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Bewundernswertes Projekt

Freilichttheater: Rintelner Gymnasiasten spielen „Was ihr wollt“

BAD EILSEN. Laienspielgruppen bevorzugen für ihre Aufführungen in der Regel Stoffe mit weniger anspruchsvollem Inhalt und auch weniger herausfordernden Texten. Das gilt offensichtlich nicht für die Theatergruppe des Rintelner Gymnasiums Ernestinum. Sie bewies das wieder bei ihrem Auftritt auf dem idyllischen Gelände hinter dem Tuffsteinbrunnen des Kurorts.

veröffentlicht am 03.06.2019 um 12:04 Uhr
aktualisiert am 03.06.2019 um 17:10 Uhr

Die Filmdiva Olivia mit ihrer Entourage. Foto: sig
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Autor

Siegfried Klein Reporter
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BAD EILSEN. Laienspielgruppen bevorzugen für ihre Aufführungen in der Regel Stoffe mit weniger anspruchsvollem Inhalt und auch weniger herausfordernden Texten. Das gilt offensichtlich nicht für die Theatergruppe des Rintelner Gymnasiums Ernestinum. Sie bewies das wieder bei ihrem Auftritt auf dem idyllischen Gelände hinter dem Tuffsteinbrunnen des Kurortes.

Vor etwa zehn Jahren führten die damaligen Gymnasiasten dort den „Sommernachtstraum“ von William Shakespeare auf. Auch das Drama „Romeo und Julia“ gehörte bereits zu ihrem Repertoire. Es ist erstaunlich, dass sich die Oberstufenschüler an derart komplizierte Dichtungen heranwagen, die so umfangreiche und sprachlich schwierige Textpartien enthalten. Natürlich ist es alles andere als zeitgenössisch, was Shakespeare vor mehr als 400 Jahren erdachte, aber seine Werke finden auch noch heute Interesse – sowohl bei Laienspielern als auch bei Profis.

Vielleicht ist es die Mischung zwischen dramatischen und komödiantischen Handlungen, an denen Zuschauer auch nach Jahrhunderten noch Spaß haben. Eventuell macht das nicht immer leicht nachzuvollziehende Verwirrspiel der handelnden Personen den besonderen Reiz solcher Stücke aus. Da gibt es Frauen in Männerrollen und Personen, die bewusst täuschen wollen, und letztlich gibt es auch überstürzende Ereignisse, die für dramatische oder lustige Momente sorgen. Natürlich war das noch eine Zeit, in der Edelmänner, Haushofmeister und Kammerzofen sowie Hofnarren nichts Ungewöhnliches waren. Aus ihren Rollen und oft sehr unterschiedlichen Charakteren entsteht ein zusätzlicher Spannungsbogen. Und schließlich geht es auch beim Zusammentreffen solcher Figuren um die Liebe, die auch heute noch in vielen Theaterwerken eine herausragende Rolle spielt. Dass sich auch bei Shakespeare am Ende alles weitgehend auflöst, und damit auch bei den Zuhörern Zufriedenheit einkehren kann, ist nicht verwunderlich.

Die aufmerksamen Zuschauer verfolgten gespannt das Geschehen auf der Freilichtbühne. Foto: sig

In der Bearbeitung des Stückes durch den Schauspieler Christian Quadflieg ist einiges zeitgemäßer geworden, vor allem die Sprache. Fest steht aber, dass eine solche Aufführung, die fast drei Stunden dauert, Laienschauspieler sowohl textlich als auch mimisch zu sehr beachtlichen Leistungen herausfordert. Dazu kommt noch die Tatsache, dass ohne Tonverstärker das gesprochene Wort im Freien schneller verhallt. Aber auch da haben sich alle Mitspieler bemüht, ihre Aufgaben gut zu lösen. Anerkennung verdienen zudem alle im Hintergrund mitwirkenden Schüler und vor allem der Leiter der Theatergruppe, Alexander Wolf.

Das Einstudieren von „Was ihr wollt“ erscheint angesichts der Tatsache, dass so viele Rollen eingeübt werden mussten, ein bewundernswertes Projekt zu sein. Das wussten auch die zahlreichen Zuschauer im Kurpark mit ihrem Beifall zu würdigen.

Besonders in Erinnerung bleiben werden einige Hauptrollen. Dazu gehören der Herzog Orsino, gespielt von Francesca Marie Bühne, die Filmdiva Olivia (Jennifer Nicole Dannhoff), der Trunkenbold (Carlotta Zoe Mierheim) und der heimlich in Olivia verliebte Malvolio, ihr Diener (Blerand Kelmendi) sowie die beiden Hofnarren (Daniela Winkelhake und Henning Netzel).




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