung des Festgeländes über den rückseitigen (östlichen) Teil des Kurparks weiterhin frei zugänglich gewesen.

„Wir haben die Fläche ja gemietet“, ergänzt Mrosowski. Im Übrigen sei ihm von einem der Security-Mitarbeiter berichtet worden, dass von diesen mehrere Gäste durch die Absperrung zu Sengebuschs Lokal durchgelassen worden seien.

Hinsichtlich der Public Viewings ist sich Mrosowski zudem sicher, dass Stramer davon „auf jeden Fall“ profitiert habe, weil etliche Besucher während der Übertragung der Fußballspiele und im Anschluss bei „Stramer’s Cafébar & Bistro“ eingekehrt seien, um dort etwas zu essen und zu trinken.




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