weather-image
23°

„Kampf gegen Windmühlen“

Frank Struckmeier (SPD) schmeißt Ratsmandat hin

AHNSEN. Knalleffekt bei der Sitzung des Ahnser Gemeinderates: Ohne vorherige Ankündigung hat Frank Struckmeier (SPD) seinen Verzicht auf das von ihm seit November 2016 ausgeübte Ratsmandat erklärt.

veröffentlicht am 07.06.2019 um 16:38 Uhr

Frank Struckmeier. Foto: wk
Michael_Werk

Autor

Michael Werk Reporter zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der SZ/LZ? Dann melden Sie sich hier mit Ihren SZ/LZ -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

AHNSEN. Statt diese Entscheidung jedoch persönlich (sprich: verbal) zu verkünden und gegebenenfalls auch zu erläutern, übergab er lediglich eine schriftliche Mitteilung, um gleich danach auf einem der für interessierte Bürger bereitgestellten Besucherstühle Platz zu nehmen.

Daraufhin nahm Gemeindedirektor Bernd Schönemann das Schriftstück in Augenschein und verlas dann Struckmeiers knappe Mitteilung, laut der dieser das Ratsmandat per sofort niederlege. Schönemann merkte hierzu lediglich an, dass Struckmeiers Mitgliedschaft in dem Gemeinderat damit allerdings noch nicht ende (Denn dafür bedarf es formal noch einer entsprechenden Feststellung seitens des Rates; Anm. d. Red.).

Auf Nachfrage dieser Zeitung sagte Struckmeier später, dass sein Entschluss im Laufe des vergangenen halben Jahres gereift sei. Die Gründe, die zu seiner Entscheidung geführt haben, seien aber nichts für die Öffentlichkeit. Dafür aber brachte er ein Zitat, das ihm zufolge von dem US-amerikanischen Bürgerrechtler Martin Luther King stammen soll: „Um Feinde zu bekommen, ist es nicht nötig, den Krieg zu erklären. Es reicht, wenn man einfach sagt, was man denkt!“ Zudem bezeichnete er seine Arbeit im Ahnser Gemeinderat als einen „Kampf gegen Windmühlen“.

„Es kam für mich völlig überraschend“, kommentiert Schönemann im Nachgang zu der Ratssitzung den Mandatsverzicht Struckmeiers. Warum sich dieser so entschieden habe, darüber wolle er nicht spekulieren, so der Gemeindedirektor. Das seien alles nur Vermutungen.

Sicher sei laut Schönemann indes, dass das Thema bei der nächsten Ratssitzung auf die Tagesordnung komme. Dann nämlich müsse der Rat den Amtsverzicht feststellen und die Nachfolge regeln. Nachrücker sei demnach Rüdiger Piel, wenn dieser das Amt denn annehmen wolle.

Überrascht von Struckmeiers Rücktritt zeigt sich auch Ahnsens Bürgermeister Harald Niemann: „Die Gründe sind mir nicht bekannt“, teilt er mit. Jedenfalls sei ihm „nichts Offenkundiges“ in Erinnerung, was die Mandatsniederlegung begründen könnte. Und dass man in der Politik nicht immer einer Meinung sei, das sei doch Bestandteil eines jeden Beratungs- und Entscheidungsprozesses.

„Fachlich ist das sicherlich ein Verlust“, meint Robert Pavlista, der Sprecher der CDU-Ratsfraktion. Struckmeier habe sich nämlich immer sehr in die jeweiligen Themen reingehängt. Gleichwohl sei dessen „persönliche Art schon sehr fordernd“ gewesen. Denn wenn Struckmeier eine Meinung hatte, sei es „fast unmöglich“ gewesen, diesen von einer anderen Meinung zu überzeugen. Wobei Struckmeier auch in der SPD-Fraktion „seine eigene Linie gefahren“ habe.




Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Kommentare